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Uetersener Nachrichten

24. Oktober 2017 | 13:54 Uhr

Rathaus : Wo ist das Stadtarchiv?

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Wo bitte geht’s zum Stadtarchiv? Wer im Rathaus diese Frage stellt, der wird auf einen Kellerraum verwiesen. Vollgestopft mit Kisten und Kartons. Das soll ein Archiv sein? Im „Gesetz über die Sicherung und Nutzung öffentlichen Archivgutes in Schleswig-Holstein (Landesarchivgesetz - LArchG) heißt es dazu: „Die Archivierung ist Aufgabe des Landes, der Kreise, der Gemeinden, der Ämter, der Zweckverbände mit Ausnahme der in Absatz 2 Nr. 3 genannten Zweckverbände sowie aller sonstigen der Aufsicht des Landes unterstehenden Träger der öffentlichen Verwaltung.

shz.de von
erstellt am 15.Jan.2016 | 17:22 Uhr

Die Kreise, Gemeinden, Ämter, Zweckverbände und die sonstigen der Aufsicht des Landes unterstehenden Träger der öffentlichen Verwaltung nehmen diese Aufgabe eigenverantwortlich wahr.“

Es handelt sich um eine pflichtige Aufgabe, die allerdings nicht per Zwangsmittel angeordnet werden kann. Darum schweigt die Kommunalaufsichtsbehörde des Kreises auch, die weiß, dass es in Uetersen auch heute noch kein funktionierendes Archivwesen gibt. Es fehlt schlicht an einer Möglichkeit, dieses Fehlverhalten mit einem Ordnungsgeld zu belegen. Warum dann also Kosten verursachen? Von Elmshorn gibt’s nur soviel: „Der Kreis sieht das als eigenverantwortliche Aufgabe der Stadt. Wir würden den Aufbau eines Stadtarchivs allerdings begrüßen“, so Kreispressesprecher Oliver Carstens.

Die Stadtverwaltung hat bereits mehrfach Anläufe genommen und die Politik darüber informiert, dass ein Archiv nicht nur eine sinnvolle Einrichtung, sondern auch eine Pflichtaufgabe der Kommunen ist. Doch dabei blieb es.

Wer profitiert von (Stadt-)Archiven? Auch dazu gibt es im Gesetz genaue Angaben. Demnach handelt es sich um archivwürdige Unterlagen, wenn diese Wissenschaft oder Forschung dienen und für das Verständnis der Gegenwart sowie der Geschichte von bleibendem Wert sind. Auch sollen Archive den Zwecken der Gesetzgebung, Verwaltung oder Rechtsprechung dienen oder der Sicherung berechtigter Belange Betroffener oder Dritter.

Archivwürdig sind weiterhin Unterlagen, die aufgrund von anderen Rechtsvorschriften oder zur Rechtswahrung dauernd aufbewahrt werden müssen.

Nach dem Gesetz umfasst die Archivierung die Aufgabe, archivwürdige Unterlagen nach fachlichen Gesichtspunkten zu erfassen, zu übernehmen, als Archivgut dauernd zu verwahren, zu sichern, zu erschließen, aufzubereiten und für die Benutzung bereitzustellen. In Uetersen Fehlanzeige. Und dabei gab es alleine im vergangenen Jahr zwei krasse Beispiele, deren Auswirkungen mithilfe eines anständig geführten Archivs schnell hätten aufgeklärt werden können: Zum einen verschwanden 2015 durch städtische Entsorgung bis zu 150 Grabplatten aus dem Cäcilie-Bleeker-Park (wir berichteten). Jetzt musste die Politik im Rat der Stadt beschließen, mehrere Tausend Euro zu Verfügung zu stellen, um extern prüfen zu lassen, welchen Schaden es tatsächlich geben hat. Ein Archiv hätte dabei bestens und vor allem kostenlos geholfen.

Weiteres Beispiel: Schüler des LMG hatten aufgedeckt, dass Adolf Hitler möglicherweise noch immer Ehrenbürger der Stadt war. Dokumente, die diese Behauptung widerlegen konnten, waren nicht auffindbar. Also musste die Ratsversammlung im Dezember ran und diese Peinlichkeit durch (nochmaligen?) Beschluss korrigieren.

Ein Archivwesen ist sinnvoll, weil es dauerhaft hilft, Fragen zu beantworten. Fragen der Politik, der Verwaltung aber auch Dritter.

Eine Stadt ohne Archiv kann sich gegen Behauptungen Dritter kaum zur Wehr setzen. Sie wird von Versäumnissen der Vergangenheit immer wieder eingeholt und nimmt unter Umständen Schaden. Ohne ein Archiv verblasst zudem die Vergangenheit, die eigene Geschichte wird zunehmend intransparent.

2016 ist noch jung, die Politiker sollten daher noch voller Tatendrang sein und könnten jetzt endlich auf den Weg bringen, was immer wieder Thema war: die Einrichtung eines Stadtarchives. Bislang findet die lückenlose Geschichtsschreibung Uetersens im 19. Jahrhundert ein plötzliches Ende. Bis dahin war das Kloster für die Dokumentation der Ereignisse zuständig.

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