Corona-Regeln im Einzelhandel : Von „muss sein“ bis „unnötig“: Wedels Geschäfte beurteilen 2G unterschiedlich

Avatar_shz von 02. Dezember 2021, 18:00 Uhr

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Gert Steyer ist kein Mensch, der schnell die Katastrophe ausruft: „Man muss mit den Gegebenheiten leben lernen“, sagt der Buchhändler.
Gert Steyer ist kein Mensch, der schnell die Katastrophe ausruft: „Man muss mit den Gegebenheiten leben lernen“, sagt der Buchhändler.

Welche Auswirkungen hat 2G für den Einzelhandel in Wedel? Nicht alle Geschäftsinhaber sehen das Weihnachtsgeschäft gefährdet. Dennoch bestehe die große Gefahr, dass Kunden zu den Online-Riesen abwandern.

Wedel | 2G im Einzelhandel ist gesetzt: Ab Sonnabend dürfen auch in Schleswig-Holstein nur noch diejenigen shoppen gehen, die nachweisen können, dass sie geimpft oder genesen sind. So ist es jedenfalls, wenn man Waren kaufen will, die nicht zum täglichen Bedarf gehören. Ungeimpfte werden ab dem Wochenende nur noch in Supermärkten, Drogerien oder Tankstellen einkaufen können. Zum Thema: Schleswig-Holstein plant 2G-Regel für den Einzelhandel Verhagelt das den Wedeler Kaufleuten das Weihnachtsgeschäft? Gert Steyer winkt ab. „Wir hatten letztes Jahr den Lockdown, das hat auch geklappt“, sagt der Buchhändler gelassen. Was sie vor einem Jahr aufgebaut hätten, darauf könnten sie jetzt zurückgreifen. Wir liefern wieder nach Hause. Steyer meint den Online-Auftritt und die Facebookseite des Buchhauses. Und den Bring-Service. „Wir liefern wieder nach Hause“, kündigt er an. Ungeimpfte können ihre Bücher bequem telefonisch oder über die Homepage bestellen, Steyer bringt die Ware nach Hause. Zusätzliche Luftreiniger und ordentlich lüften „Ich bin kein Katastrophenmensch“, macht der Buchhändler klar. Seine Devise: „Man muss mit den Gegebenheiten leben lernen.“ 2G ist für Steyer eine notwendige Maßnahme. Um die Gefahrenlage gering zu halten, gibt es im Laden ab nächster Woche zwei zusätzliche Luftreiniger. Zudem wird stets ordentlich gelüftet. „Ich sag meinen Leuten immer, dass sie den Norwegerpulli nicht vergessen sollen“, so der Chef lachend. Wir verzichten gern auf einen Euro Umsatz, Gesundheit ist uns wichtiger. „Natürlich sind alle unsere Mitarbeiter geimpft“, macht der Buchhändler klar. Die Gesundheit seines Teams liege ihm am Herzen. Steyer empfindet Unverständnis gegenüber Impfverweigerern. „Aber wir respektieren es natürlich“, betont er. Auch interessant: Einzelhändler Frank Büntjen: „Das schrottet uns das Weihnachtsgeschäft“ Alle im Geschäft tragen seit eineinhalb Jahren ununterbrochen die Maske. „Wir verzichten gern auf einen Euro Umsatz, Gesundheit ist uns wichtiger“, bekennt der Buchhändler in Bezug auf mögliche Einnahmeverluste wegen der Einführung der 2G-Regel. Bisher lief das Geschäft mit Spielsachen recht gut Auch für die Spielwarenbranche ist das Weihnachtsgeschäft wichtig. Jörg Feuchtner vom hiesigen Spielzeuggeschäft schaut trotz 2G eher leicht optimistisch in die Zukunft. Trotz des trüben Novemberwetters und trotz der Umstände, die das Coronavirus mit sich bringt, sei das Geschäft bisher recht gut gelaufen. Nach wie vor spürt Feuchtner Kauflust bei seinen Kunden. Ich mache mir schon sehr große Sorgen, dass das Weihnachtsgeschäft einbricht. Ganz anders die Stimmung bei Karin Neugebauer, Inhaberin des Modeladens Fähe. „Ich mache mir schon sehr große Sorgen, dass das Weihnachtsgeschäft einbricht“, bekennt sie. Neugebauer hält die Einführung von 2G für unnötig. „Für mich ist es nicht nachvollziehbar“, sagt sie. Die bestehenden Bestimmungen zur Kontaktbeschränkung seien ausreichend. „Wir halten die Hygienemaßnahmen ein, Mitarbeiter und Kunden tragen Maske und wir hatten auch noch keinen Corona-Fall“, zählt Neugebauer auf. Für den Textilhandel gilt 2G, aber nicht für den Lebensmittelhandel, das ist eine Ungleichbehandlung. Die Einzelhändlerin findet die neue Regelung unfair: „Für den Textilhandel gilt 2G, aber nicht für den Lebensmittelhandel, das ist eine Ungleichbehandlung“, schimpft sie. Als Gegenargument führt Neugebauer einen Hinweis der Industrie und Handelskammer an. Die kritisiert, dass die Infektionszahlen nicht aus dem Einzelhandel kommen würden. Wie soll die Kontrolle vonstatten gehen? Für Daniel Frigoni spielt bei der Einführung von 2G die Kontrolle eine wichtige Rolle. Den Impfstatus ihrer Kunden sollen die Einzelhändler prüfen. Wie das genau gehen soll, muss nach Einschätzung des Wedeler Kaufleute-Chefs noch geklärt werden. Auch interessant: Trotz Lockdown sollen Wedeler in ihrer Stadt „möglichst viel kaufen“ Fähe-Inhaberin Neugebauer fühlt sich bei dem Thema allein gelassen. Vom Staat gebe es da leider keine Unterstützung. Die offiziellen Erklärungen sind der Modehändlerin zu schwammig. Insgesamt hätte sie gern klarere Definitionen. „Ich will's richtig machen“, sagt Neugebauer. In Wedel gibt es eine starke Solidarität. Erst mit Maske rein und dann prüfen oder an der Tür prüfen und dann reinlassen? Die Gastrobranche musste sich laut Frigoni mit dem Thema bereits auseinandersetzen. In Hamburg gilt die 2G-Regel seit Wochen für Tanzveranstaltungen. „Das scheint zu funktionieren“, sagt der Kaufleutechef, der sich in Bezug auf die explodierenden Infektionszahlen eher fragt, warum nicht früher mit strengeren Maßnahmen begonnen worden sei oder sie erst gar nicht so stark gelockert habe. „Den Übergang von Sommer zum Herbst hat man verschlafen“, so Frigoni. Weiterlesen: Sei ein Lokalheld – der Wedel-Gutschein macht’s möglich Mit der Idee der Lokalhelden habe Wedel nicht nur eine starke Aktion für den regionalen Einkauf vor Ort gestartet, sondern dem Einzelhandel auch eine Kommunikationsplattform gegeben, die jetzt hilft, sich untereinander branchenübergreifend auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen. „In Wedel gibt es eine starke Solidarität“, lobt der Kaufleute-Chef. Dennoch sieht Frigoni mit der Einführung von 2G eine erhöhte Gefahr, dass die Kunden auch wieder verstärkt auf den überregionalen Onlinehandel umsteigen. ...

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