Regionalschule : Wenn Achtklässler Eltern werden

Als die Klassentür zur Pause aufgeht, warten draußen schon Mitschüler, um die Neuigkeit zu beäugen. Auf dem Schulhof bildet sich sofort Gruppen, die das Geschehen beobachten wollen. Was die Achtklässler machen, ist das Gesprächsthema in der Regionalschule Moorrege.

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26. Oktober 2011, 21:23 Uhr

Babys tragen sie auf dem Arm, die vor Freude glucksen, brüllen und auch mal rülpsen. Allerdings haben die Schüler keinen Nachwuchs bekommen. Sie nehmen an einem Projekt „Elternschaft auf Probe“ teil. Die Regionalschule organisiert das Vorhaben in Kooperation mit dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) und dem Frauentreff, beide aus Elmshorn.

14 Schüler, jeweils sieben Jungen und Mädchen, machen bei dem Projekt mit. Sie bekommen für eine Woche Puppen (Wert: 1000 Euro), die wie Säuglinge reagieren können. Jedes Baby wird von zwei Kindern betreut, inklusive dem Füttern und Wickeln. Damit sie diese Arbeit zu Hause nicht an die Eltern abgeben können, tragen sie ein mit einem Chip versehenes Armband, mit dem sie sich beim Baby an- und abmelden können. „Wir wollen, dass die Schüler ihr Leben noch einmal überdenken“, erklärt Marina Schuchardt vom SkF. Aus Gesprächen mit den Zwölf- bis 14-Jährigen wisse sie, dass es erste sexuelle Kontakte gab oder sie demnächst anstehen. Damit sind für sie auch Themen wie Verhütung und Schwangerschaft wichtig.

„Manche sind recht blauäugig“, so Sarah Hilbert-Ibsen vom Frauentreff. „Sie sehen nur, wie niedlich ein Baby sein kann.“ Während des Projekts lernen sie, dass es harte Arbeit ist, einen Säugling zu versorgen. Deswegen lernen sie nicht nur, wie ein neuer Erdenbürger ernährt wird oder was bei einer Erkrankung zu tun ist. Über Verhütung wird informiert und wo es Hilfe gibt, falls es doch zur Schwangerschaft gekommen ist.

Die Organisatorinnen hoffen, dass die Projektteilnehmer einen Plan entwickeln, wann sie ein Kind in die Welt setzen wollen und was sie vorher privat und beruflich erreicht haben möchten.

Nach Moorrege geholt hat Björn Schientek das Projekt. Er ist Präventionslehrer an der Regionalschule. Der Pädagoge organisiert Informationen für die Schüler zu den Themen Gewalt, Sucht, Drogen, Sexualität und Neue Medien. Im Rahmen seiner Zusatzausbildung stellten sich Träger mit ihren Projekten vor, so auch der Sozialdienst katholischer Frauen und der Frauentreff.

Acht Elternschaften auf Probe können sie jährlich anbieten, finanziert übrigens vom Kreis. Die Schulen reißen sich um diese Projekte. Für 2012 sind bereits alle Termine vergeben.

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