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Wedel-Schulauer Tageblatt

18. Oktober 2017 | 04:09 Uhr

Als Soldaten das Dorfbild prägten

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Holms Heimatmuseum startet mit neuem Thema in die Saison / Modell militärischer Anlagen arbeitet Kriegs- und Nachkriegszeit auf

Wenn das Holmer Heimatmuseum Ostersonntag in die Saison startet, gibt es für Besucher Neues zu entdecken: die Geschichte Holms in Kriegs- und Nachkriegszeit. Neben frühgeschichtlichem Gestein, altem Kaufmannsladen, Tischler- und Schusterwerkstatt, Küchen- und landwirtschaftlichen Geräten, Schmiede-Amboss, Schulpulten, alten Feuerwehrgerätschaften und Bandreißer-Werkzeug haben die Verantwortlichen eine Ausstellungsfläche neu eingerichtet, die darüber aufklärt, mit welchen militärischen Anlagen die Gemeinde im zweiten Weltkrieg ausgerüstet war und wie diese nach dem Krieg für die Flüchtlinge umfunktioniert wurden.

Das soll keine Rechten anlocken. „Wir wollen nicht dem Militarismus huldigen“, stellt Vereinsvorsitzender Dieter Herrmann klar. Vielmehr gehe es um Dorfgeschichte.

Auf das Thema wurden die Mitglieder des Fördervereins für Kultur und Brauchtum durch ein Angebot im Internet gestoßen. Die Appener Kaserne hatte ausgemistet und bot ein Miniatur-Modell an, das eine Holmer Flakstellung zeigt. Es stellte sich heraus, dass sich Stabsfeldwebel Thorsten Göpfert für die naturgetreue Darstellung der Szenerie vor zehn Jahren sogar bereits mit Fördervereinsmitglied Hans Ladiges unterhalten hatte. Als Dank für die fachkundige Beratung verewigte der Modellbauer ihn als zehnjährigen Jungen am Rande des Geschehens.

Schautafeln neben dem Diorama ordnen die Militäranlage in die Geschichte Holms ein. Die Stellungen, so erfährt man dort, gehörten zum „Vorfeld West“, dem Sperrriegel westlich von Hamburg. Flakgeschütze, Scheinwerfer, Mannschaftsbaracken, von den Holmern Bunker genannt, Latrinen, Lagerhallen, ein Munitionsdepot, ein Schießstand und sogar ein Scheinflugplatz mit Flugzeugattrappen und Positionsleuchten wurden um das Gebiet des heutigen Bredhornwegs herum errichtet. Nach dem Krieg zogen in die Bunker Flüchtlinge aus den Ostgebieten, aus Helgoland sowie ausgebombte Hamburger ein. Zehn Familien mit bis zu zehn Mitgliedern in acht Bunkern. Fließendes Wasser gab es nicht, als Toilette dienten die Latrinen auf dem Feld, von den Kindern damals „5-Zylinder“ genannt, weil es immer fünf Sitzplätze nebeneinander ohne Abtrennungen gab.

„Als die Flüchtlinge auszogen, haben wir dort gefeiert“, erinnert sich Herrmann. Die Dorfjugend funktionierte die Bunker zu Treffpunkten um, an denen fast alles erlaubt war. Auch Rockbands nutzten sie als Übungsräume, in denen ordentlich aufgedreht werden durfte.

 

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