Von Jugendlichen für Jugendliche : 25 Jahre jung: Neuer Diakon in Wedel

Am Schreibtisch entwickelt Diakon Björn Kohring die Ideen für die Jugendarbeit in der Wedeler Immanuelkirche.
Am Schreibtisch entwickelt Diakon Björn Kohring die Ideen für die Jugendarbeit in der Wedeler Immanuelkirche.

Björn Kohring ist mit 25 Jahren neuer Diakon der evangelischen Kirchengemeinde Wedel und sieht sein Alter als klaren Vorteil an.

shz.de von
18. Mai 2015, 10:00 Uhr

Wedel | Die Konformation 2015 in der Rolandkirche war ein kleiner Meilenstein für Björn Kohring. „Das ist schon etwas Besonderes, wenn man so etwas erstmals durchführt“, sagt der 25-Jährige. Seit November 2014 ist er Diakon der evangelischen Kirchengemeinde Wedel / Holm. Zwei der insgesamt sieben Konfirmandengruppen hat er direkt betreut. „Da war viel abzusprechen und zu planen“, so Kohring. Nach einem halben Jahr im Amt kann er resümieren: „Es war bisher eine sehr arbeitsintensive Zeit, aber für ein Fazit halte ich es noch für zu früh. Dafür muss erst einmal ein komplettes Jahr vergangen sein.“

In einem Zukunftsworkshop erarbeitete er Themen, die den Jugendlichen wichtig sind. Der Jugendtreff „Ehrenlounge“ ist seitdem wöchentlich und nicht nur alle zwei Wochen geöffnet. Zudem wurde das monatliche Angebot „Connected“ gestartet – ein offener Jugendtreff. Derzeit laufen die Feinplanungen für die Jugendfreizeit in Belgien. „Die Freizeiten sind den Jugendlichen sehr wichtig“, so Kohring, der bei den Gesprächen festgestellt hat, dass die Jugendlichen Verantwortung übernehmen wollen: „Das hat mich bei der Ausarbeitung der Konfirmandenbögen überrascht.“ Daher überlege er derzeit eine Vorstufe der Jugendleitercard. Grundinhalte sollen bei dem Programm bereits vermittelt werden, um Teilnehmer zu motivieren, später den Jugendleiterschein zu machen.

Kohring sieht seine Aufgabe darin, die Interessen der Jugendlichen zu koordinieren: „Es bringt nichts, wenn ich versuche, nur meine Ideen umzusetzen. Jugendarbeit muss von Jugendlichen für Jugendliche entstehen.“ Dabei kann er auf einen festen Kern von zehn bis 15 Leiter zählen, die bei fast jeder Veranstaltung dabei seien. Bei Projekten wie der Kinderbibelwoche hätten 25 Jugendliche aktiv geholfen. „Los geht es im Konfirmandenalter, und zu uns kann man so lange kommen, bis man sich nicht mehr zugehörig fühlt“, so Kohring. Dies sei oft im Abiturientenalter der Fall.

Studium in Bielefeld

Der 25-jährige, der an der Fachhochschule Diakonie in Bielefeld „Soziale Arbeit und Diakonie“ studierte, sieht in seinem Alter einen klaren Vorteil: „Das ist auf der zwischenmenschlichen Ebene sicherlich hilfreich.“ Doch ab und an sei der geringe Altersunterschied auch ein Problem. „Vor allem, wenn es um das Durchsetzen von Regeln geht“, sagt Kohring grinsend und ergänzt: „Man muss verrückt genug sein, sich auf die Jugendlichen einzulassen.“ Er ist sich sicher, dass sich das im Laufe der Jahre ändern wird: „In zehn Jahren wird die Arbeit für mich sicherlich anders sein als heute. Dann wäre ich doppelt so alt wie die Jugendlichen, die ich betreue.“

Stress empfinde er bei der Arbeit mit den Kindern nicht: „Ich finde es schön, wenn 50 bis 60 Kinder um mich herum toben. Dann ist es vielleicht etwas stressig, aber ich weiß, dass ich viel in meinem Job richtig gemacht habe.“ Gewöhnen müsse er sich derzeit an seine Arbeitszeiten. „An großen Arbeitstagen passiert einfach viel“, sagt Kohring. Daher muss er seine Jahresstunden entsprechend planen. Da fehlt vielleicht noch ein wenig die Berufserfahrung.“ Diese komme im Laufe der Jahre. Ebenso wie die Beziehungen zu den Jugendlichen. Zehn Prozent seiner Arbeit sollen Seelsorge und Beratungsgespräche umfassen. „Davon bin ich noch ein Stück entfernt, aber es kommen immer mehr Jugendliche auch mit ernsten Themen auf mich zu“, so Kohring. Da dies mit Beziehungen und Vertrauen zu tun habe, sei es ein Prozess, der sich entwickeln müssen.

Gibt es etwas, was ihm gar nicht gefällt? Kohring überlegt lange. Er schüttelt den Kopf. Doch dann findet er doch etwas: „Die Tage, an denen ich ganz alleine sechs, sieben Stunden im Keller sitze und plane. Das ist mir dann einfach zu ruhig.“ Sein persönlicher Wunsch: „Wenn die Jugendlichen später an mich zurückdenken, sollen sie sich so positiv an ihren Diakon erinnern wie ich mich an meinen.“

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