Mensch Nachbar : Andreas Köhnke: „Ich bin da so reingerutscht“

Auf seiner Hausbahn in der Badebucht hält Andreas Köhnke den Rekord. „Alles andere wäre enttäuschend“, sagt der 48-Jährige.
Auf seiner Hausbahn in der Badebucht hält Andreas Köhnke den Rekord. „Alles andere wäre enttäuschend“, sagt der 48-Jährige.

Der Wedeler tritt seit mehr als 25 Jahren im Renn- und Wettrutschen an. Meistertitel und Guinnessbuch-Eintrag.

shz.de von
23. Juni 2018, 14:00 Uhr

Wedel | „Ich bin da so reingerutscht“, sagt Andreas Köhnke und muss selbst über seine Aussage lachen. Treffender könnte er seinen Einstieg in sein Hobby nicht beschreiben. Seit mehr als 25 Jahren tritt er bei Wettkämpfen im Renn- und Wettrutschen an, hat mehrere Norddeutsche- und Deutsche Meistertitel gewonnen und es sogar ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft.

„Ich bin schon immer gern gerutscht. Was man als Kind so macht. Schon damals war ich schneller als andere“, erinnert sich der 48-jährige Wedeler. Vor 25 Jahren fand dann in der Ostseetherme in Scharbeutz der erste Wettkampf statt. Zeitmessanlagen an der Wasserrutsche gab es noch nicht. „Da wurde noch mit Funkgerät und Stoppuhr gearbeitet. Für den Sieger gab es eine Freikarte“, berichtet Köhnke. Er gewann. Wieder und wieder. „Damit hatte ich dann immer den Eintritt zur nächsten Veranstaltung frei“, sagt er lachend.

Als das Schwimmbad einen Eintrag in das Guinessbuch der Rekorde plante, klingelte Köhnkes Telefon. „Die haben Verrückte gesucht, die 24 Stunden rauflaufen und rutschen“, erinnert er sich. Wie oft er die Stufen nahm, weiß er nicht mehr. „Die Besten waren bei 800 Mal“, sagt er. Am Ende stand der Rekord. „Von da an hat sich die Sache verselbstständigt. Das wurde ein witziger Kreislauf. Wenn ein Wettkampf geplant wurde, wurde ich angerufen.“ Nicht nur für Duelle auf der Rutsche. Im norwegischen Lillehammer trat Köhnke im Wok gegen Skeleton- und Bobfahrer an. Wieder ein Eintrag ins Guinessbuch. Auch die Bobbahn in Innsbruck durfte der Wedeler im Wok runterrasen. Keine Angst? „Da darf man nicht überlegen. So eine Chance bietet sich nur einmal. Das muss man machen, auch wenn man zwischendurch überlegt, ob das wirklich eine gute Idee war.“

Zahlreiche Meistertitel hat Köhnke gewonnen. Seine Kinder treten in seine Fußstapfen. Tochter Lisanne (15) war Deutsche Meisterin in der Jugend, sein Sohn Cedric (13) ist aktueller Deutscher Jugendmeister und Lenius (7) hat in diesem Jahr erstmals an den Deutschen Meisterschaften teilgenommen. „Das ist mittlerweile zum Familienevent geworden“, sagt Andreas Köhnke. An 20 bis 25 Wettkämpfen bundesweit nimmt er vor allem mit seinen Söhnen teil.

Mit 10,37 Sekunden hält er den Bahnrekord

10,37 Sekunden brauchte Köhnke bei den ersten Wedeler Rutschmeisterschaften und hält damit den Bahnrekord. Das sind etwa 31 Kilometer pro Stunde, mit denen er die knapp 90 Meter lange Röhre entlangrauscht. „Das ist meine Hausbahn. Alles andere wäre enttäuschend“, sagt er.

In der Badebucht wird auch trainiert. „Das ist ein normaler Schwimmausflug, aber wir versuchen dann 15 bis 20 Rutschgänge im Wettkampfmodus zu absolvieren“, sagt Köhne. Immer wieder geht es dann die Treppe rauf und die Rutsche runter. „Man braucht auch Kondition. Mittlerweile bin ich soweit, dass ich bei Wettkämpfen kaum noch Muskelkater habe“, erläutert Köhnke. Dafür schmerzen die Schultern. Köhnke zeigt ein Foto seines Rückens. Die roten Prellungen und Abschürfungen sind nicht zu übersehen. Das liegt an der verwendeten Zwei- oder Dreipunkttechnik. „Wer richtig schnell sein will, rutscht auf einer Hacke und einem oder zwei Punkten der Schulter“, sagt Köhnke. „Bei zwei Hacken ist man raus. Berührt die Rutsche die Hose, ist man raus. Dann fehlen gleich zwei, drei Zehntel“, sagt der Rennrutscher.

Vor einem Wettkampf rutscht er etwa 20, 30 Mal, um die Rutsche kennenzulernen. „Idealerweise ist man kaum im Wasser, denn das bremst“, sagt Köhnke. In Wedel springt er beim Start gegen die linke Seite der Rutschröhre. „Dann bekommt man die erste Kurve perfekt. Startet man gerade, ist man zu langsam“, sagt er. „Man kann so gut sein, wie man will, wenn der Gegner die gleiche Technik hat, aber 20 Kilogramm schwerer ist, hat man keine Chance. Ich weiß aber nicht, ab welchem Gewicht es kippt.“

Der aktuelle Deutsche Meister im Rennrutschen war Ruderer, Köhnke kommt vom Geräteturnen. „Wenn einer schneller ist als ich, versuche ich herauszufinden, woran es liegt. Gibt es eine bessere Technik oder brauche ich mehr Kraft? Es gibt immer etwas, wie es schnell geht.“ Nur in wenigen Fällen würde er sich über Niederlagen freuen: „Wenn meine Kinder mal schneller sind als ich, würde mich das wirklich freuen.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen