Fachkonferenz : Wohnungsmarkt: Die Lage spitzt sich zu

4117050_800x944_53b9a0a6128e9.jpg
1 von 2

Eines der drängendsten Probleme im Kreis Pinneberg nahmen sich SPD-Politiker auf einer kommunalpolitischen Konferenz an: Die für viele Menschen unbezahlbar werdenden Mieten für angemessenen Wohnraum.

Avatar_shz von
06. Juli 2014, 21:13 Uhr

Zu welchen schlimmen Auswirkungen es auf dem bis zum Zerreißen angespannten Wohnungsmarkt inzwischen kommt, schilderte die sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Beate Raudies. Nach dem Brand in einem großen Wohnhaus in Elmshorn stehen deren Bewohner ohne Bleibe da, auf Sicht eines Jahres sei nicht damit zu rechnen, neue Wohnungen für die nicht gerade gut betuchten Mieter zur Verfügung zu stellen.

Um Elmshorn nach dem verheerenden Unglück zu entlasten, muss die Krückaustadt jetzt nicht so viele Flüchtlinge aufnehmen wie die anderen Kommunen. Und um den sozialen Wohnungsbau sei es erst recht schlecht bestellt. In Uetersen, so berichtete deren SPD-Ratsherr Ingo Struve, sei der Plan eines großen Wohnungsbauunternehmens für Schaffung von Sozialwohnungen auf dem Gelände des Bleekerstiftes schon im Keim erstickt worden, Wohnungen für „Sozialfälle“ erschienen den anderen Parteien der von Schulden gebeutelten Stadt nicht opportun.

Die Mietpreisbremse und die Kappungsgrenze seien nicht der richtige Weg, um den Wohnungsmarkt günstiger zu gestalten, so Christoph Kostka, Geschäftsführer des Verbandes norddeutscher Wohnungsbauunternehmen. Beides würde die Fluktuation erhöhen und Mieter mit einem hohen Einkommen in die gut gelegenen, aber nicht teuren Wohnungen mit einer günstigen Infrastruktur ziehen lassen. Und genau das sei kontraproduktiv, denn Fluktuation sei für die Wohnungsunternehmen teuer. Preistreiber hingegen seien die Baukosten und Wohnnebenkosten: „Hier müssen wir ran.“

Es gebe keine allgemeingültige Strategie, um den Anstieg der Mieten zu verhindern und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, meinte Schenefelds Bürgermeisterin Christiane Küchenhof. Es fehle vor allen Dingen an Wohnungen für Menschen, die in eine soziale Schieflage geraten seien und Schufa-Einträge aufwiesen, an behindertengerechtem Wohnraum, Wohnungen für Senioren und große Familien.

Jochen Kiersch vom Landesverband des Mieterbundes monierte die oft viel zu hohen Betriebskosten, außerdem den Verkauf des kommunalen Wohnungsbestandes, der dringend wieder aufzubauen sei. Häufig werde die kommunale und öffentliche Förderung beim Wohnungsneubau nicht in Anspruch genommen, weil viel zu viele Regelungen damit verbunden seien und daher lieber private Mittel aufgenommen werden. Die Mietpreisbremse schaffe eine zeitliche Atempause, um Gegenmittel zu finden. Zu der von den anwesenden Politikern verabschiedeten Resolution, die Land, Kommunen und die Bundesregierung auffordert, mehr sozialen Wohnungsbau zu fördern und die Mietpreisbremse unverzüglich umzusetzen, meinte Kiersch abschließend: „Resolutionen schaden nicht.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert