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Wedel-Schulauer Tageblatt

20. August 2017 | 04:09 Uhr

Wedel : 60 Jahre Boxabteilung beim TSV

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Boxabteilung des Wedeler TSV feiert am 25. Oktober seinen Geburtstag. Der Verein stellte 40 Hamburger und 20 Norddeutsche Meister.

Wedel | „Wir haben uns immer durchgeboxt“, erläutert Günther Wilke. Der 84-Jährige gehört zusammen mit dem fünf Jahre jüngeren Werner Koeppen zu den Gründungsmitgliedern der Boxsportabteilung des Wedeler TSV. Diese feiert am Sonnabend, 25. Oktober, in der Sporthalle des Wedeler TSV in der Schulauer Straße 63 mit einer nationalen Kampfveranstaltung ihr 60-jähriges Bestehen. Ab 18 Uhr treten Boxer Nord- und Ostdeutschland gegeneinander an. Der Eintritt für Erwachsene beträgt acht – für Kinder fünf Euro.

„Wenn wir früher in der Turnhalle Rosengarten geboxt haben, ging da unter 700 Zuschauern nichts“, sagt Herbert Offermanns. Der
78-Jährige ist heute Abteilungsleiter der Boxer, die sich 1954 gegründet haben. Ein Jahr vor seinem Beitritt. Die Idee zur Abteilungsgründung stammte vom ehemaligen Profiboxer Erich Mollenhauer. Als der Schlesische Meister im Weltergewicht bis 67 Kilogramm von Hannover in die Rolandstadt zog, wollte er seinem Lieblingssport nachgehen. Der Steinträger sprach Kollegen und junge Leute auf der Straße und in Gaststätten an, um geeignete Boxer zu finden. Zwölf Stück waren es bei der Gründungsversammlung. „Dann ging es rasant voran“, berichtet Wilke.

Im Februar 1955 hatte der Verein bereits 60 Mitglieder. Acht Monate später sogar 90. „Die sportlich beste Zeit waren ganz sicher die 1960er und 1970er Jahre“, bilanziert Wilke. Hans-Georg „Hansi“ Pillarz wurde drei Mal Deutscher Vizemeister. Reinhard Eichberger wurde Nationalstaffelboxer. „Wir hatten so viele Boxer, dass das Training oft härter war als die Kämpfe im Ring“, erinnert sich Offermanns, der selbst für die Wedeler antrat. Damals habe er 2,50 Mark Wäschegeld, eine Knackwurst, Kartoffelsalat und eine Frikadelle erhalten.

Weil die Gegner in der Region knapp wurden, reisten die Boxer aus der Rolandstadt durch die Lande, kämpfte auch in der DDR und Dänemark. „Wir hatten einen guten Ruf und haben diesen bis heute erhalten“, sagt Wilke und ergänzt etwas wehmütig: „Auch wenn wir sportlich nicht mehr an die damaligen Erfolge anknüpfen konnten.“

40 Hamburger Meister, 20 Norddeutsche Meister und die drei erwähnten Vizetitel bei Deutschen Meisterschaften stehen in der Vereinschronik. Passend zum 60-jährigen Bestehen steuerte der 14-jährige Ali Baycuman mit dem 3. Platz bei den Deutschen Meisterschaften und dem Titel Hamburger Meister in der Gewichtsklasse bis 54 Kilogramm einen weiteren Erfolg bei.

„Unser soziales Gewissen ist immer geblieben“

„Unsere Probleme waren wenn, dann materieller Art“, so Offermanns. Denn als Abteilung habe man sich selbst finanziert, musste Überschüsse aber an den Gesamtverein abführen, mit dem die Boxer einige Duelle austrugen. Gerade wenn es um Beitragserhöhungen ging. „Unser soziales Gewissen ist immer geblieben und noch heute haben wir die niedrigsten Beiträge“, so Offermanns.

Die geringen Beiträge seien Teil der sozialen Verantwortung, die der Sport habe habe. „Oberstes Prinzip war immer: Rassismus gibt es bei uns nicht. Bei uns sind alle gleich“, so Wilke. Wer die Nase gerümpft habe, sei direkt rausgeflogen, wer sich negativ über die Gastarbeiter aus Spanien, Griechenland, Italien, der Türkei, Jugoslawien oder heute Osteuropa äußerte, durfte im Ring gegen diese antreten. Heute sind im Verein 75 Mitglieder mit zehn verschiedenen Nationalitäten.

„Früher war der Boxsport härter“, beschreibt Wilke die Veränderungen im Laufe der Jahre und Offermanns hakt ein: „Wenn die früher hingehauen haben, wuchs kein Gras mehr. “ Beide vermissen die KO-Könige, die die Atmosphäre in den Hallen zum Knistern brachten. Dennoch habe es auch etwas Gutes: „Boxen ist viel technischer geworden.“

In zwei bis drei Jahren würde Offermanss gern das Amt als Abteilungsleiter abgeben. „Wir sind froh, dass wir mit Thomas Müller so einen jungen Trainer haben und einen ehemaligen Aktiven gewinnen konnten“, so Offermanns. Dies hofft er nun auch in der Führungsebene zu schaffen. Viele Schlachten habe er mit Wilke geschlagen, aber vor einer Sache habe er jetzt noch Angst: „Ich will nicht, dass wir die Letzten sind, die die Tür zumachen, wenn wir abtreten.“


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erstellt am 22.Okt.2014 | 12:00 Uhr

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