zur Navigation springen

Geest und Marsch Südholstein : Amtsdirektor Jürgensen in Sorge um die Sicherheit

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Hauptausschuss: Rainer Jürgensen ruft zu Wachsamkeit bei Großveranstaltungen auf. Eine konkrete Gefahrenlage nennt er aber nicht.

shz.de von
erstellt am 05.Jul.2017 | 16:00 Uhr

Moorrege | Der Amtsdirektor des Amtes Geest und Marsch Südholstein (Gums), Rainer Jürgensen, ist in Sorge um die Sicherheit seiner Mitarbeiter und der Bürger. Eine konkrete Gefahrenlage nannte er nicht. Aber er mahnte während der Sitzung des Gums-Hauptausschusses am Montagabend im Amtshaus Moorrege, dem Thema auch in den Dörfern mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Insbesondere bei Großveranstaltungen. Auch das Thema Reichsbürger sprach er an.

Jürgensen, der auch erster Stellvertretender Vorsitzender des Schleswig-Holsteinischen Gemeindetags ist, wies in seinem Halbjahresbericht darauf hin, bei Großveranstaltungen wegen möglicher Anschläge für Absperrzäune zu sorgen und keine Taschen und Rucksäcke mehr zuzulassen. „Man kann nicht ausschließen, dass hier auch solche Deppen rumlaufen“, sagte Jürgensen in Anspielung auf Attentate.

Bei Großveranstaltungen wie dem Baseball-Pfingstlager des TSV Holm, „Wings and Wheels“ auf dem Heistmer Flugplatz vom 28. bis 30. Juli, den Konzerten des Schleswig-Holstein Musik Festivals in Haseldorf oder dem Klassikkonzert Moorrege Proms – Last Night schaue die Ordnungsbehörde noch genauer hin, erläuterte Jürgensen gestern auf Nachfrage unserer Zeitung. „In Moorrege beim Konzert habe ich echte Prominenz sitzen“, sagte Jürgensen in Anspielung auf Besuche von Landtagspräsidenten sowie Parlamentariern von Bund und Land. Er kündigte Einlasskontrollen an, um das Einschmuggeln von Schusswaffen, Messern und Schlagstöcken zu verhindern.

Das Innenministerium habe seinen im Mai 2016 herausgegebenen Erlass noch einmal bekräftigt. „Einige gehen davon aus, dass sich die Gefahrenlage verschiebt, weil es leichter auf den Dörfern ist.“ Die Haftung liege bei ihm, nicht bei den Gemeinden „Ich will nicht den Veranstalter gängeln, sondern die Besucher schützen“, sagte Jürgensen. Er hoffe, dass alle das verstehen.

Angst vor Gewalt gegen Amtsmitarbeiter

Es gebe eine Veränderung in der Gesellschaft. „Das merken auch die Kollegen“, sagte Jürgensen. „Beleidigungen und Drohungen, auch über Facebook, nehmen erheblich zu“, so der Amtsdirektor. Er forderte, über ein Alarmsystem seiner Mitarbeiter und deren Fluchtmöglichkeiten nachzudenken. Zunehmend Arbeit machten auch die so genannten Reichsbürger, die eine Existenz der Bundesrepublik Deutschland als legitimer und souveräner Staat bestreiten und mit dieser Begründung unter anderem das Bezahlen von Steuern und Bußgeldern verweigern. „Die sind nicht ohne“, sagte Jürgensen. So sei gegen ihn beispielsweise Strafanzeige beim Papst gestellt worden. „Ich hoffe, er lädt mich zur Anhörung ein“, sagte er ironisch. Derzeit gebe es 19 bekannte Reichsbürger im Amtsbereich, jeder werde dem Verfassungsschutz gemeldet. Sorge bereite ihm einer von ihnen, der einen Waffenschein besitze. Um seine Mitarbeiter zu schützen, habe er mit der Polizei ein Codewort vereinbart, sollte es zu einem Zwischenfall kommen. Jürgensen: „Ich hoffe, dass es ausreicht.“

Auf Nachfrage sagte Jürgensen gestern, dass die so genannten Reichsbürger sowohl Männer als auch Frauen aller Altersgruppen seien. Verstärkt kommen sie aus Heidgraben, Neuendeich, Moorrege und Appen. Aus den neuen Gums-Gemeinden, also Haseldorf, Haselau und Hetlingen, seien ihm keine bekannt. „Zu 90 Prozent sind das Leute, die uns Geld schulden“, sagte Jürgensen. Auf Debatten ließen er und seine Mitarbeiter sich nicht ein: „Ich habe angewiesen, dass nicht diskutiert wird.“

Aber das Klima sei allgemein rauer geworden. Früher seien 99 Prozent der Besucher freundlich gewesen, erinnerte sich der Amtsdirektor. Heute würden seine Mitarbeiter sofort angeschrien und beschimpft, beispielsweise wenn ein Pass wegen eines fehlenden Dokuments nicht ausgestellt werden könne. „Es ist eine Frage der Zeit, wann einer über den Tisch langt“, befürchtet der Verwaltungschef. Deshalb müssten Büros einen Fluchtweg haben. Zur Zeit gelinge das nur im Meldeamt. „Ich will keine Verwaltung, in der wir hinter Glas sitzen, ich möchte, dass wir offen sind“, betonte er.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen