Freunde und Förderer des Rosariums Uetersen : „Wertvoll ist bereits das Saatgut“

Der Vorsitzende des Vereins Freunde und Förderer des Rosariums Uetersen Gert Müller begrüßte die Bioland-Bäuerin und Vorsitzende des Vereins Saat:gut Barbara Maria Rudolf zu einem Vortragsabend über Biozüchtung von Gemüsesorten.
Der Vorsitzende des Vereins Freunde und Förderer des Rosariums Uetersen Gert Müller begrüßte die Bioland-Bäuerin und Vorsitzende des Vereins Saat:gut Barbara Maria Rudolf zu einem Vortragsabend über Biozüchtung von Gemüsesorten.

Vortrag der Bioland-Bäuerin Barbara Maria Rudolf auf Einladung der Rosenfreunde Uetersen.

shz.de von
14. März 2018, 13:15 Uhr

Dass sich bereits beim Saatgut entscheidet, welche Landwirtschaft betrieben wird und dass es eine ökologische Landwirtschaft nicht ohne fruchtbares, vielfältiges und ökologisches Saatgut geben kann, erfuhren die Teilnehmer eines Vortragsabends, zu dem der Verein Freunde und Förderer des Rosariums Uetersen eingeladen hatte. Vorsitzender Gert Müller begrüßte als Referentin Barbara Maria Rudolf von Christiansen’s Biolandhof, Vorsitzende des Vereins Saat:gut und Sprecherin des Bundesfachausschusses Pflanzenzüchtung Bioland. Etwa 40 Interessierte waren zu dem Vortrag in das Parkhotel Rosarium gekommen und erfuhren Wissenswertes über die Biozüchtung von Gemüsesorten und Weiterentwicklung der regionalen Vielfalt.

Ökologische Pflanzenzüchtung beruhe auf dem Respekt vor dem Leben und dem Vertrauen in die Kreisläufe der Natur, so die Bäuerin, die den Demonstrationsbetrieb für Ökolandbau Christiansen’s Biolandhof mit Heinz-Peter Christiansen in dem kleinen Ort Silberstedt bei Schleswig betreibt. Dort werden auf etwa 100 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche Möhren, Kartoffeln, Kohlgemüse, Kräuter, Futtergetreide und Leguminosen angebaut. Eine Spezialität des Hofes mit seinen mehr als 20 verschiedenen Gemüsekulturen ist die „Moorrübe“. Sie zeichnet sich durch einen besonders süßen Geschmack aus, den sie dem anmoorigen Boden, auf dem sie auf Christiansen’s Hof wachsen kann, verdankt.

Geachtet wird auf die Rhythmen der Natur

„Wir achten auf die Zyklen und Rhythmen der Natur, setzen auf einen Landbau, der auf natürlichen Kreisläufen beruht, arbeiten ohne Gentechnik und ernten unsere Produkte in sorgfältiger Handarbeit“, berichtete Rudolf und beschrieb die nachhaltige Kooperation mit umliegenden landwirtschaftlichen Betrieben: Mit dem Getreide ihres Hofes werden Tiere der Bioland- und Demeter-Höfe in der Nachbarschaft gefüttert. Dafür erhält Christiansen’s Biolandhof Mist als natürlichen Dünger für die eigenen Felder.

Da die Produktion hochwertigen Bio-Gemüses hochwertiges Saatgut erfordert, wurde auf Christiansen’s Biolandhof 2006 damit begonnen, eigenes Saatgut zu vermehren. Denn wer Saatgut braucht, hat kaum eine Wahl. Wenige Konzerne beherrschten, so die Referentin, den Weltmarkt. In deren Laboren entstünden künstlich hochgezüchtete Gemüse- und Obstsorten, die chemisch behandelt und häufig mit gentechnischen Methoden verändert würden. Bereits die Samen der ersten Ernte eigneten sich nicht mehr zur erneuten Aussaat. „Die Qualität der Pflanze steckt im Samen. Hochwertiges biologisches Saatgut ist daher die Grundlage für eine kräftige Ernte und somit für eine nachhaltige gesunde Ernährung. 2009 haben wir ein eigenes Züchtungsprojekt samenfester Sorten für Blumenkohl, Brokkoli und Möhren gestartet“, betonte Rudolf.

Sie ist Vorsitzende des Fördervereins

Getragen wird das Projekt durch den Förderverein Saat:gut, dessen Vorsitzende die 56-jährige Bioland-Bäuerin ist und dem mehr als 200 Landwirte, Saatgut-Händler, Pflanzenzüchter, Großhändler, Einzelhändler und Privatpersonen angehören. Sie eint das Interesse, die ökologische Pflanzenzüchtung zu fördern und der Öffentlichkeit den freien Zugang zu Kulturpflanzen zu erhalten. Denn über das Sortenrecht hinaus versuchen Konzerne, Patentrechte auf Pflanzensorten zu erheben. „Bauern und Gärtnern soll verboten werden, die Saat ihrer eigenen Ernte zu säen. Wir wollen auf natürlichem Wege wertvolle, samenfeste Gemüsesorten züchten, Landwirte, Gärtner und Obstbauern zum Mitmachen animieren und ein Kundenbewusstsein für die Problematik und Chancen der Züchtungsarbeit schaffen“, so Rudolf.

Sie machte an Beispielen von Blumenkohl- und Brokkoli-Pflanzen deutlich, dass die ökologische Züchtung einer marktfähigen, samenfesten Sorte ein langwieriger und komplizierter Prozess ist. „Der letzte Schritt ist die Anmeldung beim Bundessortenamt. Erst nach etwa 13 Jahren Arbeit haben wir eine neue, samenfeste Gemüsesorte“, sagte die Vortragende. Nach ihrem Vortrag beantwortete sie Fragen rund um den ökologischen Landbau.
 

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