Prozess : Anklage nach Feuer in Wedeler Disco-Komplex

Stundenlang kämpften Feuerwehrkräfte in der Nacht zum 25. Mai 2017 gegen die Flammen im Disco- und Gewerbe-Komplex an der Rissener Straße. Nach monatelangen Ermittlungen stellte sich heraus: Die Ursache für das Großfeuer war Brandstiftung.
Stundenlang kämpften Feuerwehrkräfte in der Nacht zum 25. Mai 2017 gegen die Flammen im Disco- und Gewerbe-Komplex an der Rissener Straße. Nach monatelangen Ermittlungen stellte sich heraus: Die Ursache für das Großfeuer war Brandstiftung.

Staatsanwaltschaft wirft dem Betreiber Anstiftung zur Brandstiftung und versuchten Versicherungsbetrug vor.

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20. Februar 2018, 12:30 Uhr

Wedel | Mitte November war der letzte der drei Tatverdächtigen nach der Brandstiftung in dem Disco- und Gewerbekomplex an der Rissener Straße in Wedel vom Mai 2017 festgenommen worden. Jetzt soll ihnen der Prozess gemacht werden. Die Staatsanwaltschaft in Itzehoe hat gegen die drei Männer Anklage erhoben. Voraussichtlich im April haben sie sich vor der großen Strafkammer am Landgericht Itzehoe zu verantworten. 

Ein genaues Datum der Verhandlungen steht laut Oberstaatsanwalt Peter Müller-Rakow noch nicht fest. Er gehe jedoch von einem baldigen Beginn aus, da ein Angeklagter bereits seit Oktober 2017 in Untersuchungshaft sei, so Müller-Rakow. Die Rede ist von dem 37 Jahre alten Betreiber einer Disco in dem niedergebrannten Komplex. Ihm wird Anstiftung zu besonders schwerer Brandstiftung sowie versuchter Versicherungsbetrug vorgeworfen. Besonders schwer, weil die Tat zu einer Zeit erfolgte, zu der davon ausgegangen werden konnte, dass sich Menschen in dem Gebäude aufhalten. Und weil sie eine weitere Straftat ermöglichen sollte: den Versuch, die Versicherungssumme aus dem Brandschaden zu kassieren. Das Strafmaß für eine solche Tat liegt bei einer Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren.

Den beiden Mittätern, einem 38-jährigen Mann aus Wedel und einem 36-jährigen Hamburger, der ebenfalls in Haft sitzt, wirft die Staatsanwaltschaft gemeinschaftlich begangene schwere Brandstiftung vor. Laut Müller-Rakow hatte der Auftraggeber den Männern einen fünfstelligen Euro-Betrag für ihre Tat in Aussicht gestellt. Ihnen droht im Falle einer Verurteilung mindestens ein Jahr Gefängnis.

Schaden in einstelliger Millionenhöhe

Nach Angaben des Oberstaatsanwalts geht die Anklage davon aus, dass die Männer in das Gebäude eingedrungen sind und Räume verwüstet haben, bevor die den Brand gelegt haben.

Wie berichtet war in der Nacht zum Himmelfahrtstag am 25. Mai 2017 der Gebäudekomplex mit der ehemalige Großraumdisco Maxx, in der zuletzt Club- und Party-Locations mit mehrfach wechselnden Namen und Konzepten waren, sowie mit einem Asia-Restaurant, einer Spielhalle, Autovermietung und Werkstatt in Flammen aufgegangen. Rund 180 Feuerwehrkräfte kämpften bis weit in den Tag hinein gegen den Großbrand, der am Ende das gesamte Gebäude zerstörte. Es entstand ein Sachschaden in einstelliger Millionenhöhe.

Erst neun Stunden nach Ausbruch des Feuers wurden zwei vietnamesische Köche aus dem Gebäude gerettet. Die Männer hatten sich im Untergeschoss verschanzt und sich zunächst nicht bemerkbar gemacht, als Rettungskräfte das Gebäude durchsuchten. Als sie gegen Mittag vermisst gemeldet wurden, konnten sie schließlich aufgespürt werden. Wie sich herausstellte, hatte einer der Männer keine Aufenthaltsgenehmigung.

Seit der Brandnacht ist der Komplex neben dem Famila-Fachmarktzentrum eine Ruine. Wie es mit der Immobilie am Hamburger Orteingang weitergeht, ist zumindest bei Wedels Verwaltung nicht bekannt. Die Stadt stehe derzeit nicht in Kontakt mit der Eigentümer-Gemeinschaft, hieß es gestern auf Tageblatt-Anfrage. Die Wirtschaftsförderung begleite jedoch die ehemals in dem Gebäude ansässigen Unternehmen bei der Suche nach einem neuen Standort.

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