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Wedel-Schulauer Tageblatt

22. August 2017 | 13:14 Uhr

Applaus selbst für das Bühnenbild

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Theater Wedel Gelungene Premiere für „Wer hat Tante Myrtle gesehen?“ / Darsteller setzen Stoff in beeindruckender Weise um

Applaus brandete im Theater Wedel auf, als der Scheinwerfer für die erste Szene um Lena Prehm, die die Redakteurin Harriet beim Verlag „Frau um die vierzig“ spielte, erlosch und erstmals den Arbeitsbereich von Statistiker Leonard erleuchtete. Der Beifall galt Darsteller Marko Lohmann, aber auch der raffinierten Bühnenkonstruktion des neuen Stücks „Wer hat Tante Myrtle gesehen?“ im Theater Wedel. Auf der Bühne wurden vier Bühnenbilder auf drei Ebenen dargestellt. Durch die entsprechende Beleuchtung wechselte der Blick der Zuschauer von der Wohnungstür, ins Zimmer von Leonards Tochter Dee Dee, bei der Premiere am Sonnabend gespielt von Ann-Marie Speer, ins Arbeits- und Wohnzimmer von Leonard oder ins Büro der Redakteurin Harriet. Umbaupausen fielen bei der Konstruktion von Frank Dostal und Dittmar Tetzlaff komplett weg.

Leonard ist ein schüchterner Mann, von Beruf Statistiker und lebt, seit seine Frau ihn verlassen hat, mit seiner selbstbewussten Tochter Dee Dee und seinem umtriebigen Vater Fred, gespielt von Hans Kall, zusammen. „Du bist nicht langweilig, Du führst nur ein langweiliges Leben“, charakterisiert Dee Dee ihren Vater. Worte, die er von seiner Ex-Frau kennt: „Sie meinte, ich sei der langweiligste Mann ganz Südwest-Londons.“ Als Statistiker sieht er das aber wieder positiv: „Der langweiligste bei 2,95 Millionen. Das ist doch eigentlich eine beeindruckende Leistung.“ Auch sein Vater, ein Schlüpferstürmer, der sich für Pferdewetten begeistert, kann mit dem Leben des schüchternen Statistikers wenig anfangen.


Gefühlswandlungen überzeugend gespielt


Als Leonard ihm vorhält „Dee Dee wird schon so seltsam wie ihr Opa“, kontert dieser: „Besser als so langweilig wie ihr Vater.“ Immer wieder werden in den Dialogen Statistiken eingestreut, die aber für die Zuschauer eher belustigend als Running Gags fungieren. Leonards Hobby ist die Schriftstellerei. Als er vom Verlag „Frau um die vierzig“ abgelehnt wird, schreibt er unter dem Pseudonym „Myrtle Banbury“ und begeistert Redakteurin Harriet mit seinem Debütroman „Rendezvous in Brighton“. Diese möchte ihn unter Vertrag nehmen. Oder besser gesagt: sein Pseudonym. Damit gerät Leonards Welt aus den Fugen. Vorbei ist es mit der Langeweile spätestens als seine Familie von „Tante Myrtle“ erfährt und erkennt, dass Leonard ein doppeltes Spiel spielt.

Die Boulevardkomödie von Simon Williams soll während der Sommermonate leichte Unterhaltung bieten. Die vier Darsteller setzten das Stück, das im Original „Kiss my aunt“ heißt, in beeindruckender Weise um. Die zahlreichen Gefühlswandlungen wurden treffend und überzeugend gespielt. Zudem gelang es, den schmalen Grad von Komödie zu Klamauk nicht zu überschreiten. „Wer hat Tante Myrtle gesehen?“ ist unterhaltsame Abendunterhaltung mit vielen Lachern – und abwechslungsreicher als so manches EM-Spiel.


>www.theater-wedel.de

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