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Ausserordentliche Hauptversammlung bei der Uetersener Eisenbahn : Wer ist der unbekannte Bieter?

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Eigentlich ist sie keine große Nummer mehr, die Uetersener Eisenbahn AG. Doch es gibt sie noch. Und es gibt auch Werte zum Grundkapital von 210000 D-Mark, so zum Beispiel die rund fünf Kilometer lange Bahntrasse zwischen Uetersen und Tornesch.

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2013 | 18:39 Uhr

Der derzeitige Aktienwert beläuft sich auf 1,2 Millionen Euro. Zumindest ist das einem gerichtsfesten Wertgutachten zu entnehmen, das im Auftrag des Hauptaktionärs, der Kreisverkehrsgesellschaft in Pinneberg (KViP), in Auftrag gegeben wurde. Und zwar vor dem Hintergrund, als Hauptaktionär, der 95 Prozent aller Aktien hält, den so genannten Minderheitsaktionären ein für diese verpflichtendes Angebot unterbreiten zu können. Rund 700 alte Aktien zum Nennwert von 300 D-Mark gibt es, die KViP will für jede Aktie 1.734,84 Euro bezahlen. Einige Aktien belaufen sich auf einen Nennwert von 1200 D-Mark. Der Kaufpreis für diese entspricht dem Grundangebot (6939,25 Euro).

Die KViP hat gemäß des Aktiengesetzes ein Recht auf Übertragung dieser fünf Prozent der Aktien. Das heißt: Die Minderheitsaktionäre müssen dem Hauptaktionär ihre Papiere überschreiben. Das soll am 30. Oktober geschehen. Im Rahmen einer außerordentlichen Hauptversammlung aller Aktionäre im Uetersener Hof. Welches Interesse hat die KViP, obwohl sie schon jetzt bei der Uetersener Eisenbahn schalten und walten kann, wie sie es möchte, die restlichen Aktien zu kaufen? Dazu Geschäftsführer Hans-Jürgen Lamla: „Wir sparen damit Geld“. Unter anderem müsse dann nicht mehr zu einer Hauptversammlung eingeladen werden. Alles lasse sich, wenn man sich selbst gehöre, einfacher regeln. Wenn die Uetersener Eisenbahn AG in Zukunft nur 5000 Euro im Jahr spare, mache das in 20 Jahren auch 100000 Euro.

Ist das jedoch tatsächlich der einzige Grund? Zweifel sind angebracht. Denn: Wer sagt, dass die Eisenbahntrasse auf ewig bestehen bleiben muss muss? Kann der Grund und Boden nicht später einmal in Bauland umgewandelt werden? Die festgestellte Angemessenheit des Kaufpreises für eine Aktie könnte durch diese Überlegungen in Frage gestellt werden. Was meint der Geschäftsführer dazu? Hans-Jürgen Lamla sagt, dass ein solcher Vermerk im Grundbuch kaum zu löschen sei. Im Sinne der Trassensicherung werde dazu keine Stelle bereit sein. In 50 Jahren nicht. Dann aber darf die Frage erlaubt sein, warum es einen unbekannten Dritten gibt, der inzwischen – über ein Unternehmen aus Bremen – zu mehreren Minderheitsaktionären Kontakt aufgenommen und diesen ein höheres Angebot unterbreitet hat: 1740 Euro pro 300-Mark-Aktie. Zweifelt dieser womöglich den festgestellten Wert des Unternehmens an? Jürgen Lamla dazu: „Es gibt in Deutschland rund 60 so genannte Berufskläger. Die kaufen auch Aktien anderer Firmen, um damit Geld zu verdienen. Bei uns haben sie aber keine Chance. Denn wir sind ein Unternehmen der öffentlichen Hand. Wir dürfen überhaupt nicht mehr bezahlen als von unabhängiger Seite festgestellt.“ Vielleicht wisse das der Aufkäufer nicht. Oder er habe sich nicht richtig über die Uetersener Eisenbahn informiert, meine vielleicht, es sei ein vermögendes Unternehmen.

Lamla kann sich aber gut vorstellen, dass der Unbekannte am 30. Oktober auftauchen und versuchen werde, „Musik“ zu machen. „Das einzige, was er und was auch andere Kleinaktionäre machen könnten sei, den Ablauf der Hauptversammlung zu verzögern. Denn jeder Aktionär genieße Rederecht und könne darin nicht behindert werden. Er sei sich aber sicher, dass der Aufkäufer auf Granit beißen und sich die KViP mit ihrem Vorhaben durchsetzen werde. „Wenn nicht diesmal, dann 2014“, so Lamla. Die nicht-öffentliche Aktionärsversammlung am Tornescher Weg beginnt um 18 Uhr.

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