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Uetersener Nachrichten

11. Dezember 2017 | 16:50 Uhr

Sprache : Was Opa kann, gelingt auch dem Enkel

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Dieses Experiment darf schon vor Beendigung getrost als geglückt bezeichnet werden: Seit Beginn des Schuljahres gibt es an der Regionalschule in Moorrege einen Wahlpflichtkurs für Plattdeutsch. Speeldeel-Schauspieler Gerhard Richert und Lehrerin Heidi Suckow, die die Schüler gemeinsam unterrichten, haben in der vergangenen Woche eine positive Bilanz gezogen.

shz.de von
erstellt am 13.Mai.2013 | 21:33 Uhr

„Ich hatte schon länger die Idee, etwas mit der plattdeutschen Sprache im Unterricht zu machen“, sagte Heidi Suckow, die selber gut Platt spricht. Als sie mit der Bitte konfrontiert wurde, einen weiteren Wahlpflichtkurs anzubieten, fasste sie sich ein Herz. Und hat es nicht bereut!

„Wir ergänzen uns hervorragend“, sagte Gerhard Richert, der sich seit vielen Jahren dafür engagiert, dass auch die Enkel die Sprache ihrer Großeltern lernen. Dabei war sein Einsatz zu Anfang nicht geplant. Heidi Suckow begann mit ihren 24 Neuntklässlern, darunter nur drei Mädchen, zunächst eher theoretisch.

Bis die Schüler mehr Praxis einforderten und ihre Lehrerin kurzerhand zum Telefonhörer griff, um sich einen echten Profi zur Unterstützung zu holen! „Für uns, die wir um das Plattdeutsche bemüht sind, ist das hier eine Riesenchance“, sagte Richert. Er freue sich ungemein, dass es sogar Noten in dem Fach gebe. „Dadurch bekommt das Ganze mehr Schwung.“

Für den sorgen allerdings vor allem die beiden so unterschiedlichen Pädagogen. Ausspracheübungen, Grammatiktests, aber auch ein gemeinsames Labskaus-Essen auf der Grundlage eines plattdeutschen Rezeptes, Spiele, Geschichten und ein plattdeutscher Quiz – die Unterrichtsinhalte lassen kaum Platz für Langeweile. Und so ganz nebenbei plaudert Gerhard Richert denn auch mal aus dem Nähkästchen, erzählt von dem Blödsinn, den er und so mancher Großvater des einen oder anderen Schülers während der eigenen Jugend verzapft haben. Schließlich kennt der Haselauer sie fast alle. Nun geht der Kurs langsam zu Ende, und die Schüler stecken mitten in den Proben für einen plattdeutschen Sketch, der im Rahmen der Abschlussfeier im Juni aufgeführt werden soll. Und wie geht es nach den Ferien weiter mit dem Plattdeutsch-Untericht? Heidi Suckow kann da im Augenblick nur ratlos mit den Schultern zucken. Noch steckt die Schule mitten in der Umstrukturierung: Wenn die letzten Haupt- und Realschüler die Schule verlassen haben, wird es keine Wahlpflichtkurse mehr geben. Aber sie und Gerhard Richert werden schon einen Weg finden, das Experiment zu wiederholen.

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