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Uetersener Nachrichten

20. Oktober 2017 | 00:45 Uhr

Schicksal : Wer sind meine leiblichen Eltern?

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Als Baby wurde Katharina, heute 30, auf einer Mülltonne ausgesetzt. Dort fand man sie am Morgen des 3. August 1983, leise weinend und in ein blutiges Handtuch gewickelt – inmitten der dörflichen Idylle der Marschgemeinde Seestermühe. Lange lag sie dort wohl nicht, als die 17-jährige Stefanie sie fand. Ein Arzt schätzte das Neugeborene auf nicht älter als zwölf Stunden.

shz.de von
erstellt am 26.Feb.2014 | 18:35 Uhr

Das Mädchen wusch den Winzling und wickelte ihn warm ein. Stefanies Eltern verständigten die Polizei und brachten das Neugeborene ins Krankenhaus. Das Baby auf der Mülltonne machte damals Schlagzeilen. Lokale und überregionale Zeitungen berichteten.

Schon zwei Tage später wendete sich für das Findelkind alles zum Guten: Es fanden sich Adoptiveltern, das Baby bekam den Namen Katharina und wuchs behütet auf – mit zwei älteren Geschwistern und recht früh auch mit dem Wissen um sein Schicksal. Wie hätte man das auch geheim halten sollen?

Adoptiert worden zu sein, das war für Katharina, so sieht sie es heute, nichts Besonderes. Das empfand sie nie als Makel. Und doch war da immer der Gedanke an ihre Herkunft, an ihre leiblichen Eltern. 2012 lernte die Kunststudentin die „stern“-Reporterin Sonja Hartwig kennen, der sie ihre Geschichte anvertraute: „Jeden Tag denke ich daran, wo ich herkomme. Da ist aber nicht mal ein Mensch, da ist nur ein schwarzer Fleck.“

Im Sommerurlaub entstand 2013 die Idee, gemeinsam die Vergangenheit wieder aufzurollen. Sie suchten in Seestermühe und fanden Menschen, die sich erinnerten – unter anderem Stefanie, die das Neugeborene vor gut 30 Jahren entdeckte. Eine Anwohnerin hatte am frühen Morgen des 3. August 1983 ein fremdes Auto wegfahren sehen, vermutlich einen roten Opel Kadett.

Im Haus des damaligen Seestermüher Bürgermeisters Otto Schinkel, der ein Spendenkonto für das Findelkind eröffnet hatte, rief am 6. August eine junge Frau an. Wollte sie sich nach dem Wohlergehen des ausgesetzten Babys erkundigen? Schinkel, der nicht zugegen war, glaubt daran. Er hoffte auf einen weiteren Anruf. Doch die junge Frau meldete sich nicht mehr.

Weitere Hinweise auf die Identität von Katharinas Mutter fanden sich bisher nicht. Hatte sie die Schwangerschaft verheimlicht und ihr Kind nach der Geburt in einer Kurzschlussreaktion ausgesetzt? In medizinischen Fachkreisen sind ähnliche Fälle bekannt.

Der Wunsch, der leiblichen Mutter gegenüber zu treten, und die quälende Frage nach dem „Warum?“ brachten Katharina dazu, sich an die Öffentlichkeit zu wenden. Der „stern“ druckte ihre Geschichte ab, unterstützte ihre Suche mit einem Facebook-Auftritt. Auch in der ARD-Talksendung „Beckmann“ bekam die Studentin, die ein Findelkind war, ein Forum. Jetzt nimmt ganz Deutschland Anteil an ihrem Schicksal.

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