Anonymer Brief : Zoff in der Verwaltung

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Es brodelt hinter den Kulissen der Kreisverwaltung: Überbürokratisierung bei Einsparmaßnahmen, schlechter Service von KommunIT (elektronischer Verwaltungsdienstleister), allgemeine Unzufriedenheit. All dies legten die Mitarbeiter in einem anonymen Brief offen. Empfänger: Sämtliche Kreistagsfraktionen.

shz.de von
13. Juli 2012, 19:58 Uhr

Weiter wurde ein Fortbildungsprogramm des Fachdienstes Planen und Bauen moniert. Dessen 35 Mitarbeiter waren am 31. Juni und 1. Juli für ein Seminar nach Bad Segeberg gefahren. Gesamtkosten für 1,5 Tage: 7800 Euro. Über dieses Schreiben wunderte sich Hannes Birke, Fraktionsvorsitzender der SPD, so sehr, dass er eine Anfrage an Landrat Oliver Stolz stellte. Ob diese Behauptungen der Wahrheit entsprechen würden, wollte Birke wissen.

Stolz gab detailliert Antwort: Die gesamten Hotelkosten beliefen sich auf 3900 Euro, für Referenten wurden 3500 Euro ausgegeben, die Reisekosten betrugen 400 Euro. Eine Leihgebühr für Fahrräder war bereits in den Hotelkosten eingeschlossen. Ebenfalls zur Verfügung stehende Tretboote wurden nicht gemietet. Die Kosten pro Teilnehmer betrugen damit rund 220 Euro.

Das Seminar war nötig geworden, um die Zusammenarbeit der Kollegen aus bisher unterschiedlichen Bereichen des im vergangenen Herbst neugegründeten Fachdienstes zu fördern und dem hohen Krankenstand entgegenzuwirken, so Stolz weiter. Ziel sei es gewesen, wichtige Angelegenheiten und Problemstellungen im offenen Dialog aufzugreifen und zu einer neuen Arbeitsgrundlage und guten motivierenden Atmosphäre zu kommen. Dies sei auch gelungen, so Stolz. Eine Beurteilung, die Hannes Birke einem Abstand von gerade einmal sechs für verfrüht hält.

Außerdem: „Die Inhalte erinnern mich mehr an ein Selbsthilfeseminar, als eine fachliche Weiterbildung – und war dazu sehr kostspielig“, stellt Birke verwundert fest. Aufgrund dieser Entwicklung wolle man sich im Zuge der nächsten Haushaltsplanungen detailliert über die Fortbildungsetats unterrichten lassen. Eine sicherlich sinnvolle Fragestellung, befindet Manfred Kannenbäumer (CDU). Doch der Rellinger springt dem Landrat auch zur Seite: „Bei über 700 Mitarbeitern gibt es immer wieder unzufriedene“, so Kannenbäumer. Das der Weg allerdings über einen anonymen Brief gewählt wurde, sei doch recht ungewöhnlich. Viel eher hätte der Personalrat hier einbezogen werden sollen. Stolz zeigte sich enttäuscht vom Verhalten seiner Mitarbeiter. In einem internen Schreiben bedauerte er, dass die Probleme nicht mit Vorgesetzten oder ihm persönlich erörtert wurden.

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