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Korruptionsvorwürfe : Wer baut jetzt Elmshorn um?

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Kaum eine andere Stadt in Schleswig-Holstein entwickelt sich derzeit so rasant wie Elmshorn. Stadt, Kreis, Land, Bund und Europäische Union pumpen zig Millionen in Großprojekte wie den Neubau an der Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule (ehemals Kooperative Gesamtschule Elmshorn, 36 Millionen) oder den Anbau und Fassadensanierung der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule ( 6,6 Millionen) und die Sanierung großer Teile der Innenstadt mit dem Neubau des Rathauses. Hinzu kommen zahlreiche kleinere und mittlere Bauprojekte.

shz.de von
erstellt am 13.Nov.2014 | 20:12 Uhr

Auch für sie werden die aktuellen Vorgänge in der Elmshorner Verwaltung nicht ohne Folgen bleiben. Zuständig ist der Fachbereich Gebäudemanagement, der durch die mutmaßlichen Verfehlungen der vier Mitarbeiter ins Zentrum der Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft gerückt ist. 42 Fachleute umfasst das Team, darunter Architekten, Hausmeister und Verwaltungskräfte. Sie sind zuständig für die Betreuung aller städtischen Gebäude, kümmern sich um deren Unterhaltung, planen und begleiten Sanierungen und Neubauten. „Es ist bekannt, dass die Mitarbeiter in dem Fachbereich schon lange an der Grenze ihrer Belastbarkeit arbeiten“, sagte Bürgermeister Volker Hatje.

Die Beurlaubung der mutmaßlichen Täter reißt eine Lücke, die nicht so schnell zu schließen ist. Leistungsträger seien sie, hätten Schlüsselpositionen besetzt, sagte Volker Hatje: „Wir können nicht mehr jedem alles versprechen, weil wir das möglicherweise nicht mehr halten können“, fuhr er fort. In den kommenden Tagen wollen er und weitere führende Mitarbeiter der Verwaltung ein Konzept zur Bewältigung der Krise erarbeiten.

Geklärt werden muss die Frage, welche Projekte Priorität genießen, welche unter Umständen geschoben werden können. „Die Politik lässt uns freie Hand in der Erarbeitung von Lösungen“, so der Verwaltungschef. Als sicher gilt, dass die Fortsetzung der Bauarbeiten auf dem Gelände der Erich-Kästner-Schule ganz oben auf der Liste stehen werden. „Da stehen Handwerker, die auf Anweisungen warten und weitermachen wollen“, sagte 1. Stadtrat Dirk Moritz.

Außerdem steht das Projekt unter keinem guten Stern, weshalb Verwaltung und Politik es schnellstens abschließen möchten. Zahlreiche Insolvenzen und damit verbundene Baustillstände haben dafür gesorgt, dass die Arbeiten ein Jahr hinter dem Zeitplan liegen. Größte Herausforderung ist allerdings die Innenstadtsanierung, aktuell bis 2020 durchgetaktet. Das Megaprojekt ist in der heißen Phase der Planung, zumindest die beiden beschuldigten Architekten und die Verwaltungskraft waren dabei, die Unterlagen für die Ausschreibung eines Architektenwettbewerbes zum Neubau des Rathauses fertig zu stellen.

Voraussichtlich am Montag treffen sich die Verwaltungsspitzen zum Krisengespräch. Dann sollen möglichst viele der offenen Fragen geklärt weren. Einstweilen haben Bürgermeister, Stadtrat und der Büroleitende Beamte Carsten Passig alle Hände voll zu tun, die internen Folgen des Skandals abzufedern.

Viele Kollegen stellten sich die Frage, wem sie noch vertrauen könnten, sagte der Bürgermeister. Allerdings habe die Aufdeckung gezeigt, dass die Kontrollfunktionen in der Verwaltung funktionierten. „Das ist die gute Nachricht.“

Der Bürgermeister erzählte gestern auch von seiner persönlichen Erschütterung. Als er das erste mal über die Unregelmäßigkeiten informiert worden sei, „konnte ich es einfach nicht glauben“. Es handele sich bei den Beschuldigten um „langjährige und verdiente Leute“. „Die Lehre für mich persönlich ist: Man kann sich gar nicht vorstellen, was es alles. gibt“, sagte er. Und: „Ich werde vorsichtiger!“

Volker Hatje ist seit Januar im Amt. Seitdem hatte er mit dem Großbrand in der Beethovenstraße im Sommer bereits ein großes Problem zu bewältigen. Die Entscheidung, die aktuellen Vorgänge öffentlich zu machen, habe er bewusst getroffen. „Ich habe bei meinem Amtsantritt versprochen, für mehr Transparenz in der Verwaltung zu sorgen. Und dann gehört für mich so etwas dazu.“

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