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Uetersener Nachrichten

19. Oktober 2017 | 14:41 Uhr

Zukunftsfrage : Wie viel Bücherei bleibt?

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Die SPD möchte die Gemeindebücherei möglicherweise schon vom kommenden Jahr an ausschließlich als Schulbücherei und unter der Leitung einer ehrenamtlichen Kraft weiterführen. So jedenfalls steht es in einem Antrag, der heute Abend erstmals öffentlich beraten werden soll. Im Dorf sorgt der Vorstoß seit Tagen für empörte Reaktionen. Vor allem Eltern und Lehrer fürchten um die Qualität der Einrichtung, die noch ein Angebot für alle Altersgruppen vorhält. Gestern versuchte SPD-Fraktionschef Walter Lorenzen deshalb, die Wogen zu glätten.

shz.de von
erstellt am 29.Aug.2012 | 20:30 Uhr

Die Gemeindebücherei ist das Reich von Jutta Kaufmann. Die Appenerin ist gelernte Buchhändlerin. 20 Jahre lang arbeitete sie ehrenamtlich in der mit 10000 Büchern ausgestatteten Leihbibliothek, dann bekam sie einen Vertrag über 19,7 Stunden, wurde damit Angestellte der Gemeinde. Im kommenden Jahr wird sie 65 Jahre alt und könnte in den Ruhestand gehen. Für die SPD der richtige Zeitpunkt, eine Debatte über die Zukunft der Leihbücherei anzustoßen. „Wir haben den Antrag gestellt, weil immer die einhellige Meinung herrschte, frei werdende Stellen nur dann wieder zu besetzen, wenn die Gemeindevertretung dies als unbedingt notwendig erachtet“, so SPD-Fraktionschef Walter Lorenzen.

Was für Kritiker wie Appens Schulleiter Bernd von Tiesenhausen nach fertiger Meinung und Parteilinie klingt, möchte Lorenzen lediglich als Grundlage für eine ergebnisoffene Diskussion verstanden wissen. Seine Fraktion werde sich nicht sperren, wenn die Gemeindevertretung beschließe, alles beim alten zu belassen. „Der Antrag richtet sich weder gegen die Einrichtung noch gegen Frau Kaufmann“. Der Vorschlag sei zwar sehr locker, aber mit guten Absichten formuliert worden.

Schulleiter von Tiesenhausen machte gestern im UeNa-Gespräch deutlich, wie wichtig die Bücherei für die Schule ist. „Unsere Zusammenarbeit ist sehr eng. Frau Kaufmann stimmt sich mit uns ab, richtet sich bei ihren Bestellungen nach den Wünschen der Schule“, sagte der leitende Pädagoge. Gleichzeitig stehe sie für eine gute und qualifizierte Beratung, von der Jung und Alt gleichermaßen profitierten.

Jutta Kaufmann möchte deshalb auch die Erwachsenenbibliothek erhalten. Zu ihren Stammkunden zählen vor allem ältere Menschen und Eltern mit kleineren Kindern. „Außerdem habe ich für die Erwachsenen ein riesiges Angebot, so dass die Umsetzung des SPD-Vorschlages wie ein Geldvernichtungsprogramm wäre“, sagte sie. Viele Bürger sehen das ähnlich, wollen heute Abend die politische Debatte verfolgen. Bürgermeister Hans-Joachim Banaschak warnte vor einer Festlegung, bevor alle Fakten bekannt seien. „Wir müssen jetzt erstmal sehen, was die Büchereileitung leistet, und uns dann fragen, ob das ehrenamtlich zu bewältigen ist.“ Zwar sei die Gemeinde gehalten, sparsam zu wirtschaften, dennoch trage ein Angebot wie eine Bücherei dazu bei, das Dorf attraktiver zu machen.

Die Sitzung des Schul- und Kulturausschusses beginnt um 19.30 Uhr im Bürgerhaus. Ob es wirklich zu ersten Beratungen kommt, ist ungewiss. Durchaus möglich, dass das Thema von der Tagesordnung genommen und zunächst in die Fraktionen gegeben wird.

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