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Planschen ist noch immer verboten : 70 Jahre Kleingärtnerverein Morrege

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Sieben Mann kamen 1947 zur Gründungsversammlung. Zur 70-Jahrfeier des Kleingärtnervereins versammelten sich jetzt etwa 45 Freizeitgärtner. 75 sind es insgesamt, die heute auf 30.030 Quadratmetern 41 Parzellen bewirtschaften. Die kleinste davon misst 342, die beiden größten jeweils 800 Quadratmeter Gartenfläche. 60 Euro Pacht werden pro Jahr für das Hobby fällig. Zur Gründerzeit vor 70 Jahren waren es eineinhalb Reichspfennige pro Quadratmeter. Um die 500 Kleingärtner gab es damals.

Mit größter Akribie hat Hanna-Krystyna Kubicki diese und andere Zahlen aus den Archiven des Kleingärtnervereins ausgegraben. Seit 2014 ist sie Vorsitzende. Der 70. Vereinsgeburtstag war die erste große Feier, die sie ausrichtete. „Ich bin ja so aufgeregt“, gestand die junge Dame. Die und Kleingärtnerin? Sieht in ihrem schicken Outfit doch eher wie eine Karrierefrau aus, dachte so mancher. Aber genau damit repräsentiert Kubicki den derzeitigen Trend in der Kleingartenliebe. Hosenträger-Spießigkeit war gestern. Heute ist das Kleingärtnern Freizeittrend der Angesagten. So geriet denn das Fest im „Grande Sukredo“ zum gelungenen Mix aus Traditionspflege und Sprung in die Zukunft.

Keine reine Erholung, auch Nützliches Pflicht

Überzeugende Vertreter der nächsten Generation waren die fünfjährige Elisabeth und ihr achtjähriger Bruder Felix. An diesem Tag begleiteten sie zwar nur ihre Eltern, aber wenn sie groß sind, wollen sie eigene Gärten haben. Das stand für die beiden Kleinen fest. Nützlich machen sie sich bereits. Blätter habe sie weggefegt und rote Blumen begossen, zählte das Mädchen auf. Felix stand ihr nicht nach: Unkraut rausreißen, das erledige er, stellte der Junge klar.

In ihrer launigen Festansprache blickte Hanna-Krystyna Kubicki auf ihre eigenen Moorreger Kleingärtneranfänge zurück. 2004 sei sie in den Verein eingetreten und habe ihre Parzelle mit einem kleinen Planschbecken aufgemöbelt, erinnerte sie sich. Dann kriegte sie einen Brief vom Vorsitzenden. Der zählte auf, was in der Kolonie alles verboten war. Planschbecken gehörten dazu. „Heute schreibe ich solche Briefe“, gestand die Vereinschefin zur allgemeinen Erheiterung.

Ihr Vorgänger Helmut Hardekopf, inzwischen Kreisvorsitzender der Kleingärtner, nahm das Verbotene genauer unter die Lupe. Dahinter stecke nicht etwa Willkür des Vorstands, betonte er und schob die Schuld dem Bundeskleingartengesetz in die Paragrafen. Dort sei nachzulesen, was alles nötig ist, damit aus Laube und Gärtchen ein gesetzeskonformer Kleingarten wird. Er darf nämlich keine reine Erholungs- und Spaßlandschaft sein. Es muss auch Nützliches gegärtnert werden, wenigstens ein paar Erdbeeren und einige Küchenkräuter oder so ähnlich. Obstbäume wiederum müssen sich an gewisse Maße halten – wie die Lauben natürlich auch.

Das waren vor 70 Jahren noch keine Probleme. Damals ging es den Kleingärtnern um ein paar Extrakartoffeln, um Kohl und Bohnen und alles, was sonst noch die Nachkriegsnot etwas linderte. Heute wiederum ist es der Bio-Trend, der die eigene Gemüseproduktion wieder ankurbelt. „Wir haben außerdem Bienen und eigenen Honig“, trumpften Elisabeth und Felix auf.

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erstellt am 12.Jun.2017 | 16:30 Uhr

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