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Merkel-Selfie ist das falsche Signal : Amtsdirektor von Moorrege übt Kritik und korrigiert die Flüchtlingszahlen nach unten

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Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Der Verwaltungschef will eine Beschlagnahme von Turnhallen und Dorfgemeinschaftshäusern vermeiden.

Moorrege | Wie die anhaltenden Flüchtlingsströme im Amt Moorrege bewältigt werden können, darüber hat sich Amtsdirektor Rainer Jürgensen am Montagabend mit den Bürgermeistern der sieben amtsangehörigen Gemeinden abgestimmt. „Das Gespräch war harmonisch und konstruktiv“, sagte Jürgensen. Der Verwaltungschef will eine Beschlagnahme von Turnhallen und Dorfgemeinschaftshäusern vermeiden. „Das werden wir auch schaffen“, sagte Jürgensen gestern am Tageblatt-Telefon. Herbe Kritik äußerte er am Krisenmanagement der Bundesregierung. In Zeiten von iPhone und Internet müssten die sozialen Medien anders bedient werden. Ein Selfie mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verbreite sich weltweit rasend schnell. „Wer das sieht, sagt sich doch ‚Da will ich hin, da kümmert sich die Kanzlerin um mich‘, das muss man doch erkennen“, betonte Jürgensen, der auch Erster Stellvertretender Landesvorsitzender des Schleswig-Holsteinischen Gemeindetags ist.

Während Jürgensen am Freitag vergangener Woche noch von einer Zuweisung von 400 bis 500 neuen Flüchtlingen ausging, korrigierte er die Zahl nun nach unten. Mit den Maßnahmen auf Bundesebene, wie der Einführung von vorübergehenden Grenzkontrollen, und auf Landesebene sei nun mit 150 bis 200 Menschen für die Gemeinden Moorrege, Heist, Holm, Appen, Heidgraben, Neuendeich und Groß Nordende mit ihren etwa 19.000 Einwohnern zu rechnen. „Das ist eine deutlich entspanntere Zahl“, so der Amtsdirektor. Auf die Frage, wie diese Zahl angesichts der inzwischen auf eine Million Flüchtlinge nach oben korrigierten Voraussage zustande komme, sagte Jürgensen: „Die Erstaufnahmen sollen deutlich besser strukturiert werden und mehr Kapazitäten erhalten.“

Religionsfreiheit muss akzeptiert werden

Laut Jürgensen kommt die Hälfte der derzeit im Amt untergebrachten 200 Flüchtlinge aus sicheren Herkunftsländern oder seien Wirtschaftsflüchtlinge: „Wenn nur die wirklichen Kriegsflüchtlinge und Verfolgten auf die Kommunen verteilt werden, ist das zu schaffen.“

Wie die Mehrbelastung gestemmt werden soll, darüber wollte der Amtsdirektor keine Details benennen. Aber er verspricht: „Wir werden das ganz, ganz toll lösen.“ Container kämen für ihn nicht in Frage, auch nicht große Einheiten.

Jürgensen appellierte an Immobilienbesitzer, sich beim Amt zu melden, wenn sie Wohnraum vermieten wollen. Ein Lob hatte er für den TuS Appen, der sich beispielhaft für Flüchtlinge engagiere. Dort trainieren einige in der Judo-Abteilung. „Die Verständigung geht mit Händen und Füßen, aber alle haben Spaß“, sagte Jürgensen. Die Menschen zu integrieren, sei eine Chance für die deutsche Gesellschaft, um dem demographischen Wandel etwas entgegen zu setzen. Dies setze aber auch voraus, dass die Flüchtlinge akzeptieren, dass es in der Bundesrepublik Religionsfreiheit gibt.

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erstellt am 16.Sep.2015 | 16:30 Uhr

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