Als Hugo Möller selbst Geld druckte

Im Jahr 1923 druckte die Firma Möller eigenes Geld, um ihre Arbeiter vor der Hyperinflation zu schützen.
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Im Jahr 1923 druckte die Firma Möller eigenes Geld, um ihre Arbeiter vor der Hyperinflation zu schützen.

Hyperinflation Optische Werke geben als eins von zwei Unternehmen im Kreis Pinneberg eigenes Geld auf Dollar-Basis heraus

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12. Dezember 2017, 16:00 Uhr

Deutschland hatte den Ersten Weltkrieg verloren. Um die Reparationen zahlen zu können, wurde immer neues Geld gedruckt. 1923 war der Höhepunkt der Hyperinflation erreicht. Im Mai 1923 kostete ein Brot 470  Mark, im Juli 2200 Mark und im Oktober 14 Millionen Mark. Kostete im Juli 1914 ein Dollar noch 4,20 Mark, waren es im November 1914 dann unvorstellbare 4 200 000 000 000 Goldmark – 4,2 Billiarden Mark – nominell mehr als das Zehnfache des Bruttoinlandsprodukts, das im vergangenen Jahr in Deutschland erwirtschaftet wurde.

„Die Bauern waren zu der Zeit die Könige. Arbeiter konnten sich nach einem Monat Arbeit nichts mehr für ihr Geld leisten. Man brauchte eine sichere Währung“, sagt Rudolf de Wall aus dem Team des Museums Möller Technicon. Er zeigt auf vier Geldscheine, die vor ihm liegen. „Zwanzig Milliarden Mark“ steht auf dem nominell größten. Dagegen wirken die Beträge auf den drei anderen Scheinen mit zehn, 20 und 50 Pfennig gering – wären da nicht das Wort Gold und der Dollar als Umrechnungskurs.

„Hugo Möller hat sein eigenes Geld entworfen und in Wedel drucken lassen“, erläutert de Wall die Historie der Geldscheine. „Da er viele Auslandsgeschäfte mit seinen Ferngläsern gemacht hat, hatte er Devisen – vor allem amerikanische Dollar und britische Pfund“, weiß de Wall zu berichten. Industriebetriebe fingen 1923 an, eigene Zahlungssyteme einzuführen – weniger um die Währung zu schützen, sondern ihre Mitarbeiter vor dem Wertverfall des Geldes.

2145 Notgeldscheine mit einem Nennwert von zehn Pfennig Gold, 1200 Scheine von je 20 Pfennig Gold und 1000 Scheine mit dem Nennwert von 50 Pfennig Gold ließ Möller drucken und in Umlauf bringen. Zusammengerechnet waren es knapp 22 500 Dollar – das entsprach etwa 100 000 Mark vor der Hyperinflation – die Möller als Rücklagen brauchte, um seine Währung mit entsprechenden Sicherheiten auszustatten. „Die Leute, die bei Möller gearbeitet haben, waren fein raus“, sagt de Wall. Im Kreis Pinneberg habe nur die Elmshorner Kreditbank eigene Geldscheine gedruckt. In ganz Schleswig-Holstein seien es 64 Unternehmen gewesen. „Das war eine soziale Komponente bei Möller, die gar nicht hoch genug zu bewerten ist“, sagt de Wall.

Die Geldscheine waren durchnummeriert und vom Prokuristen Carl Mohr oder der Buchhalterin Margarethe Stuhr handschriftlich unterzeichnet. Werktags konnten die Geldscheine an der Kasse im Rosengarten eingetauscht werden – von 11 bis 12 Uhr. „Das Geld wurde nicht nur in Wedel, sondern auch im Umland als Zahlungsmittel akzeptiert“, berichtet de Wall. Mit der Währungsreform Ende 1923 verschwanden die Möller-Geldscheine dann wieder.

1954 zum 90-jährigen Jubiläum erhielten geladene Gäste eine Chronik, in der jeweils ein Geldschein eingeklebt war. Was damals nur altes Papier war, ist heute eine echte Rarität. „Die Geldscheine werden vor allem in den USA mit bis zu 25 000 Euro gehandelt“, erläutert de Wall.

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