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Wedel : 120 Friedensaktivisten demonstrieren beim traditionellem Ostermarsch

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Kundgebung gegen Krieg auf dem Rathausplatz. Kritik am Bundespräsidenten.

shz.de von
erstellt am 07.Apr.2015 | 10:00 Uhr

Wedel | Anfang März feierte sie ihren 98. Geburtstag. Ihr hohes Alter hält Ingeborg Baumbach jedoch nicht davon ab, seit vielen Jahren zum traditionellen Ostermarsch nach Wedel zu kommen. Auch am Wochenende war sie dabei. „Ich bin seit 1945 für den Frieden aktiv“, erzählte die rüstige Rentnerin.

Organisatorin Irmgard Jasker vom Friedensnetzwerk Kreis Pinneberg begrüßte außer der Ratzeburgerin auch eine „Friedens-Veteranin“ aus der Rolandstadt: Marianne Wilke (85), die wenige Tage zuvor für ihr politisches und soziales Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden war.

Etwa 120 Menschen hatten sich am Sonnabendvormittag zum Auftakt des Ostermarschs auf dem Rathausplatz versammelt. Jasker nannte die Losung der Veranstaltung – Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen! – und forderte von der Bundesregierung mehr Diplomatie und Deeskalation.

„In großer Sorge verfolgen wir die Russland-Politik Deutschlands und der Europäischen Union. So kritisch war die politische Lage seit dem Ende des Kalten Krieges noch nie“, betonte sie. Jasker forderte zudem einen respektvollen Umgang mit Russland und dessen Staatspräsident Wladimir Putin: „Es ist ungeheuerlich, wie hier verteufelt wird.“

Die Entscheidung von Bundespräsident Joachim Gauck, die 70-Jahr-Feier der Befreiung von Krieg und Faschismus in Moskau nicht zu besuchen, sei ein Affront gegenüber den Opfern, die insbesondere die Bevölkerung der damaligen Sowjetunion gebracht habe. „Wir fordern einen anderen Umgang und erinnern an die Ostpolitik, die mit Willy Brandt und Egon Bahr möglich war“, so Jasker.

Klaus-Dieter Brügmann, Sprecher des Kreisverbands Die Linke, kritisierte, dass die Bundeswehr längst nicht mehr eine Verteidigungsarmee sei, sondern mit ihren zahlreichen Auslandseinsätzen der Durchsetzung geostrategischer Ziele diene. Sönke Hundt vom Bremer Friedensform und Hauptredner der Kundgebung, betonte: „Der Ostermarsch der Friedensbewegung hat eine jahrzehntelange Tradition und bleibt aktueller denn je.

Nie sei die Gefahr eines atomaren Kriegs so groß gewesen wie jetzt. Das Völkerrecht mit seinem Gebot des Gewaltverzichts werde heute buchstäblich mit Füßen getreten. Die Kriege der letzten Jahre seien mit Menschenrechtsverletzungen in den angegriffenen Ländern begründet worden. „Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass es diese etwa in Russland, Syrien, Libyen oder Afghanistan gegeben hat. Aber der Vorwurf dürfte auf viele Staaten zutreffen “ so Hundt.

Nach der Kundgebung zogen die Teilnehmer durch die Wedeler Innenstadt zum Roland. Dort wurden blaue Luftballons mit dem Friedenssymbol, der weißen Taube, gestartet. Anschließend ging es zum Theaterschiff Batavia zu einem Fest mit Diskussionen, Live-Musik und Ostereiersuchen für Kinder.

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