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Batavia-Kapitän erinnert : Als die große Flut nach Wedel kam

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Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Batavia-Kapitän Hannes Grabau erinnert mit einer Ausstellung an den Sturm von 1976. Infoabende am 9. und 21. Januar.

shz.de von
erstellt am 31.Dez.2015 | 00:32 Uhr

Wedel | Am 3. Januar 1976 wollte Hannes Grabau auf dem Theaterschiff Batavia eigentlich die Verfilmung des „Schimmelreiters“ zeigen – Theodor Storms Novelle über den Deichgrafen Hauke Haien. Ausgerechnet. Denn während der ehemalige Seemann den Abend vorbereitete−, braute sich über der Nordsee bereits ein verheerender Sturm zusammen. Und Wedels Deiche sollten brechen. An zwei Infoabenden, Sonnabend, 9. Januar, und Donnerstag, 21. Januar, erinnert Grabau an die verheerende Flut, die er selbst hautnah miterlebte. Bis Ende Januar ist eine Ausstellung zu dem Thema auf dem Schiff zu sehen.

Denn als das Wasser auch am alten Auhafen rund um die Batavia immer weiter stieg, da blieb der Kapitän mit einigen Helfern an Bord, um das Schiff zu retten. Nach und nach rissen die Poller, an denen das Boot befestigt war, aus dem Boden. Am Ende hielten nur noch zwei Tampen die Batavia, von Grabau um Weiden am Ufer geschlungen. „Wir mussten ständig die Leinen fieren – also nachlassen – weil der Wasserspiegel immer weiter stieg“, erinnert sich der Kapitän. Der Wind tobte mit Stärke zwölf, unter Deck wurde das Mobiliar herumgeschleudert. Rehe, von den Wassermassen der Elbe erfasst, versuchten verzweifelt an Bord zu springen. Grabau: „Die hatten so viel Angst, dass sie alle Scheu vor uns Menschen verloren hatten.“ Nach zehn Stunden ist das Schlimmste überstanden. Die Batavia schwimmt noch immer im Auhafen. Grabau und seine Freunde können nach Hause gehen. „In solchen Situationen wird man als Mensch ganz klein. Man kann nur noch abwarten und beten“, betont der Batavia-Kapitän.

Menschen kamen – anders als 1962 – rund um Hamburg nicht ums Leben. In der Haseldorfer Marsch brachen die Deiche jedoch an mehreren Stellen. 3600 Hektar Land mit den Ortschaften Hetlingen, Haselau und Haseldorf wurden überflutet. Die Batavia selbst überstand das Toben fast unbeschädigt. „Als am Sonntag die Katastrophentouristen kamen, konnten wir schon Grog ausschenken“, erinnert sich Grabau.

Auf dem Kanonenboot zeigt er im Januar originale Filmaufnahmen der Flut in Hamburg 1962 und der Flut 1976 in Wedel, Bilder, Fotos und Filme über Deichbau und Küstenschutz in Deutschland sowie Original- Tondokumente von Feuerwehr und Polizeifunkaufnahmen von 1962 in Hamburg. Der Eintritt beträgt sechs Euro.

Mit den regelmäßigen Ausstellungen möchte Grabau die Erinnerungen an die Katastrophe wachhalten. Er möchte aber auch mahnen. Seiner Einschätzung nach ist Wedel heute unzureichend auf eine erneute Sturmflut vorbereitet: „Die Deiche wurden geplant, als wir uns noch überhaupt nicht über den Klimawandel im Klaren waren.“ Je länger eine Flut wie die von 1976 zurückliege, desto weniger Interesse würden nachfolgende Generationen an der Deichpflege und dem Ausbau der wichtigen Schutzmaßnahmen zeigen. Grabau: „Wir sollten uns nicht in Sicherheit wiegen. Es könnte jeden Tag wieder zu einer vergleichbaren Katastrophe kommen.“

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