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Uetersener Nachrichten

20. August 2017 | 17:40 Uhr

Expertenrunde : Wie Sportler integrieren

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Landrat Oliver Stolz hat am Donnerstag die Sportvereine im Kreis Pinneberg bestärkt, sich weiter in der Integration von Flüchtlingen zu engagieren. „Danke, dass Sie sich um diese wichtige Aufgabe kümmern. Eigentlich müssten wir das tun, vor allem die Politik“, räumte er vor 65 Besuchern eines Themenabends „Sport interkulturell“ im Kreishaus ein. Doch die Kommunen seien vollauf mit der Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge beschäftigt. Die Integration beginnt aber erst danach.

Auf Einladung der Kreisjugendpflege und des Kreissportverbands erläuterten neun Redner die Chancen und Klippen der Flüchtlingsarbeit in den Sportvereinen. Diese könnten schneller als das Jugendamt Kontakt zu minderjährigen Flüchtlingen aufbauen, vermutete der Jugendamtsleiter Christoph Helms. Seine Mitarbeiter sind zwar für 115 unbegleitete minderjährige Ausländer (UMA) zuständig; die Zahl könnte 2016 um 250 bis 300 Personen ansteigen. Die Betreuung leiste aber zurzeit hauptsächlich das Ehrenamt. Geeignetes Personal zu finden sei schwierig. Darüber hinaus leben im Kreis Pinneberg rund 625 Kinder und Jugendliche in Flüchtlingsfamilien. Damit ist fast ein Viertel der 3080 Asylsuchenden noch nicht volljährig.

Die Geschäftsführer von drei Vereinen berichteten von ihren Erfahrungen in der Integrationsarbeit. Der VfL-Pinneberg nahm 55 Flüchtlinge als Mitglieder auf, erstellte ein Programmheft in Deutsch, Englisch und Arabisch, richtete eine Sportkleiderbörse aus und arbeitet eng mit dem Diakonieverein zusammen. Wichtig ist für Geschäftsführer Uwe Hönke, nicht Flüchtlingsgruppen zu gründen, sondern die Asylsuchenden in bestehende Kurse aufzunehmen. Die Übungsleiter benötigten aber Schulungen, um mit den neuen Gruppenstrukturen umgehen zu können.

Der Sportverein Blau-Weiß 96 Schenefeld lädt zweimal wöchentlich zu einem Willkommens-Café und zu einem offenen Fußballprojekt ein. Dort kickten 20 bis 25 Männer, auch Flüchtlinge, berichtete Vereins-Chef Frank Böhrens. Im Januar soll ein Bewegungsangebot für Frauen starten. Auf Antrag übernimmt der Verein den Mitgliedsbeitrag.

Mark Müller, Chef des Elmshorner MTV, berichtete, dass 40 bis 50 junge Leute beim Mitternachtssport freitags von 22 bis 1 Uhr an der Boje-C.-Steffen-Schule Fußball spielen. Der Hamburger Steuerberater Günter Quast wies darauf hin, dass die Unterstützung von Flüchtlingen selten ein Satzungszweck von Sportvereinen ist. Sie könnten aber ihre Gemeinnützigkeit verlieren, wenn sie Geld nicht satzungsgemäß ausgäben. Allerdings hat das Bundesfinanzministerium die Regelungen bereits gelockert.

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erstellt am 04.Dez.2015 | 20:25 Uhr

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