TSV-Krise in Wedel : Ab jetzt: Sparen ohne Tabus

590 Quadratmeter, die kaum genutzt werden und zur Diskussion stehen: die Kegelbahn im TSV-Vereinsheim.
Foto:
1 von 2
590 Quadratmeter, die kaum genutzt werden und zur Diskussion stehen: die Kegelbahn im TSV-Vereinsheim.

Der Wedeler TSV will drei Viertel des Vereinsheims aufgeben, um der drohenden Insolvenz zu entgehen.

shz.de von
28. Juli 2015, 10:00 Uhr

Wedel | Der Wedeler TSV will drei Viertel des Vereinsheims  aufgeben, um der drohenden Insolvenz zu entgehen. 2400 Quadratmeter Fläche bietet das Gebäude an der Bekstraße derzeit. Zu viel, findet Sven Behrendt, Leiter Finanzen.  Das gesamte Gebäude soll verkauft oder verpachtet werden. Ein Viertel der Fläche will der Verein dann wieder anmieten.

Die temporäre Erhöhung der Mitgliedsbeiträge hat dem klammen Wedeler TSV erst einmal neuen Spielraum verschafft. Die zunächst bis März 2016 beschlossene Anhebung soll monatlich etwa 15.000 Euro zusätzlich in die Kassen spülen. Diese Zeit will der neue Vorstand nutzen, um ein ein konkretes Sanierungskonzept zu erarbeiten.

Zunächst sollen die Außenstände bei externen Lieferanten beglichen werden. Auch mit den Übungsleitern solle schnellstmöglich eine Lösung gefunden werden. Die Bereitschaft sei laut dem neu gewählten Vorstand Matthias Dugaro vorhanden: „Es ist allen bewusst, dass wir das nicht aus Spaß machen. Es gibt eine große Bereitschaft uns entgegenzukommen.“ Doch das alleine wird nicht reichen. „Wenn wir das Gebäude nicht loswerden, sitzen wir nächstes Jahr wieder hier und beraten über die Beiträge“, hatte der neue Finanzvorstand Sven Behrendt auf der Mitgliederversammlung verkündet und legte am Wochenende nach: „Wir müssen eine tragfähige Lösung bis Anfang des Jahres haben.“

Bei einer Veräußerung oder Verpachtung würde sich der TSV räumlich massiv verkleinern. Ein Viertel der aktuell 2400 Quadratmeter will der Verein weiter als Vereinsheim nutzen – indem er die Fläche vom neuen Besitzer anmietet. Derzeit werde mit den Investoren verhandelt – zwei Kaufangebote über 300.000 und 415.000 Euro liegen bereits vor. Das komplette Obergeschoss des Vereinsheim in der Bekstraße steht zur Diskussion. „In den Kommunikationsräumen trifft sich einmal in der Woche der Bridge Club und eine Abnehmgruppe. Sonst stehen sie leer“, so Behrendt. Auch das Bettenhaus stehe zur Diskussion. „Es ist einmal im Jahr ausgebucht. Sonst ist die Auslastung gering“, so der Finanzchef. Zur neuen Basketballsaison sollen drei Spieler des SC Rist dort wohnen.

Die aktuelle Geschäftsstelle könnte in die Räume der Kita Lebenshilfe ziehen, deren Vertrag im August 2016 endet. „Wir wollen alles auf der unteren Ebene konzentrieren“, so Behrendt. Im Gymnastikraum, in dem bisher Ballett, Seniorensport und Karate ihre Heimat haben, könnte auch die Tanzgruppe ein neues Zuhause finden. Auch der mehr als 100 Quadratmeter große Tanzsaal steht zur Disposition. „Die Tänzer trainieren dort einmal in der Woche. Für uns wäre es günstiger, wenn wir es bei Bedarf selbst anmieten“, ist sich Behrendt sicher.

Das Vertrauen in die Gastronomen des Highlight, die selbst Verbindlichkeiten beim TSV haben, sei vorhanden: „Die Verbindlichkeiten werden abgetragen. Wir hatten jahrelang keinen Gastronomiepartner, der so gut zahlt.“ Bauchschmerzen bereite derzeit die Kegelbahn. Auf 590 Quadratmetern sind acht moderne Bahnen untergebracht – für 17 Kegler. Die Kegelbahn war im April 2012 nach einem Brand renoviert worden. Bei dem Feuer entstand ein Sachschaden von 150.000 Euro. „Die Einnahmen gehen für den Betrieb drauf. Von den Energiekosten müssen wir nicht reden“, sagt Behrendt. Auch hier sei ein Pächter sein Wunsch, damit die Bahn erhalten bleibe. Notfalls würde diese aber aufgegeben, wie Dugaro sagt: „Es gibt kein Tabuthema.“

Behrendt warnt: „Wir wollen nicht, dass zwischen den Sparten Krieg ausbricht. Es wird teilweise auf Sparten eingehauen, ohne dass es stimmt. Wenn man kaufmännisch rechnet, kann man viele Sportarten einstellen.“ Doch das stehe derzeit noch nicht zu Diskussion. „Sportvereine werden immer mehr zu Wirtschaftstunternehmen, haben aber einen sozialen Mittelpunkt. Wir werden keine Sportart streichen, nur weil sie rote Zahlen schreibt“, so Dugaro.

2790 Mitglieder hat der TSV aktuell – davon 1400 Erwachsene und 170 passive Mitglieder. „Die Gebühren für Kinder steigen nicht“, erläutert Dugaro. Sieben Euro kostet die Mitgliedschaft von einem Kind, 14 Euro werden bei zwei Kindern fällig und ab drei Kindern liegt der Höchstsatz bei 17 Euro. „Wir wollen Kinder als schwächstes Glied der Gesellschaft und Zukunft unseres Vereins nicht zusätzlich belasten“, so Dugaro. Auch Schüler, Studenten, Auszubildende und Stadtpassinhaber bleiben von der Erhöhung ausgeschlossen. Erwachsene zahlen zukünftig 9,50 Euro mehr. Ab dem 1. August gelten die neuen Beiträge. Wie diese abgerechnet werden, entscheidet der Vorstand in der kommenden Woche.

Behrendt: „Nach der Mitgliederversammlung gab es den einen oder anderen Spendentopf der wieder aufgegangen ist.“ Am Wochenende ging die erste Großspende von 5000 Euro ein. „Wir freuen uns über jeden Zehner, Zwanziger oder Fünfziger“, sagt der Finanzchef.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen