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Uetersener Nachrichten

12. Dezember 2017 | 23:05 Uhr

NS-Verbrechen : Ziggy Czarneckis kurzes Leben

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Die Geschichte des Zigfryd Valentino Czarnecki ist zumindest historisch weitgehend aufgearbeitet. Der amerikanische Pilot verlor sein Leben 1944 zwischen Appen und dem Fliegerhorst mit gerade mal 21 Jahren – per Genickschuss hingerichtet durch den SA-Sturmführer Wilhelm Langeloh. 71 Jahre später wird nun erstmals die Forderung nach einem öffentlichen Gedenken laut.

shz.de von
erstellt am 29.Feb.2016 | 20:45 Uhr

Ob auf der Homepage www.spurensuche-kreis-pinneberg.de oder im Jahrbuch des Kreises Pinneberg von 2014 – die Geschichte des NS-Verbrechens an dem jungen Amerikaner „Ziggy“ Czarnecki ist von Heimatforschern nachvollzogen, mit Quellen und Augenzeugenberichten belegt worden.

Der junge Mann aus Philadelphia war an Bord eines US-Bombers, der am 18. Juni 1944 in der Nähe der Pinneberger Eggerstedtkaserne abgeschossen wurde. Das Flugzeug stürzte im Hollandweg ab, Czarnecki rettete sich mit einem Fallschirm und landete zwischen Appen und Etz. Dort entdeckte ihn der Appener Reservewachtmeister Johnny Wohlers, verhaftete ihn und nahm ihn mit in seine Wohnung, wo er bis zu seiner Überstellung auf den Fliegerhorst Uetersen bleiben sollte.

Dort wäre der Amerikaner wie ein Kriegsgefangener behandelt worden und wohl mit dem Leben davongekommen. Stattdessen erschien der NS-Kreisleiter Wilhelm Langeloh in Appen, nahm den Gefangenen gegen den Widerstand Wohlers’ mit und richtete ihn kurz hinter dem Ortsausgang mit einem Genickschuss hin.

Danach stieß er ihn mit mehreren gezielten Tritten in den Graben und verschwand. Ein Landmann, von dem misstrauisch gewordenen Johnny Wohlers dem strammen Nazi Langeloh hinterhergeschickt, fand den noch lebenden Czarnecki und sorgte dafür, dass er in die Obhut von Ärzten kam. Es half dem Schwerverletzten nicht mehr, er starb am 19. Juni 1944 in Hamburg-Wandsbek und wurde auf dem Friedhof in Ohlsdorf beigesetzt.

Sein Peiniger Wilhelm Langeloh tauchte nach Kriegsende ab, lebte unter dem Namen Felix Bauer, flog später allerdings auf und wurde 1947 als Kriegsverbrecher gehängt. Dass die Tat bislang in der Öffentlichkeit nur wenig bekannt ist, mag zumindest Klaus-Dieter Brügmann nicht hinnehmen. Der Fraktionschef von Piraten & Die Linke im Pinneberger Kreistag kritisierte inzwischen, dass Verbrechen wie das geschilderte im öffentlichen Gedenken bislang keine Rolle spielen. „Nichts erinnert an die Gräueltat, in Pinneberg nicht, in Appen-Etz nicht, in Uetersen nicht“, sagte er.

Auch Kreispräsident Burkhard E. Tiemann sieht durchaus Nachholbedarf. „Es ist bislang nicht gelungen, die Verbrechen der Nazis im Kreis Pinneberg umfassend aufzuarbeiten“, sagte er.

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