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Nabu Uetersen legt nach : Windenergie: Diese Alternativen schlagen die Naturschützer vor

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Roland Dilchert vom Uetersener Nabu-Ortsverein „Elbmarschen“ legt in Sachen Windkraftkritik nach. Seiner Ansicht nach tragen Windkraftanlagen nur in geringem Maß zur Energiewende bei.

shz.de von
erstellt am 21.Feb.2017 | 16:15 Uhr

Uetersen | Mit Windkraft lasse sich nach wie vor viel Geld verdienen, doch zur Energiewende leiste sie kaum einen Beitrag, sagt Roland Dilchert vom Uetersener Nabu-Ortsverein „Elbmarsch“. Er hat nun einen Forderungskatalog vorgelegt, der Alternativen zur an manchen Orten umstrittenen Windkraftenergiegewinnung,  so auch in Uetersen, aufzeigen soll. 

Im  Westen der Rosenstadt, so Dilchert, liefen die vielen durchziehenden Vögel Gefahr, von den Flügeln der sich drehenden Rotoren zerhackt zu werden. Dilchert fordert alle, die die verordnete Energiewende ernst nehmen, auf, Energie zu  sparen. Und vom Gesetzgeber verlangt er klare Gesetzesvorgaben, die zur Entwicklung energiesparender Technologien zwingen. Deutschlands Industrie würde dabei nicht verlieren, sondern mit exportierbarer Methodik insgesamt gewinnen, sagt Dilchert. Der Nabu-Mann appelliert zudem dafür, die Erdwärme stärker als bislang zu nutzen. „Wer auf den Mond fliegt, kann auch diese Wärme in nutzbare Energie umwandeln. Das brächte sicherlich weit mehr, als die spärlichen Prozente, die die Windkraft über die Riesenräder insgesamt und jeweils beitragen kann“, so der Uetersener Nabu-Vertreter. Die Erdwärme könnte die Energieproduktion der Windräder überflügeln, ohne Vögel zu zerstückeln.

Sonnenenergie der Wüstenzonen der Erde nutzen

Weiter sei es an der Zeit, die immense Sonnenenergie der Wüstenzonen der Erde zu nutzen und den Fokus entsprechend auf diese Technologie zu richten. Dilchert: „Es werden sich schon Verfahren entwickeln lassen, diese Energie in transportable Form zu bringen.“ Dilchert spricht sich zudem für die dezentrale Windkraftnutzung in windhöffigen Regionen aus. Seine Vorstellung von Symbiose: Das drei Meter hohe Windrad auf der einen Seite des Daches, auf der anderen Seite singt die Amsel. Das sei „ein Teilbeitrag, der sich summiert“. Er könnte diese Haushalte alltagsenergetisch weitgehend autark machen. Auch hier werde viel zu wenig geforscht.

Es gebe inzwischen mehrere andere Techniken, mit denen Windenergie auch großtechnisch genutzt werden könne, ohne fliegende Tiere zu zerschreddern − angefangen  bei den Vertikalachs-Rotoren und endend bei den Trichteranlagen. Diese Anlagen seien zwar  im Vergleich zu den „Riesenrädern“   weniger effizient, schonten durch ihre gedrungenere Bauform aber  neben  Vögeln auch das Landschaftsbild und die Anrainer, die sich  intakte Landschaften wie in Uetersen und Umgebung zum Leben wünschten.

Technologie der Energiespeicherung werde zu wenig vorangetrieben

Enorme Mengen an Energie lieferten auch Gezeitenkraftwerke. Und zwar schon deshalb, weil sie bei ablaufendem und auflaufendem Wasser, also fast immer, Energie erzeugen könnten und zwar in solchen Mengen, dass Windräder dagegen wie Zwerge wirkten, sagt Dilchert.

Nach wie vor unzureichend vorangetrieben werde nach Ansicht des Nabu-Mannes die Technologie der Energiespeicherung. 295 Millionen Euro seien 2015 als Entschädigungszahlungen für Strom nur aus Schleswig-Holstein  fällig geworden, der von den Netzbetreibern nicht habe abgenommen werden können. Dilchert bezieht sich dabei auf einen   gemeinsamen Bericht des Energiewendeministeriums in Kiel sowie des Netzbetreibers Tennet und der Schleswig-Holstein Netz AG, veröffentlicht in  einem Zeitungsbericht. Erste Patente für Latentwärmespeicher seien bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vergeben worden.  Dilchert: „Es ist  wirklich traurig, dass die Weiterentwicklung  von Energiespeicherungsmodellen nicht schneller vorangeschritten ist. Jetzt bräuchten wir sie dringend. Hier sollte die Politik nachhaltig aktiv werden.“

Windkraft: So viele Vögel werden getötet

Professor Martin Kraft von  der Uni Marburg äußert sich zu der Frage, wie viele Vögel von Windkraftanlagen erfasst und getötet werden: „Bisher konnten bei unseren Zugvogelerfassungen im Umfeld von 40 hessischen Windenergieanlagen (WEA) 113 Vogelarten und 3507 Kollisionsopfer mit an Massenzugtagen mit bis zu 20 Opfern pro Stunde (40 WEA 0,5 Individuen pro Stunde und Anlage) registriert werden.“ Kraft ist Ornithologe und Privatdozent an der Philipps-Universität Marburg  (Ornithologie und Ökologie).  Zudem  ist er Vorsitzender des Marburger Instituts für Ornithologie und Ökologie.  

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