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B-Planänderung : 69 Seiten Kritik an Wedels Hafenhotel

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Stadt weist Stellungnahmen zur Verschlechterung des Hochwasserschutzes, überzogener Bauhöhe und Nachbarschafts-Unverträglichkeit zurück.

shz.de von
erstellt am 04.Jul.2017 | 14:00 Uhr

Wedel | Die Änderung des B-Plans Nr. 20a soll den Weg ebnen für das Hotel Hafen Wedel, das die Hamburger Unternehmerfamilie Hesse an Wedels Maritimer Meile realisieren möchte. Davor hat der Gesetzgeber die Beteiligung der Öffentlichkeit gesetzt. Die haben rund ein Dutzend Bürger, Interessengemeinschaften und beauftragte Anwälte genutzt, um auf 69 Seiten zu formulieren, warum sie gegen den 160-Zimmer-Bau in der vorgestellten Form sind. Es geht um eine befürchtete Verschlechterung des Hochwasserschutzes, um Bauhöhen und um Nachbarschaftsbelange. Kritik und Bedenken, die die Verwaltung fast durch die Bank nicht teilt und zurückweist. Dies geht aus den Abwägungsvorschlägen hervor, die die Politiker des Planungsausschusses heute zu beraten haben.

Satzungsbeschluss und Billigung der Begründung des Bebauungsplans: Das schlägt die Verwaltung für den wohl teuersten Flecken Bauland in Wedel vor – den Hafenkopf, der durch Verkürzung des alten Beckens eigens für eine „dominante Bebauung mit sechs bis sieben Geschossen“ geschaffen wurde. So steht es im 2008 beschlossen Rahmenplan für den Hafen, und so argumentiert die Stadt auch in ihrer Stellungnahme gegen entsprechende Einwendungen. Mehrfach ist dort von zu massiver Bauweise die Rede, die den Gesamteindruck des Hafens negativ beeinflusse und sich nicht einpasse in die übrige Bebauung. Genau dies sei das Argument gewesen, bei der direkten Nachbarbebauung Schulauer Straße 2 und 2  a nur drei statt der gewollten fünf Geschosse zu genehmigen.

Entspricht nicht dem Sachverhalt, sagt die Stadt: Ein Bauantrag für die Schulauer Straße 2/2a über fünf Geschosse finde sich nicht in den Akten. Dagegen bestätige die „Machbarkeitsstudie Hotelstandort Wedel“ die Verwaltung in der Auffassung, dass der geplante Bau von Land und vom Wasser aus gut sichtbar sein solle.

Der Furcht einer Verschattung von Nachbarhäusern hält die Stadt eine eigens erstellte Verschattungsstudie entgegen, die keine negativen Folgen für die Nachbargebäude aufweise. Auch Lärm und Verkehr – beides ebenfalls wiederholt kritisiert in den Stellungnahmen – seien in diversen Gutachten abgeprüft worden. Ergebnis: Die beabsichtigte Hotelnutzung wird als „nachbarschaftsverträglich“ eingestuft.

Baufeld liegt im Überschwemungsgebiet

Mehr als nur die Nachbarn betrifft das Thema Hochwasserschutz. Das haben sich nicht nur von Anliegern und Immobilienbesitzern angesetzte Juristen, sondern naturgemäß auch der Landesbetrieb Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) vorgenommen. Der sieht die Höhe der Flutschutzanlage als durchaus kritisch an. Wie berichte soll ein nutzbares Sockelgeschoss des geplanten Hotels als künftiger vorgezogener Flutschutz dienen, gesichert durch Schotten. Bislang war die Höhe auf 7,30 Meter angelegt, entsprechend der bestehenden Flutschutzmauer am Strandbaddamm. Zu niedrig, befindet das LKN. Schon heute besitze der Landesschutzdeich eine Höhe von 8,20 Meter, die durch den Klimawandel künftig nicht mehr ausreichend sei. Wedel solle sich Gedanken machen, wie die Hochwassersicherheit künftig noch gewährleistet werden könne, so die Landesbehörde.

Aktuell liege die Höhe des geplanten Flutschutzes bei 7,41 Metern, so die Antwort der Stadt. Diese könne in einem späteren Schritt etwa durch Brüstungen auf 8,41 Meter erhöht werden. Das Landesamt gehen zudem von sogenannten Prognosehorizonten bis zu den Jahren 2050 beziehungsweise 2100 aus. Für die Hochwassersicherheit für Schleswig-Holstein sei jedoch der Generalplan Küstenschutz von 2012 maßgeblich, heißt es aus Wedels Verwaltung, die den Hinweis lediglich zu Kenntnis nimmt. Auch eine Beeinträchtigung des Hochwasserschutzes durch mindestens neun Öffnungen des Sockelgeschosses will die Stadt nicht gelten lassen und verweist auf die Möglichkeit hochwassergeschützter Ausführungsplanungen, wie sie etwa in der Hamburger Hafencity belegt seien.

Die Einwender führen auch grundsätzlich Bedenken ins Feld: Der Hafenkopfplatz liege in einem Bereich, der als Überschwemmungsgebiet festgesetzt sei, heißt es in den Stellungnahmen. Dort solle oder dürfe grundsätzlich nicht gebaut werden. Die Stadt dagegen verweist auf neun Ausnahmesachverhalte im Wasserhaushaltsgesetz, die erfüllt seien, „so dass eine Vollzugsfähigkeit des Bebauungsplanes gewährleistet ist“.

Zum Hafenhotel-B-Plan tagt der Planungsausschuss heute öffentlich ab 18 Uhr im Ratssaal.
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