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Einwohnerversammlung : Wer stoppt den Ärzteschwund?

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Lässt sich die Ärzteflucht aus Uetersen noch umkehren? „Die Betroffenheit und Unsicherheit der Uetersener Bürger ist größer geworden, nachdem bekannt wurde, dass Fachärzte die Stadt ohne Ersatz verließen“, sagte Uwe Staack, Vorsitzender des Seniorenbeirats, während einer Einwohnerversammlung am Mittwoch. Rund 90 Bürger hatten sich in der Kleinen Stadthalle versammelt, um über die „Medizinische Versorgung in Uetersen“ zu sprechen.

shz.de von
erstellt am 01.Mär.2012 | 20:56 Uhr

Wie die Wirtschaftsbeauftragte Meike Koschinski ausführte, zogen während der vergangenen Jahre vier Fachärzte ihre Praxen aus der Stadt ab. Ein Psychiater wechselte nach Pinneberg, ein Gynäkologe nach Quickborn, ein Allgemeinmediziner und ein Hals-Nasen-Ohrenarzt nach Elmshorn.

„Das ist in der Regel eine betriebswirtschaftliche Entscheidungen“, so Maike Koschinski. Nach Aussage von Marco Dethlefsen, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Schleswig-Holstein, rechnen gerade spezialisierte Ärzte damit, in größeren Städten mehr Patienten zu finden. Zudem sei der Anteil der lukrativen Privatversicherten in Großstädten meist höher als auf dem Land. Trotzdem sieht Dr. Marc Dupas, KV-Abgeordneter, Notdienstbeauftragter des Kreises Pinneberg sowie Allgemeinmediziner, keinen Grund zur Sorge. „Ich glaube, die Versorgung in Uetersen ist generell nicht schlecht“, sagte er. Immerhin gibt es zwölf Praktische, 13 Fach- sowie 13 Zahnärzte und Kiefernorthopäden. Für Fachärzte ließen sich problemlos Nachfolger finden. Eine neue Regelung erschwere es ihnen seit Jahresbeginn auch, mit dem Arztsitz wegzuziehen. Sie müssen dafür nachweisen, dass sie an einem neuen Ort mehr als in Uetersen gebraucht werden. Ärzte dürfen aber privat inzwischen außerhalb wohnen.

Doch der demografische Wandel könnte bald zu einem Engpass an Hausärzten führen. Meike Koschinski zufolge sind bereits 30 Prozent älter als 60 Jahre. „Rein rechnerisch ist zu erwarten, dass in den nächsten Jahren vier Ärzte aus Altersgründen ihre Tätigkeit aufgeben“, sagte sie.

Es müssten Anreize geschaffen werden. Das freie Unternehmertum sei gefragt, entsprechende Immobilienkonzepte zu entwickeln. Staack sieht aber auch die Kommunen in der Pflicht. Der Besucher Jörg Salpeter schlug vor, dass die KV und die Stadt Fachärzten bei der Einrichtung von Zweitpraxen finanziell unterstützen sollen. Meike Koschinski empfahl, dass die Stadt mit einem Steckbrief auf der KV-Internetseite um Ärzte werben soll. Der Seniorenbeirat riet zur Einrichtung eines Fahrdienstes zu Fachärzten.

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