Als die erste Frau in Wedels Stadtparlament einzog

Gretchen Möller war die erste Frau im Wedeler Stadtparlament.  Stadtarchiv Wedel
Gretchen Möller war die erste Frau im Wedeler Stadtparlament. Stadtarchiv Wedel

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02. Januar 2013, 01:14 Uhr

Wedel | Die am 2. Mai 1881 geborene Martha Gretchen Wohlers aus Altona heiratete im Januar 1905 Carl Möller, einen Sohn des Wedeler Präparators Johann Dietrich Möller. Carl Möller erbaute 1906 auf dem Gelände Rissener Straße 21 und 23 ein großes Wohnhaus, in dem gleichzeitig die neugegründete Firma Optische Anstalt Wedel beheimatet war. Im gleichen Jahr wurde Sohn Rolf geboren und Gretchen beendete ihre Berufstätigkeit als Lehrerin in Alona. Sie arbeitete im neu gegründeten Geschäft ihres Mannes mit. 1912 kam ein zweites Kind zur Welt, die Tochter Gerda, die bereits 1915, die zweite Tochter Inge war gerade ein Jahr alt, an Tuberkulose starb. Als nach Beendigung des Ersten Weltkrieges Frauen das aktive und passive Wahlrecht erhielten, begann Gretchen sich offen politisch zu engagieren. Gemeinsam mit einer Gruppe von Selbstständigen und Staatsbediensteten stellte der Gärtnereibesitzer Friedrich Großheim unter seinem Namen eine Vorschlagsliste für die am 23. Februar 1919 stattfindende Stadtverordnetenwahl auf. Auf einem der vorderen Listenplätze stand Gretchen Möller. Ihr Ehemann rangierte vier Plätze weiter hinten.

Gretchen wurde die erste weibliche Stadtverordnete Wedels und ihr wurde die Ehre erweisen, das Sitzungsprotokoll der ersten Sitzung des neu gewählten Gremiums am 13. März1919 zu unterzeichnen. Sie wurde in folgenden Ausschüssen aktiv: Schuldeputation, vom 17. Juli 1919 bis 7. März 1924 und Gesamtarmenverband vom 24. März 1919 bis 22. August 1923. In der Bibliothekskommission wurde sie über ihre Amtszeit als Stadtverordnete hinaus, die bis zum Mai 1924 ging, noch als bürgerliches Mitglied aktiv. Die anderen kommunalpolitischen Tätigkeiten aber legte Gretchen Möller ab Mai 1924 nieder.

1930, ein Jahr nachdem sich der Sohn Rolf mit dem Vater überwarf und seine eigene Karriere in Berlin und später Darmstadt aufbaute, wurde die Ehe von Carl und Gretchen Möller geschieden. Der Grundbesitz wurde aufgeteilt. Gretchen erhielt die Villa Rissener Straße 21, ihr Ehemann zog sich in das Fabrikgebäude Rissener Straße 23 zurück.

Frau Möller schickte 1932 ihre 18-jährige Tochter Inge als Aupair-Mädchen nach England, sie selber blieb bis in die ersten Kriegsjahre des Zweiten Weltkrieges in Wedel, dann verzog sie auf Wunsch ihres Sohnes nach Unterwössen im Chiemgau/Bayern. Bis auf kurzfristige Aufenthalte in Wedel, die der Sorge um den hiesigen Grundbesitz galten, verlebte Gretchen Möller ihren Lebensabend in Bayern, wo sie am 9. Januar 1956 75-jährig verstarb.

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