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Wedel-Schulauer Tageblatt

24. November 2017 | 13:51 Uhr

70 Bienenstiche an einem Tag

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Naturkunde Museum in Moorrege startet in die neue Saison / Schaukasten bietet Blick auf lebende Insekten

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2017 | 16:47 Uhr

„Ich sehe sie! Das große, lange Biest da unten“, entfuhr es einem aufgeregten Besucher. „Biest, ich bitte Sie“, korrigierte Günter Sienknecht und mimte amüsiert den Indignierten: „Die da unten ist die Königin!“ Die Monarchin selbst hatte weder Zeit noch Sinn für höfisches Protokoll. Unentwegtes Eierlegen hielt sie auf Trab. Etliche Neugierige sahen ihr zu.

So begann die Saison im Bienenmuseum, dem einzigen seiner Art in Schleswig-Holstein. Der Imkerverein Uetersen und Umgebung unterhält es und sein stellvertretender Vorsitzender Sienknecht war als einer der Rundgangführer im Einsatz. Tochter Nele (8) wusste auch schon gut Bescheid. Wenn Papa alt ist, will sie sich gern um seine Bienen kümmern, kündigte sie an. Bruder Noah (11) hielt sich mit derartigen Zusagen zurück. Er sei schon zu oft gestochen worden, so der Grund seines Zauderns.

Der Papa wusste längst nicht mehr, wie oft ihm das passiert ist. Vereinsfreund Sebastian Rolke glaubte, er sei bis zu 70-mal an einem Tag gestochen worden. Das sei durchaus unangenehm gewesen. Allerdings: „Mückenstiche sind lästiger“, so die Erfahrung der beiden Imker. Für Allergiker könne aber ein Stich schon lebensgefährlich sein, fügten sie als Warnung hinzu.

Die kleine Gruppe starrte auf eine Hauptattraktion des Museums, den großen Schaukasten. Ein ganzes Volk lebt dort. Hinter Glasscheiben wogt der Bienenalltag. Drei Waben-Etagen bevölkert das fleißige Völkchen. Unten, dort wo der Start- und Landetunnel das Gehäuse mit der Außenwelt verbindet, war am meisten los. Bienen tanzten aufgeregt herum, andere guckten zu. „Die stärzeln“, klärte Sienknecht die Besucher auf. Das heißt, die Heimkehrenden signalisieren den Abflugbereiten, wo es guten Pollen gibt. Der Freizeit-Imker hatte auch eine Erklärung für den Eifer der Königin: Bis zu 40  000 Bienen pro Tag schaffen den Heimflug nicht. Deshalb müsse „das große, lange Biest“ den ganzen Tag lang für Nachwuchs sorgen.

Ihre Wabenwohnungen kriegen sie vom Imker geliefert. Nele zeigte ein rechteckiges Exemplar. Noah hielt ein paar Waben hoch, wie sie alternativ von Bienen selbst hergestellt werden können. Damit mussten sie in den geflochtenen Bienenkörben vergangener Zeiten auskommen. Und als es auch die Körbe noch nicht gab, bauten sie sich Behausungen in Baumlöchern, fügte der Vater der Kinder hinzu. Wie das in der Natur aussah, kann man in der Ausstellung in der Klinkerstraße chronologisch nachvollziehen. Dazu vermitteln Schautafeln viel Wissenswertes. Und historische wie auch nagelneue Geräte zeigen, wie der Mensch seit uralten Zeiten an den Honig herangekommen ist.

Draußen neben dem Museum unterhält Matthias Kohl eine „Bienenwiese“. Hier blüht es von Frühling bis Herbst. Das sieht nicht nur schön bunt aus, sondern ist wichtig für die richtige Ernährung der Bienen, erläutert der Bienenfreund. Er hofft, Landwirte und Hobbygärtner mit seinem Beispiel zu inspirieren.

Viele Vereinsfreunde teilen sich die Aufgabe, Besucher durchs Museum zu führen. Der Vorstand mit Oliver Gimbal an der Spitze ist an Sonntagen dran, andere springen ein, wenn Kitas oder Schulklassen sich für Werktage anmelden. Der Eintritt ist frei. Spenden werden gern gesehen.

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