Angst vor der schwarzen Wand

Die Anwohner der Moorreger Werftstraße sind auf Zinne. Sie fürchten, dass sie bald auf eine schwarze Hallenwand schauen, die so hoch wird, wie die Bäume, die derzeit als Sichtschutz zum Nordmark-Gebäude dienen.
Die Anwohner der Moorreger Werftstraße sind auf Zinne. Sie fürchten, dass sie bald auf eine schwarze Hallenwand schauen, die so hoch wird, wie die Bäume, die derzeit als Sichtschutz zum Nordmark-Gebäude dienen.

Anwohner der Moorreger Werftstraße kritisieren Nordmark-Ausbaupläne / Änderung des Bebauungsplans 21 soll verhindert werden

shz.de von
31. August 2018, 16:05 Uhr

„Wenn man nur die Zahlen liest, klingt es gar nicht so schlimm. Wenn man hier vor Ort steht, sieht man erst, was für Auswirkungen die Planungen haben“, sagt Hauke Heidecke. Zusammen mit seinem Vater Kurt Uwe Heidecke hat er die Anwohner der Werftstraße am Mittwochabend in seinem Vorgarten versammelt. Mit dabei sind die Freien Wähler Moorrege (FWM) und Mitglieder der SPD. „Es ist eine Schande, dass die Regierungsfraktionen CDU und Grüne nicht da sind, die uns das alles einbrocken“, sagt Kurt Uwe Heidecke.

Heideckes regen sich wie die anderen Anwohner über die Änderungen zum Bebauungsplan 21 auf. Knapp fünf Meter von der Straßenkante entfernt soll Nordmark eine neue Halle bauen können. 120 Meter lang und zehn Meter hoch – so steht es im Bebauungsplan. Zudem soll aus dem 1972 ausgewiesenen Mischgebiet ein eingeschränktes Gewerbegebiet werden. Kurt Uwe Heidecke zeigt von seinem Vorgarten auf die Bäume, die einen gewissen Sichtschutz zur aktuellen Nordmarkhalle darstellen. „Die sind etwa zwölf Meter hoch. Wenn man sich die Spitze wegdenkt, weiß man wie hoch die Halle wird. Wir schauen auf eine schwarze Wand, wenn das gebaut wird“, kritisiert Heidecke. „Der Kasten passt hier optisch gar nicht her.“

Den Anwohnern der Werftstraße geht es nicht nur um die Optik. Sie haben Angst, dass der Wert ihrer Grundstücke fällt und der Lärm zunimmt. „Wenn man sich ein Gebäude von zehn Metern Höhe und 120 Metern Länge vorstellt, kann man sich vorstellen, was das für ein Lärmtunnel wird“, sagt Hauke Heidecke. In der Änderung des Bebauungsplans ist nur die Rede von einer Länge von 60 Metern – allerdings würde der B-Plan eine zweite Halle mit gleicher Länge ermöglichen.


Bislang hat es das in Moorrege nicht gegeben

„Das hat es in Moorrege noch nie gegeben, dass aus einem Mischgebiet ein eingeschränktes Gewerbegebiet wurde, das direkt an ein Wohngebiet grenzt“, kritisiert Kurt Uwe Heidecke. Bereits 1973 habe die Gemeinde Moorrege den Grünstreifen als Abgrenzung zur Auflage für Nordmark gemacht. „Der wurde auch immer vorbildlich gepflegt“, sagt Kurt Uwe Heidecke. Als der B-Plan 21 im Jahr 1996 geändert werden sollte, wurde die Baugrenze nicht verändert. „Aufgrund unserer Einwendungen mit dem Hinweis auf den für uns seit 1973 mit der Festlegung der Baugrenze am bestehenden Gebäude bestehenden Schutz beschloss die Gemeindevertretung unter Leitung von Bürgermeister Karl Heinz Weinberg und dem heutigen CDU-Fraktionsvorsitzenden Georg Plettenberg, unsere Belange zu wahren und hat die Baugrenzen am Depot belassen“, erinnterte Kurt Uwe Heidecke an die Geschichte des B-Plans 21. „Ich kann nicht verstehen, warum die beiden, Weinberg und Plettenberg, nun so einen Druck machen, den B-Plan doch zu ändern. Sie sind die treibenden Kräfte. Ich traue denen nicht mehr über den Weg.“

Die Anwohner wollen keine Halle direkt vor ihren Nasen. Sie wollen aber auch wissen, was genau geplant ist. Zwei Gespräch mit Weinberg (CDU) seien geplatzt. „Er hat einmal vor der Kommunalwahl eingeladen. Wir wollten aber mit den neuen Gemeindevertretern sprechen“, sagt Hauke Heidecke. Ein zweites Gespräch habe aus gesundheitlichen Gründen abgesagt werden müssen. „Wir verstehen gerade nicht, warum so ein Druck bei dem B-Plan gemacht wird“, sagt Carsten Niedworok, stellvertretender Vorsitzender der Freien Wähler Moorrege und Erster stellvertretender Bürgermeister. Denn für den B-Plan ist eine verkürzte Auslegung von nur zwei Wochen geplant. „Die Geschichte als Gemeindevertreter in Moorrege lehrt uns, das etwas im Dunkeln gelassen wird, wenn so ein Geheimnis gemacht wird und man etwas unbedingt schnell durchsetzen will“, ist Ulrich Möller überzeugt. Zweieinhalb Jahrzehnte war er in der Moorreger CDU und trat nun bei der Kommunalwahl für die FW an.

Die Vertrauensbasis ist derzeit mehr als gestört. Die Anwohner setzen dennoch auf Dialog. „Wir hoffen, dass die Politiker ein Einsehen haben und mit uns reden“, sagt Hauke Heidecke. Er stellt aber auch klar, dass es nicht bei freundlichen Worten bleibt.

„Wenn nicht eingelenkt wird, werden wir uns rechtlich vertreten lassen und müssen den B-Plan beklagen“, sagt Hauke Heidecke. Das will eigentlich keiner der Anwohner, wie sie versichern. „Es wäre schade, wenn so etwas in Moorrege notwendig wäre“, bilanziert Hauke Heidecke.

Der P-Plan 21 wird am Mittwoch, 5. September, ab 20 Uhr im Bau- und Umweltausschuss der Gemeinde Moorrege beraten. Die Politiker tagen im Sitzungssaal des Amts Geest und Marsch Südholstein, Amtsstraße 12. „Wir werden in großer Zahl erscheinen“, macht Hauke Heidecke klar.

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