Flüchtlingshilfe : Willkommen im Café „WIR“

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Wie können ehrenamtlich tätige Bürger Flüchtlinge integrieren? Vor dieser Frage stehen Menschen in vielen Städten und Gemeinden. Auch in Uetersen arbeiten Bürger an einem Integrationskonzept.

shz.de von
22. Januar 2015, 18:31 Uhr

Die Gemeinde Rellingen geht mit gutem Beispiel voran. Dort leben rund 60 Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Albanien, dem Iran und dem Irak. In jedem Monat kommen etwa acht Asylbewerber dazu.

Das Rellinger Rezept: Die Gemeinde verknüpft Ehren- und Hauptamt sinnvoll. Im Mai gründete sich ein Runder Tisch „Asyl Rellingen“. Im Oktober stellte die Kommune eine Ehrenamtslotsin mit zehn Wochenstunden ein und finanziert seither in der Verwaltung weitere zehn Stunden pro Woche. Kosten: jährlich 16500 Euro.

Die Diplom-Sozialpädagogin Kerstin Riedel hat als Mitarbeiterin des Diakonievereins Migration in Pinneberg Erfahrung mit der Flüchtlingsbetreuung. Als Ehrenamtslotsin koordiniert sie in Rellingen fast 40 Bürger. Innerhalb der vergangenen drei Monate hat die Flüchtlingshilfe dadurch eine strukturierte Form angenommen.

Geselliger Höhepunkt ist das Café „Willkommen in Rellingen“ (WIR) im Gemeindehaus an der Kirche. Es öffnet an jedem ersten Mittwoch eines Monats von 15 bis 17 Uhr. Die ehrenamtliche Leiterin Elisabeth Bolle und ein achtköpfiges Team sorgen für Kaffee und Kuchen. Im Januar erschienen rund 50 Gäste, Helfer und Flüchtlinge.

Riedel hält mittwochvormittags eine Sprechstunde im Rathaus. Der pensionierte Finanzbeamte Rolf Vossemer unterstützt sie in organisatorischen Fragen. Er hat den Überblick über die Arbeitsgruppen: Etwa zwölf Helfer sind für die Begrüßung der Neuankömmlinge zuständig. Sie überreichen ihnen Willkommenspakete und zeigen ihnen an den ersten Tagen die günstigen Einkaufsmöglichkeiten. Zwei bis drei Bürger kaufen regelmäßig für das Willkommenspaket ein. Für jede Unterkunft gibt es Kontaktpersonen, die sich um die Bewohner kümmern. Aktive und pensionierte Lehrerinnen bieten Sprachkurse an. Vossemer verwaltet ein Spendenlager im Rathaus in einer ehemaligen Hausmeisterwohnung. Es ist mittwochs für fünf und sonnabends für zwei Stunden geöffnet. Abgesehen davon wurden Kooperationen mit Sportvereinen und der Gemeindebücherei ins Leben gerufen. Eine Informationsbroschüre für Flüchtlinge ist in Arbeit. Riedel zieht nach den ersten drei Monaten eine gute Bilanz: „Es herrscht eine besonders positive Stimmung in der Bevölkerung, und viele Rellinger haben ein Herz für Flüchtlinge“, sagt sie.

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