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Wedel-Schulauer Tageblatt

21. Oktober 2017 | 07:30 Uhr

Naturdenkmal : Abschied von der Reepi-Linde

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Einer der zwei alten Bäume vor dem Fachwerkhaus ist so stark von Pilzen befallen, dass er noch im Februar gefällt werden muss.

shz.de von
erstellt am 17.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Wedel | Der Blick aufs Reepschlägerhaus ist stadtbildprägend. Das liegt nicht nur am mit Liebe zum Detail restaurierten alten Fachwerkgebäude, sondern ebenso sehr an den beiden stattlichen Sommerlinden, die die Front mit der schweren hölzernen Tür und dem dicken Querbalken stilvoll einrahmen. Uraltes Haus trifft auf uralte Bäume – hier wird Wedels Geschichte lebendig. Gestern musste Wedels Verwaltung allerdings eine Hiobsbotschaft bezüglich des Ensembles verkünden: Die eine der beiden Linden vor dem Reepschlägerhaus muss weg. Geht es nach Plan, soll der östliche Baum noch im Februar gefällt werden.

Beide Linden sind nicht mehr gesund, erklärt Bettina Parszyk aus dem Bauamt auf Nachfrage. Der östliche Baum kränkelte bereits 2009 so stark, dass er extrem eingekürzt werden musste. Die Hoffnung, dass der verbleibende Teil wieder üppig austreibt, bestätigte sich allerdings nicht. Mittlerweile ist die Linde von Pilzfruchtkörpern übersät. Laut Parszyk ein sicheres Zeichen, dass die Schädlinge vom Splintholz mehr und mehr ins Kernholz vorgedrungen sind.

Die Fruchtkörper des Schwefelporlings sind deutlich zu erkennen.
Die Fruchtkörper des Schwefelporlings sind deutlich zu erkennen. Foto: Inge Jacobshagen
 

An der Rinde sind mit bloßem Auge die Fruchtkörper des Schwefelporlings und des schuppigen Schwefelporlings zu erkennen. Aber auch der Hallimasch hat den Baum im Griff. Wahrscheinlich ebenso der Brandkrustenpilz: „Alles typische baumzerstörende Pilze. Jetzt wird es schnell gehen“, schätzt die Fachfrau. Zugleich betont Parszyk, dass die Linde nicht droht umzufallen. Aus Sicherheitsgründen muss sie nicht gefällt werden, das habe auch die Untere Naturschutzbehörde in ihrer Fällgenehmigung betont. Deren Gründe: Der Baum erholt sich nicht mehr. Zudem sehe er unansehnlich aus.

„Man lässt sie so lange wie möglich stehen“, lautet die Maxime für Naturdenkmäler, erklärt Parszyk. Deswegen bleibt die westliche Sommerlinde, obwohl auch sie schwächelt, dem Reepschlägerhaus erhalten. Die Rosskastanien vor dem Freihof etwas weiter stadteinwärts sind ebenfalls als Naturdenkmal klassifiziert. Auch sie sind krank, die Stämme sichtbar hohl. Um ihre Standsicherheit zu gewährleisten, müssen die Kronen stark zurückgeschnitten werden. Wieviel Krone die reduzierten Stämme noch tragen können, wird jedes Jahr durch ein Simulationsverfahren wieder neu herausgefunden, erklärt die Bauamtsmitarbeiterin.

Die Stadt möchte möglichst noch in diesem Frühjahr eine neue Sommerlinde vors Reepschlägerhaus pflanzen. Wenn sich die Fällung des alten Baums bis Ende Februar nicht realisieren lässt, werden beide Vorhaben allerdings in den Herbst verschoben. 

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