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Uetersener Nachrichten

21. August 2017 | 14:51 Uhr

Aktion : Was hält Frauen von Politik ab?

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Etwa 70 Prozent der Politiker im Kreis Pinneberg sind Männer. Ist die Bevölkerung damit zufrieden? Zwischen den Ständen des Pinneberger Wochenmarkts diskutierten gestern viele Menschen über diese Frage. Mit einer sogenannten Bodenzeitung forderten Deborah Azzab-Robinson, die Gleichstellungsbeauftragte der Kreisstadt, und ihre Wedeler Kollegin Magdalena Drexel die Passanten dazu heraus.

Sie hatten eine zwei mal drei Meter große weiße Plane auf dem Drosteiplatz ausgebreitet. An das obere Ende hatten sie als Überschrift geschrieben: „70 Prozent der Politiker im Kreis Pinneberg sind Männer. Was halten Sie davon?“ Darunter folgten acht Antworten, hinter die die Passanten rote Punkte zur Zustimmung kleben durften. Die meisten Menschen identifizierten sich mit der Aussage: „Das muss sich ändern. Frauen bringen andere Sichtweisen mit ein.“ Einen großen Zuspruch erfuhr auch der Satz: „Die Parteien sollten sich stärker um Frauen bemühen.“

Erstaunt zeigte sich Deborah Azzab-Robinson über Frauen, die Punkte hinter die Antwort klebten: „Ich kenne genug Frauen, die gute Politikerinnen wären.“ Denn die Gleichstellungsbeauftragte stellte fest: „Sie meinten nicht sich selbst.“

Für Magdalena Drexel und Deborah Azzab-Robinson ist klar: Da die Hälfte der Wahlberechtigten weiblich sind, sollten auch 50 Prozent der Sitze in den politischen Gremien mit Frauen besetzt werden. „Der Staat hat die Pflicht, darauf hinzuarbeiten, die tatsächliche Gleichberechtigung dort durchzusetzen, wo es sie noch nicht gibt“, sagte die Pinnebergerin. In die Flüchtlingsbetreuung etwa brächten sich bereits mehr weibliche als männliche Helfer ein. Das zeige: „Frauen haben Lust sich zu engagieren, aber sie brauchen auch die nötigen Strukturen“, betonte Deborah Azzab-Robinson.

Die abendlichen Termine der politischen Sitzungen und die oft harsche Gesprächskultur schreckten Frauen eher ab. Magdalena Drexel räumte ein: „Die Ressource Zeit ist immer ein Problem. Wir haben keine Patentrezepte, aber wir wollen Lösungen anstreben.“ Eine Kinderbetreuung könne helfen, ebenso eine stärkere Kultur der Wertschätzung in den Gremien.

Der Kummerfelder Gemeindevertreter Andreas Supthut berichtete, dass der Frauenanteil in seinem Gemeinderat bereits fast 40 Prozent beträgt und mit Erika Koll von einer Bürgermeisterin geleitet wird. Im Blick auf die Pinneberger Bürgermeisterin Urte Steinberg bemerkte er aber: „Es ist enttäuschend, dass sie mit viel Elan gewählt, aber danach von den Politikern im Regen stehen gelassen wurde.“ Der Frauenanteil in Pinnebergs Ratsversammlung beträgt 25,8 Prozent.

Professorin aus Kassel hält Vortrag:

Einen Vortrag über das Thema „Mehr Frauen in die Kommunalpolitik“ hält Professorin Dr. Silke Ruth Laskowski von der Universität Kassel am Donnerstag, 3. März, im Pinneberger Rathaus. Sie setzt sich für ein Wahlrecht nach französischem Vorbild ein. Dort dürfen sich nur Parteien aufstellen, deren Wahllisten zu mindestens 50 Prozent mit Frauen besetzt sind. Der Erfolg: Die Frauenquote in kommunalen Gremien beträgt 48,5 Prozent. Die Gleichstellungsbeauftragten der Städte Pinneberg, Wedel und des Kreises laden ein. Beginn im Ratssitzungssaal ist um 18.30 Uhr. Anmeldung unter Telefon 04101/211231.

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erstellt am 25.Feb.2016 | 21:32 Uhr

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