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Klassikkonzert in Wedel : Anspruchsvoll und berührend

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Das Konzert „Hör mein Bitten“ nahm mit auf einen Streifzug durch die europäische Musikszene des 19. Jahrhunderts.

Die Christuskirche an der Feldstraße in Schulau ist dafür bekannt, dass dort hochklassige Konzerte geboten werden. Diesmal zu Gast: Der Hamburger Mendelssohn-Chor mit „Kon-semble“, bestehend aus Studentinnen des Konservatoriums. Unter dem Titel „Hör mein Bitten“ kamen Werke verschiedener Komponisten zur Aufführung, wobei zwei starke Frauen der „I-Punkt“ auf dem Ganzen waren.

Die eine ist Almut Stümke, seit nunmehr zwölf Jahren Leiterin des Chores, der seit 1997 besteht. Ihr Engagement reißt nicht nur Sänger mit, sondern springt auch auf die Zuhörer über, so dass gemeinsame Freude an der Musik den Raum erfüllt. Ob getragene Weisen oder aufputschendes Fortissimo – der Zuhörer ist unweigerlich berührt und fasziniert.

Gefühlsbetonte musikalische Reise

Die andere sitzt an der wohltönenden Orgel des Gotteshauses: Die gebürtige Flensburgerin Maria Jürgensen, seit Jahren gefragte Begleitung und Solistin an Klavier und Orgel. Wenn sie die Finger über die Tastatur gleiten lässt, nimmt sie das Auditorium mit auf eine gefühlsbetonte musikalische Reise. Die ging diesmal in die Romantik des 19. Jahrhunderts. Darunter Stücke von Felix Mendelssohn-Bartholdy, dem Namenspatron des Chores. Dessen Kompositionen wurden gekonnt und anspruchsvoll präsentiert.

Doch ebenso professionell widmete sich der Chor sich dem schwedischen Komponisten August Södermann, dem bedeutendsten Vertreter seiner Zeit (1832-1876) in dem skandinavischen Land. Seiner Musik ist anzumerken, dass er häufig in Deutschland weilte und von Franz Liszt und Richard Wagner beeinflusst war. Selbiges gilt für die Romantiker César Franck und Gabriel Fauré, deren Werke das Konzert abrundeten.

Einmal mehr gab es einen Beleg dafür, wie grenzübergreifend und vereinend Musik sein kann: Franck selbst war sehr international, geboren als Kind eines deutsch-belgischen Paares und größtenteils wirkend in der französischen Metropole Paris. Fauré hingegen galt damals als Robespierre der klassischen Musik. Seinerzeit revolutionär komponierte er auch für den Kantoristen in der einfachen Kirche auf dem Land. Auch sein enger Bezug zu Wagner war nicht gern gesehen, hatten sich doch Deutsche und Franzosen 1870 / 71 im Krieg gegenübergestanden.

Der Streifzug durch die europäische Musikszene des 19. Jahrhunderts war vielschichtig, wenn auch unter dem Oberbegriff Romantik zusammengefasst. Das Repertoire reichte von tiefgreifend und melancholisch bis hin zu jubilierendem Crescendo.

Schade, dass etliche Plätze frei blieben. Es lag sicher nicht am gebotenen Programm, sondern daran, dass sich so mancher Musikliebhaber dem Diktat des Wetters mit zweistelligen Minusgraden gebeugt hatte.

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erstellt am 28.Jan.2014 | 12:00 Uhr

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