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Als ein Unternehmer den Friedrich-Ebert-Stein vor den Nazis rettete

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erstellt am 28.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Wedel | Vor 30 Jahren, am 7. Juni 1983, fasste der Rat der Stadt Wedel den Beschluss, einen Seniorenbeirat einzurichten. Im Beirat waren neun Mitglieder, die von Bürgerinnen und Bürgern, die älter als 65 Jahre alt waren, gewählt wurden. Vorsitzender des ersten Beirates war der Zahnarzt Dr. Rump, dem wenige Jahre später Erich Thaens folgte. Thaens, im Berufsleben Verwaltungsleiter des sozialärztlichen Dienstes der Landesversicherungsanstalt, war zudem aktiv in der Seniorenarbeit der Gewerkschaft ÖTV, heute aufgegangen in der Gewerkschaft Verdi.

Vor 80 Jahren, in der Nacht vom 9. auf den 10. Juni 1933, hörten Anwohner der Bergstraße, wie einige Mitglieder der SA den Friedrich-Ebert-Stein demolierten. Der Findling war wenige Jahre zuvor auf Betreiben von SPD-Mitgliedern durch den Steinmetz Hans Lissow mit dem Konterfei des ersten Reichspräsidenten verziert worden und stand neben der Sporthalle des Arbeitersportkartells. Die Zerstörung des Steines erschütterte viele Wedeler. Gegen die Verantwortlichen wurde beim Bürgermeister, Dr. Harald Ladwig, Anzeige erstattet, der dieser aber unzureichend nachging und die daher im Sande verlief.

Was sollte nun aber mit dem Stein geschehen? Zunächst wurde er verhüllt und streng bewacht. Mehrere Vorschläge wurden erörtert, verworfen oder nicht weiter aufgegriffen. Letztlich erhielt ein Wedeler Tiefbauunternehmen von der Stadt Wedel den Auftrag, den "Stein des Anstoßes" zu entfernen. Der Tiefbauunternehmer rettete den Stein dadurch, dass er ihn in der Bergstraße in das Erdreich versenkte. Dort überdauerte er die Jahre, bis er nach Kriegsende wieder gehoben, durch den Steinmetz Egon Lissow restauriert und unter großer Anteilnahme aus der Bevölkerung auf den Rathausplatz gesetzt wurde.

Vor 100 Jahren fanden auch in Wedel die großen Feierlichkeiten zum 25-jährigen Krönungsjubiläum des deutschen Kaisers Wilhelm II statt. Ein fulminantes Programm hatte der Hauptlehrer Schulz, Schulleiter der Wedeler Schule für die "bürgerlichen Vereine", seine Schule und die Schulauer Schule für Sonntag, 15. Juni 1913, und den darauffolgenden Montag zusammengestellt. Nachdem sich die Vereine mit Fahnen nachmittags auf dem Marktplatz versammelt hatten, marschierten diese unter Glockengeläut zur Kirche, um dem Festgottesdienst beizuwohnen. Abends gab es einen Festkommers im Saale des Hotels zum Roland. Es wurden Festreden gehalten und Gesangsdarbietungen vorgeführt. Am darauffolgenden Montag zogen die Schulkinder mit deren Eltern in einem Festumzug zum Turnplatz am Rosengarten, lauschten der Festrede des Bürgermeisters Friedrich Eggers. Abends fanden in den Lokalen "Zur schönen Elbaussicht" und "Zum Parnass" Tanzveranstaltungen statt.

Einige Wochen später, am Sonntag, 29. Juni 1913, marschierten anlässlich des 21. Kreisfeuerwehrtags die Feuerwehren durch die Straßen der Stadt Wedel. Zuvor wurden die Gäste der auswärtigen Wehren am Bahnhof im Empfang genommen. Nach der obligatorischen Delegiertenversammlungen und dem anschließenden Festessen im Schulauer Gasthof Köhler zogen die Wehren zur Lehrübung auf den neuen Sportplatz am Rosengarten. Abends gab es einen Festball im Wedeler Hotel "Zum Roland".

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