zur Navigation springen
Uetersener Nachrichten

17. Oktober 2017 | 10:10 Uhr

Diskussion : Wie Flüchtlinge zu kämpfen haben

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Etwa 170 Flüchtlinge leben in Uetersen, Tornesch sowie den zehn Dörfern der Ämter Moorrege und Haseldorf. Das entspricht 0,3 Prozent der Bevölkerung, die der Volkszählung von 2011 zufolge fast 53000 Menschen umfasst. Die meisten Flüchtlinge in dieser Region stammen aus Syrien. Menschen aus Afghanistan bilden die zweitstärkste Gruppe, gefolgt von Serben.

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2014 | 19:50 Uhr

Sie genießen kein dauerhaftes Aufenthaltsrecht.

106 der fast 170 Flüchtlinge haben Asyl beantragt, es aber noch nicht erhalten. 43 sind geduldet und warten auf ihre Abschiebung. 19 wurde eine befristete Aufenthaltserlaubnis erteilt, die der Staat aus familiären, völkerrechtlichen oder anderen Gründen gewähren kann. Diese Zahlen erhob das Amt für soziale Dienste im Rathaus Tornesch am 31. März. Es versorgt die Flüchtlinge in Uetersen, Tornesch sowie den Ämtern Moorrege und Haseldorf.

Wie geht es diesen Menschen? Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Luise Amtsberg aus Kiel, die Sprecherin der Grünen im Kreis Pinneberg, Resy de Ruijsscher, und der Geschäftsführer des Diakonievereins Migration im Kreis Pinneberg, Ludger Fischer, besuchten kürzlich einen Sprachkursus im Rahmen des „Starterpakets für Flüchtlinge in Schleswig-Holstein“ (STAFF.SH) an der Volkshochschule Pinneberg. „Sie erhalten nur wenige Stunden, sind aber hoch motiviert“,

berichtete de Ruijsscher anschließend bei einer Diskussion über Flüchtlingspolitik im Restaurant Roses auf Einladung der Uetersener Grünen. Doch die Nöte der Sprachkursteilnehmer kamen Amtsberg leider allzu bekannt vor. „Wie kriege ich meine Familie aus Syrien? Wie kann ich aus dieser schrecklichen Unterkunft raus? Wie finde ich Arbeit?“, lauteten die Fragen. Die Flüchtlingspolitische Sprecherin ihrer Bundestagsfraktion bezeichnete es als „sehr frustrierend“, dass sich die Situation seit Jahren nicht verändere. „Es ist eine wahnsinnige Herausforderung, sich in einer anderen Kultur zu bewegen“, sagte die 29-Jährige.

Sylvia Jacobi von der Uetersener Grünen-Fraktion begrüßte es zwar, dass Flüchtlinge in der Region dezentral untergebracht werden. Doch Fischer beklagte deren Ausgrenzung in Deutschland. Sie beziehen weniger Geld als andere Hilfsbedürftige. Nach Kenntnisstand der UeNa stehen einem Hartz-IV-Empfänger monatlich 391 Euro zu, ein Asylbewerber erhält dagegen nur 362 Euro, jeweils ohne Unterkunftskosten. Medizinisch werden Flüchtlinge nur im Akutfall behandelt. „Längerfristige Therapien fallen aus“, so Fischer. Sie dürften innerhalb der ersten neun Monate nicht arbeiten. Zudem gäbe es regulär keine Integrationsleistungen für Flüchtlinge. Sprachkurse finanziert der Staat nur für anerkannte Migranten. Das Programm STAFF für Asylbewerber sei erst auf Druck der Grünen entstanden. Land und EU finanzieren in Pinneberg zwei Kurse á 100 Stunden für ingesamt 40 Personen.

Amtsberg forderte reguläre Sprachkurse und einen legalen Einreiseweg für Flüchtlinge, etwa ein humanitäres Visum. Sie befürchtet, dass auch in diesem Sommer auf dem Mittelmeer wieder viele Menschen sterben werden, weil sie illegal auf nicht seetauglichen Booten einreisen wollen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert