Arbeiterwohlfahrt: Traute Gothe hat sieben Vorsitzende miterlebt

100. Geburtstag feiert die Arbeiterwohlfahrt in diesem Jahr. Peter Schilling, Leiter des Awo Wohn- und Servicezentrums Wedel, und die Ortsverbandsvorsitzende Renate Palm (rechts) luden dazu zu einem „Tag der offenen Tür“ ein. Da durfte Traute Gothe als dienstälteste Helferin nicht fehlen.
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100. Geburtstag feiert die Arbeiterwohlfahrt in diesem Jahr. Peter Schilling, Leiter des Awo Wohn- und Servicezentrums Wedel, und die Ortsverbandsvorsitzende Renate Palm (rechts) luden dazu zu einem „Tag der offenen Tür“ ein. Da durfte Traute Gothe als dienstälteste Helferin nicht fehlen.

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30. September 2019, 16:00 Uhr

Wedel | „Bei mir ging es los mit Essen auf Rädern“, sagt Traute Gothe. Die 86-Jährige ist seit 1975 Helferin bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) und damit die dienstälteste Ehrenamtliche. „Mein Mann hat mich damals zur Awo geschickt“, erinnerte sich Gothe. „Die SPD-Männer haben ihre Frauen zum Helfen zu uns geschickt. Das war damals so“, wirft die Awo-Ortsvereinsvorsitzende Renate Palm ein.

„Ich habe ja nicht alles miterlebt“, sagt Gothe auf die Frage wie sich die Awo verändert hat, die in diesem Jahr bundesweit ihren 100. Geburstag feiert – der Wedeler Orstverein ist mehr als 90 Jahre alt. Gothe berichtet von den Badetagen. „Zu zweit haben wir diejenigen, die nicht mehr allein in eine Wanne steigen können, in die Wanne gehievt. Die Stand mitten im Raum, so dass wir Platz hatten.“ An Barrierefreiheit habe damals niemand gedacht, erläutert Palm. „Wenn man solange dabei ist, kommt man nicht mehr von der Awo los“, sagt Gothe, die von 1980 bis 2013 im Vorstand mitgearbeitet hat und noch immer mittwochs die Tagesleitung übernimmt. „Man sagt, die Arbeit in der Awo sorge für ein langes Leben“, ergänzt Palm lachend.

Sieben Vorsitzende hat Gothe miterlebt. Die größten Veränderungen seien für sie im Helferteam. „Es gibt immer weniger alte Menschen, die ehrenamtlich arbeiten. Die meisten müssen sich etwas dazuverdienen“, sagt Gothe. Das hat auch Pein festgestellt. „Es gibt große gesellschaftliche Veränderungen Dass jemand mit 40, 50 Jahren wie Frau Gothe damals anfängt, das gibt es heute nicht mehr. Vor der Rente bekommen wir keine Helfer mehr. Die meisten unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter sind über 80 Jahre alt.“ Sorgen um die Zukunft haben aber weder Pein noch Gothe. „Das Gute ist, dass sich bisher immer jemand findet, der Aufgaben übernimmt, wenn ein anderer Helfer entscheidet, kürzer zu treten.“

Gothe legte mit 80 Jahren ihr Vorstandsamt nieder. Ist dann mit 90 insgesamt Schluss bei der Awo? „Ich hoffe nicht. Ich habe zumindest nichts geplant. Ich will so lange weitermachen wie es geht“, sagt Gothe.

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