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St. Michaelisdonn : Vier Seeadler vergiftet – unheimliche Serie in Dithmarschen

vom

Ein verendeter Altvogel und wahrscheinlich zwei tote Jungtiere sind in Dithmarschen aufgefunden worden. Die Todesursache der Tiere ist unklar. Bereits im März wurde ein kranker Vogel in Heide gefunden.

shz.de von
erstellt am 23.Jun.2015 | 10:24 Uhr

Sankt Michaelisdonn | Es war ein trauriger Fund, den Jagdpächter Hans Lorenz am Sonntag morgen zusammen mit Vogelschützer Uwe Robitzky machte. In seinem Revier bei St. Michaelisdonn (Kreis Dithmarschen) entdeckte Lorenz bei einem Kontrollgang in unmittelbarer Nähe eines Seeadlerhorstes das verendete Männchen am Boden.

Mit einer Größe von etwa 70 bis 95 Zentimeter, einer Flügelspannweite von bis zu 2,50 Meter und einem Gewicht von bis zu sieben Kilogramm, gehört der Seeadler zu den größten Greifvögeln. Seeadler haben - abgesehen vom Menschen - kaum natürliche Feinde. In den letzten Jahren sind in Niedersachsen und Schleswig-Holstein mehrere tote Tiere aufgefunden worden.

Nachmittags kletterte Biologe Thomas Grünkorn von der Projektgruppe Seeadlerschutz zum Horst auf dem Baum und fand die beiden zirka elf Wochen alten Jungtiere ebenfalls tot vor, vom Weibchen fehlt jede Spur. Man könne sich nicht hundertprozentig sicher sein, ob eine Vergiftung vorliege, so Grünkorn. „Der synchrone Tod der Raubvögel spricht aber für eine unnatürliche Todesursache.“ Für Bernd Struwe-Juhl, Geschäftsführer der Projektgruppe Seeadlerschutz, ist Gift eindeutig der Grund – und dies sei kein Einzelfall.

Erst im März sei bei Bennewohld in der Nähe von Heide ein kranker Seeadler aufgefunden worden, erzählt Struwe-Juhl. Der Vogel sei kurz darauf verendet und anschließend untersucht worden. „Er hatte Parathion im Kropf, ein Insektizid, auch unter dem Namen E605 bekannt und seit 2002 verboten“, so Struwe-Juhl. „Aber es ist illegal leicht zu beschaffen und wird gern zur Vergiftung von Wildtieren eingesetzt.“ Er erinnert sich an viele weitere Fälle von vergifteten Wildvögeln in Dithmarschen in den vergangenen Jahren, auch ein Hund sei Opfer gewesen.

„Acht Seeadlerpaare sind dieses Frühjahr in Dithmarschen registriert worden“, berichtet Vogelschützer Uwe Robitzky. Nur vier dieser Paare hätten gebrütet, drei davon seien aber – unter anderem wegen Ruhestörung – erfolglos gewesen. „Die jetzt gefundenen toten Seeadler sind vom letzten verbliebenen Brutpaar. Es ist ein entsetzliches Ergebnis“, so Robitzky.

Seit 2005 seien bislang bereits 15 Seeadler verschwunden, pro Jahr finde man zudem in der Region im Schnitt 55 tote Mäusebussarde, „die meisten vergiftet, das haben wir bereits nachgewiesen“. Man habe über die Jahre auch regelmäßig präparierte Schlachtabfälle sowie einen mit Gift präparierten toten Hasen und zwei Kanister mit giftigen Substanzen im Wald gefunden.

Robitzky glaubt, dass einige Jäger Gift auslegen, um Wildvögel zu vernichten. Hase und Fasan gingen zurück im Bestand, die Jäger hätten offenbar die Greifvögel im Verdacht. „Man wird hellhörig, immer wieder passiert etwas in diesem Bereich“, sagt Bernd Struwe-Juhl. Er benennt auch andere Verdächtige: „Es könnten Tierzüchter wie etwa Geflügelhalter sein, die Giftköder wegen der Füchse auslegen. Seeadler und andere Raubvögel sind als Aasfresser die Leidtragenden.“

Die Landesregierung müsse gezielt Aufklärung betreiben. „Das ungerichtete Auslegen von Giftködern ist gefährlich und kann auch Menschen erwischen.“ Knallharte Naturschutzvergehen seien das, sagt der pensionierte Polizist Robitzky. „Seeadler zu töten ist eine Straftat und muss streng geahndet werden“, bestätigt Nicola Kabel vom Kieler Umweltministerium. Es sei durch Robitzky Strafanzeige gestellt worden, sonst hätte das Ministerium dies getan. Die Polizei vor Ort ermittelt, die verendeten Tiere werden auf ihre Todesursache hin untersucht. 

Im Jahr 2014 wurden in Schleswig-Holstein laut Ministerium 84 besetzte Seeadler-Reviere registriert. In den letzten Jahren wurden mindestens zehn Seeadler mit dem Verdacht auf Vergiftung aufgefunden und untersucht – bei sieben Vögeln bestätigte sich der Verdacht. 

Der Landesjagdverband Schleswig-Holstein fordert eine Untersuchung des Falles. „Wir hoffen, dass es zu einer lückenlosen Aufklärung im Sinne der Greifvogelerklärung kommt“, bekräftigt Dr. Klaus-Hinnerk Baasch, Präsident des Landesjagdverbandes Schleswig-Holstein. „An unseriösen Spekulationen zu den Todesursachen beteiligen wir uns allerdings nicht. Vielmehr müsse man die abschließenden Untersuchungen der Tiere nun abwarten“, so Baasch.

Erst im Februar 2015 wurde in Stangheck (Kreis Schleswig-Flensburg) ein Seeadler-Horst von Unbekannten zerstört. Der Fall sorgte landesweit für Entsetzen nicht nur bei Umweltschützern.

Die Kieler Erklärung zum Greifvogelschutz wurde am 4. April 2008 vom Präsidenten des Landesjagdverbandes SH, Klaus-Hinnerk Baasch, dem Vorsitzenden der OAG, Bernd Hälterlein und dem Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume unterzeichnet und dient dem Schutz der Greifvögel in Schleswig-Holstein.
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