Angekommen im Traumjob

Sein neuer Arbeitsplatz: Jörn Maurer sitzt im bisherigen Arbeitszimmer von Adam Krüppel Probe, den er als Geschäftsführer der Stadtwerke Wedel beerbt.
Sein neuer Arbeitsplatz: Jörn Maurer sitzt im bisherigen Arbeitszimmer von Adam Krüppel Probe, den er als Geschäftsführer der Stadtwerke Wedel beerbt.

Jörn Maurer tritt am 1. November offiziell seinen Dienst als Geschäftsführer der Stadtwerke Wedel an

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27. Oktober 2018, 16:00 Uhr

„Als ich damals nach Hamburg gezogen bin, habe ich halb im Scherz zu meiner Frau gesagt: Eines Tages werde ich Geschäftsführer der Stadtwerke Wedel“, sagt Jörn Maurer. Was vor 17 Jahren noch eine Wunschtraum war, ist nun in Erfüllung gegangen. Seit dem 1. September ist er bei den Wedeler Stadtwerken tätig, am 1. November wird er offiziell Nachfolger von Adam Krüppel, der in den Ruhestand gegangen ist (unsere Zeitung berichtete).

„Ich bin häufig und viel umgezogen. Jetzt bin ich angekommen und kann erstmals mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren“, berichtet Maurer. Ein eBike hat er als Jobbike seit knapp zwei Wochen im Einsatz, um die etwa zwölf Kilometer von Groß Flottbek in die Rolandstadt zu bestreiten – zumindest bei gutem Wetter. „Ich muss bei der Ausrüstung mit einer vernünftigen Regenjacke und –hose noch nachbessern“, erläutert der 48-Jährige. Bereits als Berater habe er die Stadtwerke Wedel immer verfolgt. „Sie galten schon in den 2000er Jahren als innovativ, und daher waren sie auf meinem Radar.“ Die Ausschreibung der Geschäftsführung kam für Maurer aber zum „denkbar ungünstigen Zeitpunkt“. Dreieinhalb Jahre seines Fünf-Jahres-Vertrags bei den Stadtwerken in Schneverdingen waren erst um. „Es ist nicht meine Art, Dinge vorzeitig zu beenden. Ich hatte viele intensive Diskussionen mit meiner Frau. Wir kamen zu dem Ergebnis, dass es töricht wäre, den Schritt nicht zu machen und den Hut nicht in den Ring zu werfen“, erläutert Maurer. „Es war keine Entscheidung gegen, sondern für etwas. Die Zeit in Schneverdingen war toll, und ich bin dankbar, dass man mir dort die Chance gegeben hat, eine Führungsposition zu übernehmen.“ Beruflich verändern will sich Maurer idealerweise nicht mehr: „Ich hoffe, dass ich hier meine langfristige berufliche Heimat gefunden habe.“

Zuhören, Fragen stellen und wieder Zuhören, beschreibt Maurer seine bisherige Tätigkeit. Krüppel hatte ihm empfohlen, viel Kaffee zu trinken und Gespräche zu führen. „Ich habe versucht, mich daran zu halten“, sagt er lachend. „Wir waren acht Wochen gemeinsam unterwegs, und ich war nicht Herr über meinen Terminkalender, sondern bin überall mit hingegangen.“ Er konnte so einen Einblick ins Unternehmen erhalten, zuhören, zuschauen, analysieren. „Ich wollte verstehen, warum Dinge so gemacht werden, wie sie gemacht werden. Die Dinge haben immer einen Grund – manchmal auch nur einen historischen. Ich muss gestehen – als ehemaliger Berater ist es nicht immer einfach, völlig ohne Bewertung auf Prozesse zu schauen, aber das war meine Rolle und wird es weiterhin sein, bis ich das Unternehmen in seiner ganzen Tiefe verstanden habe.“

Die „drei großen Ds“ nennt Maurer die Herausforderungen für die Zukunft: Digitalisierung, Dekarbonisierung, den Verzicht auf fossile Brennstoffe, und Dezentralisierung. „Wir müssen überlegen, wie wir unser Kerngeschäft durch digitale Prozesse unterstützen und optimieren“, sagt Maurer. Das reiche von der Optimierung des Internetkundenportals bis zur Beschleunigung von Rechungsstellungen und der Optimierung des Personaleinsatzes. „Wir wollen die Schnittstellen intern und zum Kunden ausbauen.“ Aber auch der Ausbau des Glasfasernetzes falle darunter. „Wenn wir über autonomes Fahren oder Amazon-Drohnen reden, reden wir über Datentransfer in Echtzeit. Die hierfür erforderliche Infrastruktur wollen wir zur Verfügung stellen.“ Die Abkehr von fossilen Brennstoffen und die Dezentralisierung gehören für Maurer zusammen. „Kunden, die Energie abnehmen, sind teilweise bereits Stromerzeuger. Wir wollen die Plattformen zur Verfügung stellen, um diese beiden Rollen zusammenzubringen“, erläutert Maurer. Dabei gehe es um Speichermöglichkeiten, aber auch die Nutzung. „Die Strommengen, die lokal entstehen, sollten auch lokal verbraucht werden.“

Konkrete Veränderungen plant Maurer noch nicht. „Hierfür bin ich noch zu weit von den operativen Themen entfernt. Generell kann man sagen: Im Vergleich zu anderen Branchen ist in der Energiewirtschaft vor allem im Bereich der Kundenorientierung noch Potenzial vorhanden. Wenn man in fünf Jahren meinen Erfolg messen will, wäre das ein Gradmesser“, sagt Maurer. Auch die Innovationskraft der Wedeler Stadtwerke will er nutzen, um daraus Produkte zu entwickeln, die einen echten Kundennutzen haben. „Wir planen im Bereich der eMobilität eine schlüsselfertige Lösung mit Auto, Ladesäule und allem, was dazu gehört. Wenn nicht die Stadtwerke, wer dann?“

Dabei setzt er auf die Zusammenarbeit mit der Stadt Wedel. „Ich kenne es aus meiner beruflichen Vergangenheit so, dass die Stadtwerke und die Stadt eng verzahnt sind und gemeinsam an Zukunftsprojekten arbeiten. Ich habe bisher den Eindruck gewonnen, dass es hier auch so ist. Die ersten Gespräche waren sehr positiv“, sagt Maurer, der beim Großflottbeker Tennis Hockey und Golf Club Hockey spielt. „In der dritten Mannschaft. Das ist die Seniorentruppe, auch wenn wir in der Liga spielen und ich Ärger mit meinen Mitspielern bekomme, wenn ich das sage.“ Zudem sei er im Jugendbereich tätig, wo auch seine drei Töchter spielen. „Für mehr Hobbys reicht die Zeit nicht.“

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