Wedel : „Anfragen kriegen wir seit Jahren“

Dreimal im Jahr wird die Mittelinsel frisch bepflanzt, zudem sollen links und rechts neben dem gemeinschaftlichen Grabstein noch Bänke aufgestellt werden, erzählen Werner Ballendat (von links, Vorsitzender des Friedhofsausschusses), Karsten Hoffmann (stellvertretender Friedhofsverwalter) und Pastorin Susanne Huchzermeier-Bock.
1 von 2
Dreimal im Jahr wird die Mittelinsel frisch bepflanzt, zudem sollen links und rechts neben dem gemeinschaftlichen Grabstein noch Bänke aufgestellt werden, erzählen Werner Ballendat (von links, Vorsitzender des Friedhofsausschusses), Karsten Hoffmann (stellvertretender Friedhofsverwalter) und Pastorin Susanne Huchzermeier-Bock.

Nicht anonym und pflegeleicht: Mit der ersten Gemeinschaftsgrabstätte geht Wedel neue Wege in der Bestattungskultur

shz.de von
27. Mai 2015, 10:00 Uhr

Ein mächtiger Grabstein, dessen Konturen einer Kirche nachempfunden sind, davor ein großes ovales Blumenfeld mit jahreszeitlicher Bepflanzung, zwei Bänke zum verweilen, alles eingefriedet von einer Feldahornhecke – von der ersten Idee bis zur Fertigstellung der neuen Gemeinschaftsgrabstelle dauerte es vier Jahre, erzählt Werner Ballendat, Vorsitzender des Friedhofsausschusses. Jetzt ist das Hundert-Quadratmeter-Areal, das nicht weit von der Kapelle mitten im neuen Teil des Wedeler Friedhofs seinen Platz gefunden hat, fertig. Am Sonntag, 7. Juni, wird das Gemeinschaftsfeld nach dem 10-Uhr-Gottesdienst eingeweiht.

Eine erste Beisetzung steht auch schon fest. „Das Interesse ist riesengroß“, so Ballendat. „Anfragen kriegen wir seit Jahren.“ Der Trend gehe eindeutig weg von der anonymen Bestattung, die in den 1970  /  80er Jahren ihren Höhepunkt hatte. „Die Menschen brauchen einen Ort zum Trauern, zum Gedenken“, erklärt Pastorin Susanne Huchzermeier-Bock, das dürfe man nicht unterschätzen.

Der Grabstein ist ausgesucht, die Schrift einheitlich, Namen und Daten sind vermerkt, darüber hinaus wissen die verbliebenen Angehörigen genau, wo auf dem Gemeinschaftsfeld der Tote oder seine Asche liegen. Vier Grabstätten für Erdbestattung weist das neue Gemeinschaftsareal aus, 48 Urnen finden Platz, auch zweiteilige Urnengräber für Ehepaare sind vorgesehen. Der Verstorbene behält also seine Identität. Es gibt einen individuellen Ort zum Trauern, der aufgehoben inmitten einer Gemeinschaft ist.

Gemeinschaftsgräber haben eine lange Tradition, weiß Ballendat. Früher wurden vor allem Ordensschwestern und -brüder im Glauben gemeinsam beerdigt. Auf dem Wedeler Friedhof, dessen erster Teil um 1930, eine Erweiterung in den 1960er Jahren angelegt wurden, existieren bereits vier Gemeinschaftsgrabstätten, alle historisch begründet. Der Heldenhain erinnert an die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs, 15 Gedenkplatten an die Bombentoten des Zweiten Weltkriegs, eine Gedenkstätte an die Opfer des Konzentrationslagers in Wedel und ein Gedenkstein an ausländische Opfer, die 1945 nach einer Feier zum Kriegsende durch Methylalkohol starben.

Gemeinschaftsstein, Beschriftung und Grabstätte gibt es im neuen Areal zum Festpreis. Darüber hinaus sind die Kosten für die Pflege natürlich sehr viel geringer. Ballendat: „Ein Platz in der Gemeinschaftsanlage ist etwa 30, 40 Prozent günstiger als individuelle Erdgräber.“ Vor zehn Jahren ließen sich noch 70 Prozent im Sarg bestatten, heute machten Urnenbeisetzungen 70 Prozent der Bestattungen aus, weiß der Vorsitzende. Seit Jahrzehnten sei in der Stadt die Zahl der Beerdigungen konstant. Allgemein rechne man mit einem Prozent der Bevölkerung – in Wedel sind es etwa 300 Bestattungen pro Jahr.

Dem Wunsch nach neuen Bestattungsformen geht die Kirche auch auf dem Waldfriedhof nach, den sie für die Stadt verwaltet. Von der Politik bereits genehmigt ist dort ein 600-Quadratmeter-Areal, auf dem unter 50 bis 60 Bäumen je vier bis sechs Urnen Platz finden sollen. Kleine Platten kennzeichnen dort die Grabstelle. Sie warteten momentan auf eine Genehmigung für die Anlage eines Weges, erzählt Ballendat. Doch das Ganze sei sicher noch in diesem Jahr fertig, schätzt der Vorsitzende.

„Man macht den Angehörigen keine Arbeit, es ist alles geregelt und trotzdem taucht ein Name auf“, bringt Pastorin Huchzermeier-Bock die Vorteile des neuen Gemeinschaftsfelds auf dem Friedhof Breiter Weg auf den Punkt. Neben der Anlage, die die Friedhofsverwaltung selbst gestaltet hat, ist ein Bereich für Kränze und Blumenschmuck vorgesehen. „Für uns ist das das erste, aber ganz sicher nicht das letzte Gemeinschaftsgrab. Wir haben schon weitere Felder im Blick“, verrät Ballendat.  

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen