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Arboretum Ellerhoop : Zu Unrecht völlig unbekannt

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Professor Hans-Dieter Warda sitzt in seinem Golf-Cart, fährt über die Wege des Arboretums in Ellerhoop und kann sich kaum sattsehen. Objekt der Begierde ist vor allem ein Baum, den Botaniker „Cornus Kousa chinensis“ nennen. Auf Deutsch kann man auch „Asiatischer Blüten-Hartriegel“ sagen. Und in der Tat kann man Wardas Begeisterung verstehen:

Der langsam wachsende Baum erreicht in der Version des „chinensis“ bis zu 6 Meter Höhe (andere Hartriegelgehölze erreichen bis zu 10 Metern) und ist reich mit weißen Blüten bedeckt. Und an dieser Stelle hat der staunende Besucher auch schon den ersten Denkfehler begangen: Denn um Blüten handelt es sich streng genommen nicht, jedenfalls nicht im botanischen Sinne. Denn auch wenn die Blätter für den Laien von der Nähe aus betrachtet genau so aussehen wie Blüten, so sind es in Wirklichkeit nur sogenannte „Scheinblüten“, die der Botaniker „Brakteen“ nennt. Diese „Hüll“- oder „Hochblätter“ sind im Grunde nur zum frühen Schutz der Blüte da. Die eigentliche Blüte sitzt inmitten der weißen Brakteen und erinnert entfernt an eine Himbeere. In Japan werden die Früchte eingelegt, kandiert oder roh genossen. Für den Geschmack dieser Früchte kann sich Warda indes nicht ganz so sehr begeistern, wie für das Aussehen ihrer Austräger. Für ihn schmeckten sie „eigentlich nach nichts“. Und selbst wenn einem dieser Ausflug in die botanischen Einzelheiten wieder mal ein gutes Stück mehr Wissen verschafft hat, so ist es beim Betrachten des Baumes dann aber schon wieder völlig egal, ob es sich bei den weißen Dingern um Blüten handelt oder nicht. Der äußerst winterharte Baum fasziniert durch sein wie in Terrassen angelegtes Geäst, welches sich immer waagerechter anordnet, je weiter man nach unten kommt. Die Scheinblüten bedecken die Zweige so, als hätten sich tausende weißer Schmetterlinge auf den grünen Blättern zum Sonnen niedergelassen.

Der Dendrologie-Experte Warda kann dann auch angesichts der Schönheit dieser Gehölze nicht verstehen, warum sie hierzulande immer noch nicht recht bekannt geworden sind. „Die Blütezeit dieser Pflanzen beträgt vier bis sechs Wochen“, erzählt Warda bewundernd.

Im Herbst verändert sich die Farbe dann in sattes Orange bis Rot. Beide Farbgebungen sollte man sich nicht entgehen lassen und sich alsbald aufmachen, ins Arboretum Ellerhoop. Denn auch die längste Blütezeit ist einmal vorbei.

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erstellt am 23.Jun.2012 | 00:03 Uhr

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