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Wedel-Schulauer Tageblatt

11. Dezember 2017 | 08:56 Uhr

Die Wilke aus Wedel : 65 Jahre verheiratet

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Eiserne Hochzeit: Mit Marianne und Günther Wilke feiern zwei Schwergewichte des sozialen und politischen Engagements 65 Ehejahre.

shz.de von
erstellt am 27.Apr.2017 | 16:00 Uhr

Wedel | Friedensmärsche, Infostände, Mahnwachen, Zeitzeugengespräche – Marianne (87) und Günther Wilke (86) sind mit ihrem ehrenamtlichen Engagement fester sozialer Bestandteil von Wedel. Gestern feierte das Ehepaar seine Eiserne Hochzeit.

Günther Wilke ging im Oktober 1945 mit seinem heutigen Schwager in Hamburg in eine Klasse. Ihn interessierte die Familiengeschichte seines Schulfreundes, dessen Vater Jude war. Als Halbjuden wurden die Kinder vom Unterricht ausgeschlossen, mussten Judensterne tragen und wurden gesellschaftlich diskriminiert. „Er wollte aber nicht darüber reden, weil er einfach dazugehören wollte“, sagt Günther Wilke. Beide spielten miteinander Schach, diskutierten literarische Werke und machten zusammen Schularbeiten. „Irgendwann habe ich dann erkannt, dass auch eine Tochter des Hauses da ist“, sagte Günther Wilke gestern. Seine Frau Marianne hakte ein: „Irgendwann ist er nicht mehr nur wegen der Schularbeiten gekommen.“

Dann fing die Jubilarin an zu lachen: „Er behauptet immer, ich hätte ihm einen Kinnhaken gegeben.“ „Das war auch so. Das war ein regelrechter Aufwärtshaken. Da hat sie mir wohl weibliche Signale gesendet“, sagte Günther Wilke, der jahrelang die Boxabteilung des Wedeler TSV führte und wohl mit fast jedem Nachwuchsboxer mal selbst im Ring stand. Der Grund für den Kinnhaken? „Er hat mich wohl nicht beachtet“, sagte Marianne Wilke lachend. Bei einer Jugendfreizeit der Guttempler änderte sich das. „Das ist der Tag, an den ich mich erinnere, an dem wir zusammengekommen sind“, erläuterte Günther Wilke.

„Er hat viel Literarisches zitiert. Er konnte Gedichte und kannte zahlreiche Zitate. Das hat mich begeistert“, sagte Marianne Wilke. Beide unternahmen viele Spaziergänge und diskutierten. „Wir haben oft stundenlang diskutiert, weil wir unterschiedliche Ansichten hatten, unsere Gesinnung war aber sehr ähnlich“, beschrieb Marianne Wilke die Grundlage für 65 Ehejahre. „Man muss auch gemeinsame Weltanschauungen und Interessenlagen haben. Die hatten wir“, sagte Marianne Wilke. Dennoch hatte jeder seine eigenen Bereiche. „Zunächst einmal muss man sich über die erste Liebe hinaus auch als Persönlichkeit gegenseitig respektieren. Wir haben vieles gemeinsam gemacht, aber jeder hatte auch sein eigenes Feld“, sagte Günther Wilke.

Erster hauptamtlicher Tageblatt-Redakteur

Nach der Hochzeit 1952 bezog das Ehepaar zwei kleine Zimmer in der Friedrich-Ebert-Straße in Wedel. Als erster hauptamtlicher Redakteur leitete Günther Wilke zwischen 1958 und 1964 die Lokalredaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts. Noch heute ist er als freier Journalist tätig. Vor 2013 wurde er vom Hamburger Fußball Verband als dienstältester Sportredakteur geehrt. „Zum Fußball gehe ich aber seit zwei Jahren nicht mehr“, so Günther Wilke. Dem Boxen ist er weiterhin treu.

Seine Frau Marianne erhielt 2015 das Bundesverdienstkreuz für ihre Arbeit als Zeitzeugin. Das Ehepaar spricht in Schulen und bei Vereinen über die Zeit des Naziregimes. „Mir geht es darum, den Alltag darzustellen“, sagt Marianne Wilke. Das will sie weiter machen. Das Ehepaar will den Vortrag nun auch niederschreiben.

Als Bürgermeister Niels Schmidt (parteilos) gestern die Glückwünsche des Landes Schleswig-Holstein, des Kreises Pinneberg und der Stadt überbrachte, schmunzelte Günther Wilke. „Kreispräsident Burkhard Tiemann hat mal bei uns geboxt, als ich Vorsitzender war. Der war technisch stark, aber die Schlagkraft fehlte. Wilkes kennen unzählige Anekdoten über die Rolandstadt. Davon wird es sicherlich am Sonnabend einige geben, wenn mit den zwei Söhnen, den zwei Enkeln, drei Urenkeln und vielen Freunden gemeinsam gefeiert wird.

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