Musikalisches Zusammenspiel : Almost Pop sucht Nachahmer

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Detlef Winkel ist nicht nur begeisterter Musiker, er pflegt auch akribisch die Projekt-Homepage und hat mit einem Mausklick die kompletten Song-Listen aller Konzerte parat.
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Detlef Winkel ist nicht nur begeisterter Musiker, er pflegt auch akribisch die Projekt-Homepage und hat mit einem Mausklick die kompletten Song-Listen aller Konzerte parat.

Detlef Winkel bringt seit 2008 Musiker zum gemeinsamen Projekt auf die Bühne / Der Holmer würde Hilfestellung geben

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17. April 2019, 16:00 Uhr

Holm/Moorrege | Musik verbindet – das ist das Credo von Detlef Winkel. Der Holmer weiß, wovon er redet: Er ist der Macher des Musikprojekts Almost Pop, in dem seit April 2009 Profis und Freizeitmusiker gemeinsam auf der Bühne stehen und vom Publikum regelrecht gefeiert werden. Weil das Konzept mit wechselnder Besetzung und immer wieder neuem Programm so gut ankommt, sind Karten fast nie lange zu haben. Wie auch jetzt: Für das nächste Konzert am Sonnabend, 27. April, in der St.-Michael-Kirche in Moorrege wird bereits eine Warteliste geführt. Weil das so ist, hat Winkel einen Herzenswunsch: Mehr Menschen davon zu überzeugen, sich zusammenzutun und gemeinsam zu musizieren.

Winkel steht zwar gern auf der Bühne, nicht aber im Mittelpunkt. Er sei nur einer unter vielen Künstlern, betont er im Gespräch immer wieder. Dennoch ist er der Erfinder und Motor von Almost Pop. Die ersten beiden Konzerte haben in seinem Heimatdorf stattgefunden. Inzwischen gibt es zahlreiche andere Locations, wie die St.-Michael-Kirche in Moorrege, das Pomm 91 in Tornesch, die Hamburger Jerusalemkirche oder das Elbeforum in Brunsbüttel. Die Leistungsbilanz kann sich sehen lassen. Dem Musikerpool gehören etwa 40 Künstler an – der jüngste ist 14 Jahre alt. Winkel ist mit seinen 61 Jahren der Senior. Pro Konzert sind durchschnittlich 14 bis 18 Musiker im Einsatz. In 26 Konzerten mit 200 bis 700 Menschen im Publikum wurden mehr als 350 unterschiedliche Lieder gespielt. Von den Songs und Auftritten gibt es fast 200 Videos. Und der Eintritt kostet seit Beginn 16 Euro. „Damit auch junge Leute den Eintritt bezahlen können“, betont Winkel.


Konzert-Organisation über ein Tool

Gern würde Winkel die Musikszene aufmischen und zwar als Ratgeber: „Almost Pop – das können viele machen.“ Mehr Musiker ins bestehende Projekt einbinden sei kaum machbar, aber warum sollten sich nicht andere Musiker von der Idee inspirien lassen und selbst ähnliches auf die Beine stellen? Hilfestellung würde er geben, sagt der Holmer. Ziel sei die Freude am gemeinsamen Musizieren, jeder könne sein Talent einbringen. Das Konzept von Almost Pop: zehn bis 14 Musiker – jeder spielt nur bei drei oder vier Stücken mit – und schon habe man genügend Stücke für ein Konzert. Man brauche keinen Übungsraum, geprobt werden könne im kleinen Kreis auch zu Hause, und nicht jeder müsse bei jeder Probe dabei sein. „Wir haben über die Zeit ein kleines Tool entwickelt, mit dem man Termine organisieren kann“, erläutert der Holmer.

Winkel ist begeisterter Gitarrist, baut sich auch schon mal ein Instrument selbst. Er steht seit Jahrzehnten in seiner Freizeit auf der Bühne. Und schwärmt von der skandinavischen Lebensart, die doch viel lockerer sei. „In Deutschland bist du nur in einer Band“, sagt er. Und schwärmt davon, wenn sich zwei oder drei Bands zusammentun, um gemeinsam ein Konzert zu bestreiten. Man lerne doch von den Kollegen.

Bei Almost Pop kann sich jeder Musiker auch mal an ein anderes Instrument wagen. „Es ist so toll zu sehen und zu hören, welche Erfahrungen ein Sänger macht, wenn er einmal den Rhythmus spielt oder eine Sängerin, die schon immer mal den Bass spielen wollte, das bei uns einfach tut“, berichtet Winkel.

Aber auch gute Technik sei wichtig, weiß der Almost-Pop-Macher. „Den ersten, den wir anrufen, wenn es um neue Termine geht, ist unser Techniker“, sagt Winkel. Wenn der das Go gebe, laufe die Maschinerie an. „Viele Bands investieren nicht in die Technik und warten erstmal ab, spielen aber ihre teuren Lieblingsinstrumente und wundern sich, dass sie unten nicht klingen.“

Über allem aber steht die Gemeinschaft. Bei Almost Pop fängt der Auftritt stets um 14 Uhr an: gemeinsames Aufbauen, Kaffee und Brötchen stehen bereit, Soundcheck und ein wenig proben. Vor dem Konzertbeginn um 20 Uhr gibt es immer ein gemeinsames Essen – und natürlich das Lampenfieber. Das wird zusammen durchgestanden, oft auch durch das Gespräch mit den ersten Besuchern. Der Erlös dient – wie könnte es anders sein bei dem Gemeinschaftsprojekt – einem guten Zweck. In Moorrege kommt es der gastgebenden Kirchengemeinde zugute.

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