zur Navigation springen

Menschenwürdige Pflege : Wer will schon billig gepflegt werden?

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Was haben die aktuellen Initiativen aus Bund und Land von der Pflegezeit bis zur Aufwertung der Pflegeberufe bereits gebracht oder was sollen sie bewirken? Diese Frage erörterten gestern der SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann, die pflegepolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Birte Pauls und Hans Peter Stahl, Sozialexperte der SPD-Kreistagsfraktion. Weiter brachten sich MdL und SPD-Kreisvorsitzender Thomas Hölck, AfA-Kreisvorsitzender Norbert Vahl sowie „Haus am Rosarium“-Einrichtungsleiterin Eva Buban in den Nachmittag ein. Austragungsort der Referate, Feststellungen und Bekundungen war das Senioren- und Pflegeheim „Haus am Rosarium“. Rund 30 Besucher, zum Teil Mandatsträger aus Senioren(bei)räten der verschiedenen Ebenen im Land, verfolgten die Debatte.

shz.de von
erstellt am 09.Feb.2015 | 22:48 Uhr

Kurz und bündig: Es geht um Geld. Um viel Geld. Denn gute Pflege will bezahlt werden. Und es geht um Wertschätzung derer, die pflegen. Das festgestellte Dilemma ist, dass es schon in wenigen Jahren eine Versorgungslücke gibt, wenn am Status quo festgehalten wird. 300000 Pflegende fehlen schon in sechs Jahren. 2050 werden es 500000 sein, informierte Birte Pauls.

Rossmann, der die Diskussion eröffnete, informierte darüber, dass der Bundestag mit der Verabschiedung des Pflegestärkungsgesetzes Ende 2014 den ersten Schritt einer umfassenden Pflegereform eingeleitet habe. Zum Beispiel sei der Beitrag der Pflegeversicherung um 0,5 Prozentpunkte gestiegen. Immerhin mache das einen Betrag von sechs Milliarden Euro aus. Ein Teil davon stünde als anwachsender Fonds für spätere Herausforderungen zur Verfügung, ein anderer für sofortige Leistungsverbesserungen. Auf Landesebene sei der Studiengang Pflegewissenschaften eingeführt worden, was zur Attraktivitätssteigerung dieses Sektors führen solle, so die Landtagsabgeordnete. Zudem habe die Landesregierung den von vielen unhaltbaren Zustand beendet, nachdem die Pflegeschüler einen Teil ihrer Ausbildung selbst bezahlen.

Norbert Vahl geht hier weiter. Nach ihm müsse sogar eine Ausbildungsvergütung gezahlt werden. Zudem müsse eine bessere Bezahlung und berufliche Übergangsmöglichkeit von der Altenpflege zur Krankenpflege erfolgen, damit eine Altenpflegerin auch für die Arbeit im Krankenhaus qualifiziert sei und wechseln könne.

Der Bürokratie (Dokumentation) müsse auf den Zahn gefühlt werden. Und der Pflegebedürftigkeitsbegriff müsse endlich eine andere Definition erfahren. Die Definition wird seit Einführung der Pflegeversicherung (1995) immer wieder kritisiert. Nach Ansicht der Kritiker sind Defizite bei der Versorgung pflegebedürftiger Menschen vielfach auf den zu engen Begriff der Pflegebedürftigkeit zurückzuführen, da dieser rein körperlich ausgerichtet ist. Dadurch würden wesentliche Aspekte (Kommunikation, soziale Teilhabe) ausgeblendet und der Bedarf an allgemeiner Betreuung, Beaufsichtigung und Anleitung, insbesondere bei Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz, zu wenig berücksichtigt.

Hans-Peter Stahl freute sich, dass es gelungen ist, Pflegestützpunkte vor Ort installiert zu haben. Immerhin gebe es zwei im Kreis. Das sei allerdings aufgrund der Bevölkerungsanzahl (300000) viel zu wenig. Hier müsse seitens des Landes nachgebessert werden. Er bedauerte, dass die Sozialstationen vor Ort aus Kostengründen schließen mussten. Das wäre eine gute Vor-Ort-Versorgung gewesen.

Eva Buban wünschte sich von der Politik, dass die Berufe, die von Wochenendarbeit gekennzeichnet seien, eine neue Aufwertung erfahren, auch steuervergünstigend.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert