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Uetersener Nachrichten

14. Dezember 2017 | 11:38 Uhr

Drogenkonsum : Zahl junger Kiffer steigt wieder

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Immer mehr Jugendliche greifen zu Cannabis, die am häufigsten konsumierte illegale Droge in Deutschland. Nach einem Bericht der Bundesdrogenbeauftragten Marlene Mortler (CSU) konsumierte 2012 in der Gruppe der Zwölf- bis 17-Jährigen jeder 13. mindestens einmal in seinem Leben Cannabis-Produkte wie Haschisch oder Marihuana, zwei Jahre später war es schon jeder zehnte. Da sich die Zahlen im Kreis Pinneberg ähnlich entwickelt haben, gibt es nun einen Handlungsleitfaden für Lehrer, Schulsozialarbeiter und Schulleitungen. Gestern wurde die Broschüre vorgestellt.

shz.de von
erstellt am 16.Feb.2016 | 20:44 Uhr

Ziel der Broschüre ist es, die Schüler zu schützen, ein Abrutschen zu verhindern. Dabei kommt Pädagogen und Schulleitungen eine besondere Rolle zu, die sie offenbar nicht immer ausfüllen können. „Wir beobachten bei den Lehrern eine große Unsicherheit und Hilflosigkeit im Umgang mit dem Thema“, sagte Silvia Stolze vom Team Prävention und Jugendarbeit des Kreises Pinneberg. Sie hat die Broschüre zusammen mit Heike Kühl-Frese vom Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQ.SH) geschrieben.

„Wer unsicher ist, neigt zu Vermeidungsstrategien oder Überreaktionen“, sagte Kühl-Frese. Beides sei der falsche Weg. Dabei ist angemessenes Handeln das Gebot der Stunde angesichts bekifft im Unterricht sitzender Schüler und eines mehr oder weniger offenen Dealens an den Schulen. Allerdings: „Häufig haben es die Pädagogen nur mit Verdachtsmomenten zu tun, weil die Leistungen eines Schülers signifikant absacken, er ständig rote Augen hat oder sich sein Wesen verändert“, sagte Silvia Stolze. Grundloses Kichern, eine zunehmende Gleichgültigkeit können ein Hinweis auf Cannabis-Konsum sein.

„Es geht darum, dem Schüler in einer für ihn ohnehin schwierigen Phase der Identitätssuche zu helfen“, sagte Heike Kühl-Frese. Die Broschüre, die in den Schulen verteilt, aber auch kurzfristig auf der Homepage des Kreises Pinneberg zum Download bereitgestellt wird, bietet grundlegende Informationen, Orientierung und zeigt Handlungsoptionen auf, um schnell und vor allem professionell reagieren zu können.

Das vielleicht wichtigste Kapitel ist denn auch das über eine effektive Interventionskette in vier Stufen. Mit jeder wird der Druck auf den Schüler erhöht, etwa weil Sanktionen verschärft oder mehr Menschen hinzugezogen werden. Ist es zunächst ein Gespräch zwischen dem Jugendlichen und seinem Lehrer, kommen bei anhaltendem regelwidrigen Verhalten die Eltern, vielleicht die Schulleitung und in besonders harten Fällen sogar das Jugendamt hinzu. Wie genau die Interventionskette für seine Schule aussehen könnte, soll jedes Kollegium selber entscheiden und sich für den Prozess durchaus mit anderen Schulen vernetzen. Hilfe gibt es bei Silvia Stolze, die mit Heike Kühl-Frese Schulungen anbietet.

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