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Hetlingen : 40 Jahre im Zeichen des Umweltschutzes

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Das Geburtstagsfest der streitbaren Umweltschützer aus Hetlingen am Sonntag, 15. Februar, soll eine Feier von Menschen für Menschen werden.

Hetlingen | 40 Jahre Engagement für den Umweltschutz vor Ort – das muss gefeiert werden. „Wir wollen keinen offiziellen Empfang mit langen Reden, sondern eine Feier von Menschen für Menschen“, gibt Ralf Hübner, seit 2008 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Umweltschutz Haseldorfer Marsch, die Stoßrichtung für das Geburtstagsfest der Hetlinger Initiative vor. Die Bürgermeister aus der Umgebung seien eingeladen, sonst aber keine weiteren Honoratioren. Dafür alle Einwohner Hetlingens – die Briefe müssen nur noch verteilt werden. Gegründet hat sich die Arge am 29. Januar 1975, gefeiert wird am Sonntag, 15. Februar, in der Gaststätte „Op de Deel“. Beginn ist um 11 Uhr.

Hübner hat die zwei Festschriften zum zehn- und 20-jährigen Bestehen zum Pressetermin mitgebracht. Er blättert darin und lacht: „Es ist schon erstaunlich. 40 Jahre lang haben wir uns eigentlich immer mit den selben Themen beschäftigt.“ Der größte Streitpunkt, das Klärwerk, war damals Anlass für die Gründung der Initiative. „In Hetlingen hatte es gestunken“, erinnert sich Jochen Steinhardt-Wulff, jetzt zweiter, lange Zeit erster Vorsitzender. Wegen der Geruchsemissionen führte Familie Renders einen Musterprozess gegen das Klärwerk, den die Gemeinde und die Arge unterstützten. Der Sieg brachte nicht nur Abdeckung und Filter, weiß Steinhardt-Wulff, sondern jedem Hetlinger Hausbesitzer auch mehrere tausend Mark.

Dem Klärwerk gehörig auf die Finger klopfen konnten sie damals besonders gut, weil aus dem Vorstand jemand bei dem Unternehmen beschäftigt war, welcher das Klärwerk gebaut hatte, erzählt Steinhardt-Wulff verschmitzt. Als die Deponierung von Klärschlamm anstand, wehrte sich die Arge erneut erfolgreich. Und erst vor kurzem mussten auf dem Gelände defekte Luft- durch Biowäscher getauscht werden.

Die Schachblumenwiese, Sonnenkollektoren auf dem Schulgebäude, eine Beteiligung an der Solaranlage auf dem Jugendraum der Kirche, zahlreiche Fachvorträge zuletzt übers Fracking sowie das jüngste Projekt, die Öko- und Blumenwiese am Ortsausgang Richtung Haseldorf, sind nur einige wenige Beispiele für weiteres Engagement, auf das sich die Umweltschützer stürzten. „Wir sind ein lokaler Verein für lokale Verantwortlichkeiten, das ist nach wie vor unsere Stärke“, betont Steinhardt-Wulff.

Wenn der lokale Bezug in den Hintergrund trat, wenn es zu sehr um Grundsätzliches ging, wie bei der Diskussion um Atomkraft – auch wegen des Stader Kernkraftwerks gegenüber – habe die Arge schlechte Erfahrungen gemacht. Fünf Mitglieder traten damals aus. Steinhardt-Wulff bedauert: „Wir haben keinen Konsens gefunden.“ Doch die Hetlinger Initiative besann sich auf die Umweltprobleme vor Ort – und konnte so die schwere Krise überwinden.

Von den Erfolgen wollen die beiden Vorsitzenden während der Geburtstagsfeier berichten. Aber auch die Misserfolge nicht ausklammern. Kleinwindanlagen waren beispielsweise eine Idee, die scheiterte. Auch die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft erfüllte sich nicht in dem Maße, wie die Umweltschützer es sich wünschten.

Sich nicht verzetteln, weniger Aktionen, die dann aber zünden, das ist die aktuelle Devise, mit der die Arge viel erreicht. Momentan sind die Gewässerrandstreifen an den Gräben im Visier der Ökologen. Eigentlich darf hier kein Ackerbau betrieben werden, um das Oberflächenwasser vor Verunreinigung zu schützen. Auch über einen Schulgarten denken die Umweltschützer nach. Das Geld aus der Solaranlage, die bereits mehr als 20  000 Kilo Kohlendioxid einsparte, soll umweltpädagogischen Maßnahmen in der Grundschule zugute kommen, so der Vorsitzende. Zunächst aber steht das Fest an. „Wir haben versucht, alle Gründungsmitglieder einzuladen“, erzählt Hübner in großer Vorfreude auf einen netten Plausch mit vielen Freunden und Mitstreitern über die vergangenen 40 Jahre.

55 Mitglieder zählt die Hetlinger Arge Umweltschutz in ihrem 40. Jahr. Seit 2008 ist Ralf Hübner erster Vorsitzender. Davor führte Jochen Steinhardt-Wulff die Organisation. Allererster Vorsitzender war Professor Norbert Lehnart. Ihm folgte Siegfried Zell. Zum runden Geburtstag will die Arge keine Festschrift herausbringen, das sei unzeitgemäß, sondern eine Internetseite aufbauen. In wenigen Tagen wird www.arge-umweltschutz.de online gehen.

 

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erstellt am 05.Feb.2015 | 17:00 Uhr

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