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Wedel-Schulauer Tageblatt

23. September 2017 | 04:00 Uhr

Als er anfing, galt Yoga noch als Sekte

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Spiritualität Hans-Georg-Schoen ist seit 60 Jahren Lehrer an der VHS Wedel

shz.de von
erstellt am 08.Jul.2017 | 16:00 Uhr

„Yoga hat mein Leben komplett verändert“, sagt Hans-Georg Schoen. Der 88-Jährige unterrichtet die indische philosophische Lehre seit 60 Jahren an der Volkshochschule (VHS) Wedel. Als er anfing zu unterrichten, galt die Yoga-Bewegung noch als Sekte. „Ich wollte Yoga in Deutschland lernen, aber es gab keine Angebote. Also habe ich überlegt, selbst zu unterrichten, durfte aber nicht“, erinnert sich Schoen. Er unterrichtete in einem Chemie-Raum der Theodor-Storm-Schule, dem Musik- und Zeichensaal der Ernst-Barlach-Schule und sogar einem Baucontainer am Bahnhof. „Dann habe ich endlich meinen Platz bei der VHS bekommen“, berichtet der Senior.

Doch woher stammt die Begeisterung für Yoga? Nach dem Krieg machte Schoen auf dem zweiten Bildungsweg sein Abitur. 1952 kam ein Jobangebot, das er nicht ablehnen konnte: Ein ehemaliger Dozent bot ihm an auf seiner Hazienda in Kolumbien die vier Kinder zu unterrichten. Schoen sagte zu. Als er in Kolumbien erstmals an Land ging, wurde er von einer Deutschen angesprochen, die sein zukünftiges Zuhause kannte und ihm anbot, dass er bei ihr übernachten könne. „Sie hat mir vom Yoga erzählt und ich war sofort begeistert. Das war das Richtige für mich, um es in der Einsamkeit der Hazienda zu üben“, sagt der ehemalige Leichtathlet. Die Frau schenkte ihm das Buch „Sport und Yoga“. Zudem wurde die „Autobiografie eines Yogi“ von Paramahansa Yogananda sein ständiger Begleiter.

„Ich habe mir alles selbst beigebracht“, sagt Schoen. 1957 kam er an die Ernst-Barlach-Schule nach Wedel. Ein Jahr unterrichtete er in England, dann noch einmal fünf Jahre an einer Deutschen Schule in Barranquilla, wo drei seiner vier Kinder geboten wurden. 1968 kehrte er an die Ernst-Barlach-Schule zurück und wechselte 1973 an das Johann-Rist-Gymnasium. „Yoga hat mich dabei immer begleitet“, sagt Schoen. Die Grundideen nutzte der Sportlehrer auch für mentales Training. 19 Mal fuhr er mit Schülern im Rahmen von „Jugend trainiert für Olympia“ nach Berlin. Mit den alten Herren wurde er Deutscher Meister im Basketball. „Yoga hilft auf mentaler ebene vor allem im Sport“, ist Schoen überzeugt.

Und auch gegen das Altern sei Yoga die beste Medizin. „Der Körper wird durch die richtige Atmung bis in die letzte Zelle durchblutet. Altern sitzt im Kopf, aber das Gehirn bleibt ewig jung“, ist Schoen überzeugt. Atmung sei das wichtigste. „Ich habe Übungen entwickelt, die man auch im Bett und hohen Alter machen kann. Was uns lebendig macht, ist die Atmung“, so der Yogalehrer, der zweimal pro Woche an der VHS Wedel unterrichtet: „Solange meine Schüler auf mich warten, mache ich weiter. Ich will sie nicht im Stich lassen.“

Seit zwei Jahren arbeitet Schoen an einem Yogabuch „Ich will, dass meine Ideen nicht verloren gehen“, sagt der Tornescher, der in den 1970er Jahren für die Yogalehrer-Ausbildung in Dänemark verantwortlich war.

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