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Wedel-Schulauer Tageblatt

23. August 2017 | 18:30 Uhr

Wedel : 80 Flüchtlinge in Gewerbe-Komplex?

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Die Stadt verhandelt mit Unternehmen über die Nutzung einer Immobilie an der Industriestraße. Nachtragshaushalt für schnellen Unterkunftsbau.

Wedel | Rund 14 Tage, für die die Kapazitäten reichen: Mit diesem dünnen Puffer arbeitet Wedel seit Wochen bei der Flüchtlingsunterbringung – durch Anmieten von Privat-Wohnungen. Während Baupläne für Wohnhäuser nur mittelfristig eine Lösung sind, hat die Stadt nun kurzfristig Aussicht auf eine dringend benötigte Entlastung. Wie Bürgermeister Niels Schmidt im Hauptausschuss mitteilte, wird im Rat eine Vorlage zur Nutzung des TSV-Bettenhauses mit zunächst 25 Plätzen präsentiert. Und die für die Anmietung einer weitere Immobilie. Auf Tageblatt-Nachfrage erläuterte Schmidt gestern: Es geht um einen Teil eines Gewerbe-Komplexes an der Industriestraße. Dort könnten Kapazitäten für maximal 80 Personen geschaffen werden.

Mit welchem Unternehmen die Stadt in Verhandlungen ist, wollte Schmidt nicht preisgeben. Der Verwaltungschef sagte jedoch soviel: Die Immobilie sei nach kleineren Umbauten – Trockenbau, Sanitärinstallationen – voraussichtlich noch Ende 2015, spätestens Anfang 2016 nutzbar. Und sie sei der Stadt bekannt. Anfang der 1990er Jahre habe Wedel zur Bewältigung des damaligen Flüchtlingszustroms den Komplex schon einmal für Unterbringungszwecke genutzt. „Damit hätten wir erstmal etwas Luft“, so Schmidt. Wie berichtet muss die Stadt seit Mitte Oktober mit bis zu 15 Unterbringungsfällen pro Woche rechnen.

Schmidt konnte außerdem berichten, dass die Umbauarbeiten im Haus Sonnenschein“ vorangehen. Eine fällige Asbest-Sanierung sei abgeschlossen. Möglicherweise noch im Dezember könnten dann nach Monaten Verzögerung Asylsuchende in dem ehemaligen Pflegeheim am Moorweg untergebracht werden. Geplant ist, Raum für sechs Familien mit insgesamt bis zu 40 Personen zu schaffen.

Der Bau von Wohnungen zur Unterbringung von Flüchtlingen ist auch der Hintergrund eines Nachtragshaushalts, den der Finanzausschuss mit Stimmen von SPD, Grünen, Linken und WSI gegen die CDU bei Enthaltung der FDP abgenickt hat. Eine Konsequenz aus der Entscheidung, selbst zu bauen, wie Schmidt eingangs einer kurzen Diskussion ausführte.

Zeit gewinnen

Durch den Nachtragshaushalt mit einer Erhöhung der so genannten Verpflichtungsermächtigungen um 4,5 Millionen Euro kann Wedel bereits 2015 beziehungsweise Anfang 2016 Aufträge für alle in Planung befindlichen Wohnhäuser erteilen und somit Zeit gewinnen. Dies sind Projekte am Steinberg und an der Heinestraße sowie an der Feldstraße, wenn der Bürgerentscheid zum Erhalt der Grünfläche nicht erfolgreich ist. Mit dem Nachtrag will die Stadt nach eigener Auskunft verhindern, dass übergangsweise Unterkünfte für etwa 100 Menschen geschaffen werden müssten, bis die geplanten Wohnhäuser am Steinberg und in der Heinestraße fertig gestellt sind.

Das Nein der Christdemokraten begründete Peter Kramer damit, dass die CDU nicht für einen Bau in Stadt-Regie am Steinberg sei. Wie berichtet war dort zunächst geplant, Bauland an einen Investor zu verkaufen, um dann Wohnraum für Flüchtlinge anzumieten. Das hatte eine politische Mehrheit verworfen.

SPD-Fraktionschefin Sophia Jacobs-Emeis erläuterte: Ihre Partei hoffe, dass die Stadt die Wohnungen nutzen könne, wenn weniger Flüchtlinge nach Wedel kämen. Dies sei bei entsprechender Vertragsgestaltung auch mit gemietetem Wohnraum möglich, entgegnete FDP-Fraktionsvorsitzende Renate Koschorrek.

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erstellt am 11.Nov.2015 | 12:00 Uhr

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